Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Während sich ein Einsteiger in die Fotografie über Kommentare zu seinen Fotos wie "tolles Foto", "Wow", "Super" oder "Mehr davon" noch freut, sind sie jemand, der sich fotografisch verbessern möchte oft ein Dorn im Auge - helfen diese Kommentare doch beim Verbessern der eigenen Fähigkeiten nicht weiter.

Wer sich verbessern möchte sucht daher oft "konstruktive Kritik", also Hinweise, was er an seinen Fotos besser machen könnte. Die sind dann oft recht konkret wie "Die Hauptperson ist nicht scharf", "Der Horizont ist schief", "Das Motiv sitzt zu mittig" oder "Der Hintergrund lenkt zu sehr ab". Das gibt ihm Hinweise, was er an seinem nächsten Foto besser machen könnte.

Doch konstruktive Kritik hat einen Nachteil, der oft übersehen wird: Ziemlich alle, die sich diese Kritik wirklich zu Herzen nimmt, entwickeln sich dadurch in die gleiche Richtung: Sie machen Fotos wo die Augen scharf, das Motiv auf einem Drittel liegt, der Hintergrund nicht ablenkt, der Horizont gerade ist. Sie achten auf simple Regeln, produzieren austauschbaren Einheitsbrei.

Sie vergessen, was sie ursprünglich zur Fotografie brachte. Was die Betrachter ihrer ersten Fotos zu Aussagen wie "toll" und "super" verleitete.

Im anderen Bereichen wie beispielsweise dem kreativen Schreiben gibt es daher auch noch eine andere Form der "Kritik":

Das Positive hervorheben

Statt hervorzuheben, welche Fehler ein Foto hat, was verbessert werden könnte, liegt hier der Fokus auf dem, was am Foto toll ist: "Super den richtigen Moment getroffen", "die Unschärfe trägt zum Geheimnisvollen bei", "Traumhafte Location", "Die Stimmung die das Bild vermittelt geht mir unter die Haut".

Hier liegt der Fokus auf dem, was das Foto besonders macht. Statt die Aufmerksamkeit auf die "Fehler" zu lenken werden die Stärken betont, damit der Fotograf sie weiter ausbaut, sie noch weiter verbessert. Die Schwächen treten dabei manchmal von ganz alleine in den Hintergrund, vor allem aber verliert der Fotograf beim Betonen seiner Stärken diese nicht aus den Augen, während es bei konstruktiver Kritik schnell passieren kann, dass er am Ende gar nicht mehr so genau weiß, was er damals an der Fotografie und vor allem an seinen Fotos noch so toll fand.

Beide Formen der Kritik haben ihre Berechtigung, mein Appell lautet:

Verlier die Stärken nicht aus den Augen!

Das gilt für Deine eigenen Stärken aber auch wenn Du Fotos kritisierst, leg mehr Gewicht auf das, was die Fotos zu etwas besonderem macht und weniger auf die (meist eher technischen) Mängel! Das scheint einfach, doch manchmal ist es erstaunlich schwierig an einem Foto nur Positive Dinge zu finden die es zu betonen lohnt. Das bringt nicht so schnelle Ergebnisse wie konstruktive Kritik, dafür hat es aber die Chance über die Gestaltungsregeln hinaus zu etwas besonderem zu werden.

Veröffentlicht am Fr, 31. Jan 2014, 22:43 von Sam

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und bringt mich selbts konstruktive Kritik wirklich weiter?(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Mi, 25. Jun 2014, 09:57

Fotografieren kann schon frustrierend sein. Sei es, weil ich etwas nicht hinbekomme, sei es, weil die Kritik für mich nicht nachvollziehbar oder berechtigt negativ ausfiel. Ein paar nette Worte würden manchmal schon helfen. Aber würden ich dadurch bessere Bilder machen können?

Kritik setzt einen Massstab voraus, anhand dessen ein Bild beurteilt wird. Bei Kommentaren wie „tolles Foto“, „wow“, „super“ oder „mehr davon“ kann ich den angelegten Massstab nicht erkennen. Anders dagegen bei folgenden Aussagen:

Ob es sich dabei um einen guten Massstab handelt, bezweifle ich sehr. „Hauptperson muss scharf sein“? Gerhard Richter sieht das offensichtlich anders und seine Kritiker geben ihm recht (siehe z.B. sein Bild: Ella, 2007).

Gut nachvollziehen kann ich „Den richtigen Moment getroffen“, "Die Unschärfe trägt zum Geheimnisvollen bei" und "Die Stimmung die das Bild vermittelt geht mir unter die Haut". Was ich mit der Aussage "Traumhafte Location" anfangen soll, ist mir hingegen nicht klar. Schliesslich kann ich ja nichts dafür, dass sie so traumhaft ist und ob sie zum Thema meines Bildes passt, ist damit auch nicht geklärt.

Kritik setzt einen Massstab voraus, der gut gewählt sein und sowohl dem Kritiker als auch dem Kritisierten bekannt sein muss bzw. auf den sie sich geeinigt haben.

Der Massstab

ist schon recht simpel und es ist leicht zu belegen, dass er nichts taugt.

Für mich gibt es allgemeingültige Bewertungskriterien wie Bildaussage, Bildwirkung, Bildverwendung, eingesetzte Gestaltungsmittel und technische Ausarbeitung. Dazu kommen dann noch genrespezifische Kriterien, die z.B. bei meinem Genre, der Glamour Portrait Fotografie, folgende sind:

Dass obige Kriterien nur wenig mit der gekonnten Handhabung einer Fotoausrüstung zu tun haben liegt daran, dass ein gutes Bild eben viel mehr ist als die Vermeidung technischer Mängel.

Egal ob mir jemand mitteilt, dass die Pose unglaubwürdig ist oder es nicht erwähnt, versetzt mich noch nicht in die Lage, diesen Mangel zu erkennen und vermeiden zu können. Dazu muss ich zuerst lernen, glaubwürdige Posen zu erkennen bzw. anleiten zu können. Genau so ist es mit der Belichtung: die Erkenntnis nicht die Richtige erwischt zu haben bedeutet noch lange nicht nun zu wissen, welche die Richtige wäre. Oder noch schlimmer: wie ich die Richtige hinkriege. Vor dem Können kommt das Erkennen und Lernen!

Fotografieren kann schon frustrierend sein. Seine Stärken dabei nicht aus den Augen zu verlieren hilft über manche Krise hinweg. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass man möglicherweise nicht das Zeug zu einem neuen Cartier-Bresson, Ansel Adams, Jeff Wall oder Patrick Demarchelier hat.

Dein Motto „Verliere die Stärken nicht aus den Augen!“ finde ich sowohl für Kritiker als auch Kritisierten sehr gut. Schön wäre es noch, wenn gerade Laienkritiker ihre Stärken und vor allem Schwächen nicht aus den Augen verlieren würden.


Sam schrieb dazu am Sa, 28. Jun 2014, 14:08

Stimmt, am wichtigsten ist immer wie sehr sich der Betrachter bzw. Kritiker mit einem Bild auseinandersetzt.

Allerdings habe ich bei meinem freundlichen Fotowettbewerb ganz bewusst nur positive Kritik zugelassen, was zuerst für befremden sorgte, da es ungewöhnlich war. Im Nachhinein fanden alle Beteiligten das als einen Highlight im Vergleich zu anderen Bildbesprechungen. Die Gesamtstimmung aus der Veranstaltung war auch extrem positiv und ich denke dennoch hat jeder ausreichend Anregungen mitnehmen können um sich zu verbessern.


R. Ramer schrieb dazu am Mo, 30. Jun 2014, 11:24

Ich glaube dir sofort, dass die Teilnehmer auch wegen der Art der Kritik ausreichend Anregungen aus dem Fotowettbewerb mitnehmen konnten. Mir ging es auch schon so. Das mit dem Verbessern stellte sich dann doch als recht schwierig heraus. Lost in Translation sozusagen.

Positive Kritik und Massstab

Bei diesem Wettbewerb gab es Bildbesprechungen und Bewertungen. Nach welchen Kriterien wurde bewertet? Auch positive Kritik sollte doch auf einem Massstab gründen, nicht wahr?

Von der Verbesserungsanregung zum Können

Ein weiterer Punkt, wo ich nicht so recht weiter komme, ist die Frage, wie ich von der Anregung zur Verbesserung zum Besser sein komme. Gerade bei positiver Kritik weiss ich ja nur, dass ich das positiv Kritisierte wohl richtig gemacht habe, nicht aber, was ich falsch gemacht habe und warum. Und wie ich es besser machen kann, ist damit ja auch noch nicht gesagt.

Übertragbarkeit positiver Kritik

Bei Besprechungen von Bildern anderer könnte ich aus dem positiv Kritisierten wie z.B. "Traumhafte Location" und bei meinem Bild nicht positiv Kritisierten schliessen, dass meinen Bildern z.B. die traumhafte Location fehlt. Aber was ist, wenn das Thema meines Bildes aber auch gar nichts mit all dem zu tun hat, was ich mit "traumhafte Location" verbinde?


haylebob schrieb dazu am Fr, 21. Nov 2014, 05:47

ich finde man soll immer klar und deutlich das ansprechen was Sache ist, sowohl positiv als auch negativ.

Ich halte nichts "positiver Kritik", "zweiter Sieger" oder so. Kritik ist nun mal negativ, Lob ist positiv. So

einfach ist das in meinen Augen.  Michael

Heilpraktiker in Flensburg
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