Sam Jost
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Farbräume & Farbmanagement

Als die Digitalfotografie einzog, kamen externe Belichtungsmesser aus der Mode. Inzwischen kommen sie scheinbar wieder in Mode, jedenfalls gibt es so einige Digitalfotografen, die darauf schwören und "nie mehr ohne" arbeiten wollen.

Nachvollziehen kann ich das nicht. Ich selber hätte auch mal beinahe einen gekauft, habe mich lang und breit mit dem Thema auseinandergesetzt und bin dann aber zu dem Schluß gekommen, dass das für meine Art der Fotografie Unfug ist. Nachdem ich ab und an dazu gefragt wurde, was ich von externen Belichtungsmesser halte, hat mich Roland S. mal dazu bewegt, diese Beweggründe doch mal öffentlich zu machen, weil bei Belichtungsmessern viel Unsicherheit herrscht.

Dazu erst einmal vorab: Was tut so ein externer Belichtungsmesser eigentlich?

Zum Einen macht er das, was die Belichtungsmessung in der Kamera auch schon tut: Er misst die Helligkeit und kann aufgrund dieser und der Vorgaben genau wie die Belichtungsmessung der Kamera ISO-Wert, Belichtungszeit oder Blende vorschlagen, je nachdem wie man ihn einstellt. Und ähnlich wie bei der Kamera kann er verschieden große "Flecken" auf ihre Helligkeit hin messen.

Das kann die Kamera auch so, dafür braucht man keinen externen Belichtungsmesser. Und nicht nur das, die Kamera kann das sogar viel besser. So weiß der Belichtungsmesser beispielsweise ja nicht, welchen Ausschnitt die Kamera sieht. Und er weiß auch nicht, wie effektiv das Objektiv und die Kamera sind (dazu später mehr). Die Messung des reflektierenden Lichts kann die Kamera meiner Meinung nach viel besser als ein Belichtungsmesser.

Somit ist eigentlich nur die zweite Eigenschaft eines externen Belichtungsmessers interessant: Statt mit ihnen wie mit der Kamera auf das Model/Motiv zu zeigen, kann man sie dorthin halten, wo das Model steht und sie messen das einfallende Licht (Vorausgesetzt man steht dem Gerät nicht selber im Licht, aber das ist ja Übungssache). Während Du beim Zeigen mit dem Belichtungsmesser auf ein Motiv darauf achten musst, möglichst auf eine Fläche mittlerer Helligkeit zu zeigen, hat dies den Vorteil, dass die Messung unabhängig von der Helligkeit z.B. der Kleidung funktioniert.

Allerdings hat dies einige Probleme:

Zuerst einmal das offensichtliche: Die Messung des einfallenden Lichts funktioniert natürlich nur dann, wenn Du mit dem Belichtungsmesser zum Motiv hingehen kannst. Ich fotografiere viel auf Bühnen oder Sport, wo ich nicht mal eben zwischen Musiker und Schauspieler gehen kann, um dort das Licht zu messen. Und schon gar nicht, wenn sich das Licht während der Show ändert, was bei Bühnen ja gang und gäbe ist.

Dazu sagt mir das Gerät zwar, wie hell es dort ist, aber es sagt mir nicht, ob mir diese Helligkeit als Foto gefällt. Es ist halt nur ein Messgerät und kein Bildkritiker.

Viel schwerer wiegt für mich allerdings, dass der Wert des Messgerätes nur ein Anhaltspunkt ist. Zack Arias beispielsweise liebt seinen Belichtungsmesser (wie er zugibt teilweise nur aus psychologischer Sicht, um sich daran festzuhalten), und selbst er gibt zu, dass er mit dem gemessenen Wert ein Foto macht und dann anschließend aufgrund des Displays die Belichtung korrigiert.

Denn was die wenigsten Leute zu wissen scheinen: Damit ein Belichtungsmesser brauchbare Ergebnisse liefert, muss er kalibriert werden. Und zwar auf jede Kombination aus Kamera und Objektiv.

Wie hell ein Foto ist, schwankt je nach Kamera durchaus mal um eine halbe Blende. Was bei Canon ISO 160 ist, kann bei Nikon durchaus ISO 100 sein, wie ich mal bei einem Vergleich meiner Nikon D700 mit einer Canon 5D mkII feststellen musste.

Auch lassen Objektive trotz gleicher Blende unterschiedlich viel Licht durch. So wurde beim Wechsel von meinem 17-35mm/2.8 zu einem 35mm/2.0 bei gleichen Lichtverhältnissen und identischer Blende f/4 das Foto heller, weil das 35mm mehr Licht durchlässt als der 2.8er Zoom. Der sogenannte F-Stop ist ja ein rein rechnerischer Wert, kein gemessener.

Filmer wissen das schon lange, die arbeiten nicht mit F-Stops sondern mit gemessenen T-Stops, die je nach Objektiv anders aussehen können als die F-Stops.

Je nach Kamera und Objektiv kann also der Belichtungswert für eine identische Helligkeit locker mal um eine Blende schwanken. Daher müsste man einen Belichtungsmesser wie gesagt für eine sinnvolle Verwendung auf jede Kombination eichen. Oder den Wert eben nur als Startwert nehmen und den Rest nach Display oder in der Nachbearbeitung korrigieren. Aber wenn ich eh korrigieren muss, dann kann ich genauso gut den eingebauten Sensor nehmen oder die Belichtung von Hand schätzen.

Wobei es genau eine Sache gibt, wo Belichtungsmesser Sinn machen: Wenn ich ein Lichtsetup im Studio aufbaue und sichergehen will, dass das Licht unten am Model genauso hell ist wie oben, dann kann ich das mit dem Messgerät schnell und zuverlässig messen. Oder auch wenn ich einen Lichtaufbau dokumentieren möchte und dazu messwerte ausgeben will, an welcher Stelle im Setup es wie hell war, ist das sehr praktisch.

Aber diese Werte würde ich dann nur dort messen, ich würde mir nichtmal die Mühe machen, sie in die Kamera zu übertragen. Denn den Wert muss ich ja wahrscheinlich ohnehin korrigieren

Von meinem Gefühl her ist es mit einem Belichtungsmesser wie mit einer Leica: Wenn Du Dich dafür entschieden hast, viel Geld dafür ausgegeben hast, dann wirst Du das Ding natürlich auch toll finden und sehr wichtige Anwendungen dafür haben. Jedenfalls kommt das bei mir so an, denn wenn jemand seine Arbeitsweise mit so einem Gerät erklärt, leuchtet mir eigentlich nie ein, warum das nicht genausogut auch ohne geht.

Sprich: Wenn überhaupt, dann würde der für mich nur im Studio Sinn machen. Aber solange ich nicht jeden Tag zig Stunden im Studio stehe sehe ich da absolut keinen Gewinn drin.

Nun muss ich allerdings dazusagen, dass das alles theoretische Gründe sind. Ich habe mich mit dem Thema Belichtungsmesser lang und breit auseinandergesetzt, habe mir die Meinungen verschiedener Fotografen angehört, angeschaut, wie die damit arbeiten und für mich keinen Vorteil zu meiner Arbeitsweise finden können.
Gründlicher wäre, wenn ich mir mal einen anständigen Belichtungsmesser kaufe und ihn eine zeitlang einsetze. Doch da ich ihn bisher noch nie vermisst habe, hab ich mir Geld und Zeit bisher gespart.

Vielleicht hilft das dem einen oder anderem bei der Entscheidung für oder gegen Belichtungsmesser ja weiter.

PS: Unbedingt auch den Kommentar von Dagaz dazu lesen!

Veröffentlicht am So, 23. Dez 2012, 13:56 von Sam

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Ein paar Ergänzungen(Diskussion)
Dagaz schrieb am Do, 27. Dez 2012, 14:27

Ich hatte Dir das Thema ja schon einmal per Mail vorgeschlagen. Auch, wenn das hier nicht der Artikel ist, den ich mit damals erhofft hatte, halte ich ihn dennoch für sehr sinnvoll. Vor allem für alle, die ihre begrenzten Ressourcen gerne sinnvoll ausgeben ;).

Ich würde gerne noch ein paar Punkte ergänzen:

Zuerst zu der kognitiven Dissonanz ("war teuer, muss also muss es toll sein"): Das stimmt! Mit größerem zeitlichem Abstand und ausreichend dicker Staubschicht auf dem Beli scheint das aber nach zu lassen ;). Dementsprechend sind gute Belis auch recht günstig „gebraucht“ (also älter mit fast keinen Gebrauchsspuren) zu bekommen.

Zu den "Schattenseiten" des Beli würde ich noch ergänzen: Man muss den Beli nicht nur für jede Kombination von Kamera und Objektiv kalibrieren, man benötigt dazu auch noch jede Menge Erfahrung mit dem eigenen Bildgeschmack. Ich muss ja nicht nur alle Bilder mit allen Kombinationen bei gleichen Lichtverhältnissen gleich hell haben, es muss ja auch die "richtige" Helligkeit sein. Und was "richtig" ist, hängt halt zu einem größeren Teil auch vom persönlichen Geschmack ab.

Wer sich einen Beli zulegen will sollte noch eine weitere wenig erfreuliche Sache berücksichtigen: Der Umgang damit ist in erster Linie eine Erfahrungssache. Man bekommt kaum eine vernünftige Anleitung zur Messung und zur Interpretation der Messergebnisse. Da kann auf jeden Fall erst einmal viel Frust aufkommen.

Letztlich benutze ich den Beli eigentlich nur noch im Studio. Draußen ist er einfach zu unpraktisch, zumal dort die Belichtungsmessung der Kamera wirklich gut funktioniert. Ich möchte aber auch noch den Einsatzbereich im Studio etwas ergänzen (Hinweis: Ich nutze Studioblitze, keine Aufsteckblitze.):

Da spart ein Beli mir nämlich viel Zeit, wenn ich einen Aufbau mit mehreren Lichtquellen mache. Wenn man die Helligkeit der einzelnen Bitze im Aufbau relativ zueinander einstellt, geht das sehr schnell und sehr präzise mit dem Beli. Selbst dann, wenn man dennoch erst ein paar Testbilder macht, um die Gesamthelligkeit im Bild zu prüfen oder zu prüfen, ob das, was man sich vorgestellt hat wirklich so gut aussieht wie erwartet, beschleunigt das den Aufbau sehr. Gerade dann, wenn man mal zwischendurch umbaut und das „Opfer“ sich anfängt zu langweilen oder man es mit ungeduldigen Menschen zu tun hat ist das der Stimmung sehr zuträglich. Abgesehen davon bin ich auch schnell genervt, wenn ich vermeidbar viele Testbilder machen muss. Schon alleine das immer wieder zwischen Blitzen und Kamera hin und her pendeln nervt mich sehr schnell.

Außerdem finde ich die relative Helligkeit von verschiedenen Lichtquellen mit dem Kamera-Display nur sehr schwierig gut zu beurteilen (mag an mir liegen). OK, das Histogramm hilft ein wenig. Aber für Histogramme braucht man ja auch erst ewig lange, bis sie wirklich hilfreich sind. Studioblitze sind sehr fein einstallbar. Wenn ich das nur nach dem Display beurteile, ist dieser Luxus Perlen vor die Säue. Ich bekomme das einfach nicht so zuverlässig hin wie mit dem Beli, mit dem ich da einfach „berechenbarer“ arbeite. Mit „berechenbarer“ meine ich, dass die Bidler später auf dem Monitor so aussehen, wie ich das erwarte.

Ich glaube, dass die Nützlichkeit des Belis in erster Linie eine Frage der Arbeitsweise ist: Leute, die sich erst überlegen, was für ein Bild sie wollen, dann die Blitze aufbauen und ausmessen und dann mit wenigen Bildern das haben wollen, was sie gerne hätten können in einem Beli eine sehr hilfreiche Arbeitshilfe sehen. Sie ist nicht lebensnotwendig, aber sehr nett, wenn man einen hat.

Wer grundsätzlich eher experimentell oder aus dem Bauch raus oder mit Erfahrung oder spontan arbeitet, der sollte die 300 bis 600 EUR wirklich anders und für ihn besser investieren.

Oh, und wo wir gerade dabei sind........ gibt es schon neues von „Mehr Licht“? (duckundweg ;))


Sam schrieb dazu am Do, 27. Dez 2012, 14:38

Stimmt, Du warst das! Ich wusste nur noch, dass das Thema schon mal war, aber die Details waren entfleucht!

Danke für das Feedback zu den Studioblitzen, denn genau das halte ich auch für den sinnvollen Einsatzort dieser Messgeräte - ich selber arbeite ja fast nur "On Location".

Was "Mehr Licht" angeht, meine Frau zieht mich damit auch immer wieder auf, bist also in guter Gesellschaft. Aber irgendwie schreib ich jetzt grad über Farbräume. Und aus anderer Richtung kam die Frage, wann denn nun meine 2. Edition von "Manuell belichten" mit Kapiteln zu Halbautomatiken und Meßmethoden kommen wird.

Irgendwie glaube ich daran, dass alles seine Zeit hat und dann kommen wird - oder vielleicht drück ich mich auch einfach noch davor rum, weil ich langsam Angst kriege, meinen eigenen Anspruch bei dem Thema nicht erfüllen zu können :) Ich sehe meine anderen Bücher ja auch als Übungsobjekte, die dafür sorgen, dass "Mehr Licht" dann noch besser wird.


R. Ramer schrieb dazu am Sa, 29. Dez 2012, 20:08
Ist es nicht so, dass: - die Kamera nur das reflektierte und nicht das einfallende Licht messen kann? - der Belichtungsmesser sowohl einfallendes als auch refelktiertes Licht messen kann? Was auch bedeutet, dass mit einem Belichtungsmesser Kontrastumfänge gemessen werden können? - nur mit der Spotmessung die "reine" Helligkeit gemesen wird. In allen anderen Belichtungsmodi eine "inteligente" Berechnung der Zeit-/ISO-/Blendenkombination von der Kamera eingestellt wird? - es nicht allgemein bekannt ist, wie die "inteligente" Berechnung eigentlich funktioniert und es daher kaum möglich ist, abzuschätzen, ob die vorgeschlagenen Werte etwas taugen? - mit der Kamera kein Blitzlicht gemessen werden kann? - mit dem Belichtungsmesser auch Spotmessungen von reflektiertem Licht gemessenwerden kann, und zwar auf Distanz? - auch die von der Kamera vorgeschlagenen Werte nicht zwingend eine Belichtung zur Folge haben, die meinen Vorstellungen einer motivgerechten Belichtung entsprechen? - sich die Kamera bei einer fast nur weissen oder fast nur schwarzen Szene total verhaut und nur der Fotograf die Situation noch retten kann, vorausgesetzt er weiss um das Problem und wie er damit umgehen muss? - Displays selten weder Farben noch Helligkeit oder Konstrast so gut wiedergeben, wie ein kalibrierter hochwertiger Monitor und alles andere als total zuverlässige Vorschauen zeigen?

Dagaz schrieb dazu am Mo, 31. Dez 2012, 12:29

Ich habe nicht rausgefunden, wie man Zitatblöcke einfügt, deshalb habe ich von R. Ramer den Text kursiv gemacht:

Ist es nicht so, dass:

Das ist ja an sich kein Problem, wenn man das weiß und damit umgeht. Letzteres muss man ja so oder so - aber das muss ich mit dem Beli auch. Die Frage ist doch: "Gebe ich deshalb für einen Beli ein Vermögen aus?"

Ja, richtig. Die Frage ist aber: Brauche ich das für meine Arbeitsweise? Abgesehen davon: Wenn ich den Kontrastumfang meiner Kamera kenne, kann ich das mit der internen TTL-Messung auch substituieren.

Mir scheint, dass Du die Belichtungsmessungsmodus der Kamera mit den Belichtungseinstellungsmodus verwechselst. Wenn ich im Modus "M" Arbeite, stellt mir die Kamera überhauft nichts automatisch ein. Vollkommen egal, was mir eine Spotmessung, mittenzentirerte Messung oder Mehrfeldmessung (oder welche Messmodi die Kamera sonst noch haben mag) liefert. AV und TV sowie P stellen nichts am ISO-Wert ein. Und wer im Automatik-Modus arbeitet, benötige ich ohnehin keinen Beli.

Aber im wesentlichen unterscheidet sich die Arbeitsweise im Kern kaum: Ich bekomme ein Messergebnis und muss es interpretieren. Und ich vermute, dass das den meisten (gerade Anfängern) mit der TTL-Messung sogar eher leichter fällt, weil das Konzept intuitiver zu verstehen ist. Allerdings ändert das auch nichts daran, dass man auch bei der TTL-Messung der Kamera eine Weile braucht, bis man vorhersagbar die Belichtung bekommt, die man haben will.

Die Frage ist deshalb auch wieder: "Gebe ich deshalb für einen Beli ein Vermögen aus?"

Da ich (s.o.) annehme, dass Du Belichtungsmessung mit Belichtungseinstellung verwechselst/vermischt, kann ich nicht abschätzen, was Du damit meinen könntest.

Richtig. Außer man hat einen TTL-Blitz, der von der Kamera gesteuert werden kann, was zwar nicht das Blitzlicht, aber das auf den Sensor fallende Licht misst, was pragmatisch gesehen für die Kamera fast das selbe ist. (Was dafür spricht, nicht an den Blitzen zu sparen, wenn man Systemblitze anschafft. Vgl. die entsprechenden Artikel irgendwo auf Sams Seite ;))

Aber genau deshalb sind Sam und ich uns anscheinend ja auch einig, dass der Beli im Studio durchaus seine Berechtigung hat. Wegen meiner auch noch bei "on location", wo man sein Studio-Krams mit nach draußen nimmt. Aber die meisten Leute machen das nicht, oder nicht oft genug um die Frage "Gebe ich deshalb für einen Beli ein Vermögen aus?" mit "ja" beantworten zu wollen.

Zumal - wie Sam schieb - viele Leute ohnehin anhand ihrer Testbilder (und nicht aufgrund ihrer vorherigen Messergebnisse) nachjustieren.

Was soll daran ein Argument sein? Das ist genau das, was die Kamera macht. (Das war übrigends sogar Dein erster Punkt oben.) Und was soll das Hindernis an einer Distanzmessung sein? Letzteres sollte die Kamera sogar wesentlich besser können. Wo ist für die Kamera der Unterschied, ob ich die Helligkeit eines 5 m entfernten T-Shirts durch ein 50mm Objektiv messe oder die Helligkeit einer 5 km entfernten Bergkuppe durchs 200mm-Tele? (Besonders bei letzterem wünsche ich mit dem Beli viel Spaß...)

Was ist daran anders als mit dem Beli? Ist doch vollkommen egal, ob ich einfallendes oder reflektiertes Licht messe: Ich muss den Wert je nach Motiv interpretieren und vom gemessenen Wert ausgehend über-/unterbelichten. Gerade bezüglich dieses Punktes hat der Beli meiner Meinung nach wenig bis keine Vorteile.

Siehe letzter Punkt. Wenn ich mit Messwerten nicht umgehen kann habe ich immer ein Problem. Allerdings ist gerade das auch für mich mit dem Beli einfacher. Das ändert aber genau NICHTS daran, dass der gemessene Wert nicht unbedingt der ist, den ich an der Kamera einstellen muss: Woher soll denn der Beli wissen, ob ich eine Dunkle Szene habe, die ich mit allen Strukturen und Zeichnungen sichtbar haben will oder ob ich ein Bild im low-key absaufen lassen will?

Das Problem bleibt: Wer mit Messwerten nicht umgehen kann, ist mit beiden Methoden am Ende. (Und sollte sich die Ausgaben für den Beli erst recht sparen!)

Das ist der einzige Punkt, dem ich vollkommen zustimme. (Siehe auch mein erstes Posting). Allerdings muss man da auch hinzufügen, dass auch die meisten real existierenden Monitore eher mau sind (das liegt wohl auch daran, dass gute "Gamer-Monitore" nicht mal die Hälfte von dem kosten, was magere Monitore zur DTP-Arbeit kosten, welche dann aber wiederum schlecht Spieletauglich sind). Auch kaum wer in *meinem* Bekanntenkreis kalibriert seinen Monitor. Und ich vermute auch insgesamt kaum wer. Da könnte die Kamera glatt aussagekräftiger sein. (Zumindest in Verbindung mit dem Histogramm.) Aber wem es zu aufwändig ist, sich in Belichtungsmessung einzuarbeiten, der wird mit Histrogrammen auch nicht unbedingt Freude haben.


Sam schrieb dazu am Mo, 31. Dez 2012, 16:05

Das finde ich das Schöne: Es gibt hier (wie bei vielen Themen) keine wirklich klare Entscheidung pro oder contra.

Es gibt aber für jeden seine persönlichen Gründe, ob er so ein Gerät einsetzt oder nicht. Und da meine Argumentation ja eher gegen externe Belichtungsmesser ist, finde ich es super, hier eine kontroverse Diskussion dazu zu haben, wo auch ein paar Kritikpunkte an meiner Ansicht genannt werden.

Ich denke das hilft dann auch anderen, die sich für das Thema interessieren - daher vielen Dank an euch beide für die Gegenfragen und positive Auseinandersetzung damit!

Und natürlich einen guten Rutsch!!


Dagaz schrieb dazu am Mo, 31. Dez 2012, 16:37

Naja, das Ding ist halt, dass beide Messmethoden ihre Vorteile haben. Mit dem Beli kann man das Licht messen, was da ist. Das ist unabhängig vom reflektierenden Untergrund.

Die Kamera misst halt so, dass der anvisierte Punkt eine korrekte Helligkeit bekommt - unabhängig von der Menge des einfallenden Lichts.

Man kann mit beidem arbeiten. Und man muss beide Ergebnisse verstehen und interpretieren können.

Im Studio habe ich halt das Problem, dass ich Studioblitze habe, die nicht TTL-gesteuert sind. (Wie wohl die meisten Studioblitze.) Die Kamera kann halt alleine den Blitz nicht messen. Und auf zig "Testbilder" habe *ich* einfach keine Lust. Da "blitzdingse" ich lieber kurz den Beli ;). Und ja, das ist *mir* die Anschlaffung auch im Nachhinein wert gewesen. (Auch wenn es extrem in Arbeit ausgeartet ist, mit dem Ding umgehen zu lernen.)

Ob einem das die Anschaffung wert ist, soll jeder für sich beantworten.

Dir (und allen anderen) auch einen guten Rutsch!


R. Ramer schrieb dazu am Di, 01. Jan 2013, 09:27

Zu Belichtungsmessungsmodus/Belichtungseinstellungsmodus:

Das Handbuch meiner Kamera kennt obige Begriffe nicht. Ich nehme mal an, diese entsprechen den Begriffen "Aufnahmemodus" und "Messmethode".

Bei meiner Kamer kann ich den Aufnahmemodus (P, Tv, Av, M, B) wählen, was aber nichts mit der Belichtungsmessung zu tun hat, und die Messmethode für die  Belichtungsrechnung einstellen. Und dann gibt es da noch die Belichtungsstufenanzeige.

Im M-Modus muss ich die Kombination von Zeit/Blende/ISO selber einstellen, bei den anderen Modi übernimmt die Kamera das eine oder andere oder alles. Einen Hinweis darauf, ob es laut Belichtungsrechner eine gute Kombination ist, gibt mir die Belichtungsstufenanzeige.

Ich sehe das so: In meiner Kamera ist ein Belichtungsmesser und ein Belichtungsrechner eingebaut. Die Werte, die er misst, sehe ich nicht. Die Belichtungsstufenanzeige zeigt mir aber an, ob der Belichtungsrechner der Meinung ist, dass es zu wenig, zu viel oder gerade genug Licht bei den gegebenen Einstellungen für die Belichtung hat, wobei die Kamera ausser im M-Modus selbständig versucht, eine ihrer Meinung nach gute Kombination von Zeit/Blende/ISO einzustellen. Da ich keine Motivprogramme an meiner Kamera habe, kann ich ihr keinen Hinweis darauf geben, mit welcher Art von Motiv ich es zu tun habe. Das hat manchmal schon schlimme Folgen.

Wie der Belichtungsrechner entscheidet, ob es zu wenig, zu viel oder gerade genug Licht hat, ist meines Wissen nur dem Kamerahersteller bekannt. Ich habe das mal ausprobiert: bei der genau gleichen Szene kann es durchaus vorkommen, dass die Kamera bei der einen Messmethode der Meinung ist, es habe gerade genug Licht und mit einer anderen, dass zu viel oder zu wenig Licht zur Verfügung steht. Das verunsichert mich!

Zu Kamera und Spotmessung:

Meine Canon EOS 450D hat Spotmessung, wobei "Spot" wenig mit Punkt und viel mehr mit grossem und je nach Brennweite riesigem Flecken zu tun hat. Spotmessung ist damit eher abenteuerlich.

Und was kann mein Handbelichtungsmesser (Beli)?

Eigentlich nur Lichtwerte messen und als EV-Werte anzeigen. Netterweise kann ich dann auch noch Kombinationen von Zeit/Blende/ISO für den gemessenen Wert mir anzeigen lassen, was beim Arbeiten gerade mit dem M-Modus wirklich hilfreich ist. Messen kann ich einfallendes und reflektiertes Licht. Dass er keinen Belichtugsrechner wie die Kamera hat, ist für mich klar ein Vorteil und steigert mein Vertrauen in dieses Gerät.

Handbelichtungsmesser ja oder nein?

Mit dem Handbelichtungsmesser ist es wie mit dem M-Modus und der Graukarte: es geht meist auch ohne, aber nicht immer und nicht immer schneller.

Will ich also auch solche Situationen meistern, bei denen es mit dem eingebaut Belichtungsmesser nicht geht oder es zu lange dauert, brauche ich einen Handbelichtungsmesser.

Belichtungsmessung und Arbeitsweise

@Sam
Überlässt Du die Leistungseinstellung beim entfesselten Blitzen on Location dem Belichtungssystem Nikon CLS? Geht das gut? Canon E-TTL ist in solchen Situationen meiner Erfahrung nach recht wankelmütig und verhaut sich des öffteren.

 

PS:

Hoffe, Ihr seit gut ins neue Jahr gestartet und wünsche alles Gute für 2013.


Dagaz schrieb dazu am Di, 01. Jan 2013, 14:52

<!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } A:link { so-language: zxx } -->Der „Berlichtungsrechner“ Deiner EOS verwendet ganz genau das gleiche Verfahren, wie die Spotbelichtungsmessung Deines Belis:

Die Kamera geht davon aus, dass der Helligkeitswert der gemessenen Stelle 33% grau entspricht und ermittelt anhand des eingestellten ISO-Werts und der Belichtungszeit die richtige Blende.

Im Prinzip misst Dir der Beli bei der Lichtmessung das gleiche Muster einen Wert, bei dem beim vorhandenen Licht ein Objekt mit der Helligkeit, die 33% grau entspricht korrekt belichtet wird. Nur, dass Du an Deinem Beli einen Knopf hast, bei dem Du die jeweiligen „Paare“ aus Zeit und Blende durchklicken kannst. Gleiches erreichst Du aber auch, wenn Du an den Rädchen Deiner Kamera drehst.

TV und AV ermitteln dabei nur anhand der vorgegebenen Belichtungszeit bzw. Blende und dem eingestelltem ISO-Wert den jeweils anderen Wert. Der ISO-Wert ist nur eine weitere voreingestellte Basis und wird dabei nicht verändert. P geht halt nur die jeweils zusammenpassenden Belichtungspaare durch (jeweils auch bei bestehendem ISO-Wert).

Zur Interpretation dessen, was Du dann an Deiner Belichtungsanzeige in der Kamera siehst solltest Du vielleicht hier anfangen: http://www.radeldudel.de/blog/0810/Blendenstufen1BegriffBlende.html

und dann hier weiter machen: http://www.radeldudel.de/blog/0802/BelichtungManuellEinstellen.html

und dann ganz vielleicht hier http://www.amazon.de/gp/product/B007D62QUG/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=samsblog-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B007D62QUG weiter machen. (Das ist der Affiliate-Link von Sam! Sam bekommt von jedem Kauf etwas Geld, von dem er z.B. einen Teil der Rechnung für das Hosting dieser Seite bezahlen kann ;))

Dann wirst Du auch selbst merken, warum Du Dich auf das Messergebnis Deiner Anzeige nicht unbedingt verlassen kannst: Ein weißes T-Shirt oder ein Blaues Playmobilmännchen sind nicht unbedingt gleich hell, wie eine Fläche mit 33 % grau. Aber genau das ist das, was Dir JEDER Belichtungsmesser – egal ob Beli oder der Deiner Kamera – liefert. Und deshalb muss man das Ergebnis IMMER an das Motiv anpassen. Und da sind wir dann wieder bei der Erfahrung.


R. Ramer schrieb dazu am Mi, 02. Jan 2013, 10:48

"Der „Berlichtungsrechner“ Deiner EOS verwendet ganz genau das gleiche Verfahren, wie die Spotbelichtungsmessung Deines Belis". Ha - könnte meine Kamera dies lesen, wäre sie total beleidigt, denn sie hält sich für "sophisticated"! Aber zurück zum richtigen Leben.

Danke für die Hinweise. Und ich stimme Dir zu, dass Av, Tv usw. nichts mit Belichtungsmessung zu tun hat.

Meine Kamera kennt unterschiedliche Messmethoden (Spot, Integral, Mittenbetont, Mehrfeld), mein Handbelichtungsmesser nicht. Machen die das mit der Messung möglicherweise doch anders?

Ich habe es nachgemessen: Egal, ob ich ein weisses oder ein blaues T-Shirt nehme, zeigt mir der Handbelichtungsmesser bei der Lichtmessung (Messung des einfallenden Lichts) immer den gleiche EV-Wert an. Darauf kann ich mich durchaus verlassen, was ich so sympatisch am Handbelichtungsmesser finde.

Meine Kamera verhält sich da ganz anders. Gut, sie misst ja auch reflektiertes Licht, was es natürlich schwieriger macht. Laut Dirk Wächter hat eine EOS 1Ds Mark III 63 Messsensoren. Und er meint weiter: "Bei der Mehrfeldmessung wird das zu beurteilende Bild in Teilbereiche zerlegt, in denen je eine eigene Messung vorgenommen wird. Durch das Vergleichen dieser einzelnen Zonen miteinander entsteht ein Kontrastschema, mit welchem man [der Belichtungsrechner] Rückschlüsse auf das Motiv ziehen kann.". Also sowas macht mein Handbelichtungsmesser nun wirklich nicht. Ach ja, und dann berücksichtigt der Belichtungsrechner meiner Kamera ja auch noch den Fokuspunkt (Advanced Integrated Multipoint, kurz AIP, eingeführt 1990 in der EOS 10). Kennt mein Handbelichtungsmesser auch nicht. Der Belichtungsrechner verschiebt die Gewichtung der einzelnen Messfelder mit Hilfe der Autofokuspunkte. Müssig zu erwähnen, dass mein Handbelichtungsmesser sowas nicht kann.

Und dann gibt es da laut Michael Freeman noch "Content Recognition". Also bei den Kameras natürlich. Aber alles hat eben seine Schattenseiten. Freeman meint: "The problem is that the very sophistication of the method makes it harder for the photographer to know what decisions are being taken by the camera's processor.".

Meine Kamera geht ausser bei der Spotmessung eben nicht von einer gemessenen Stelle mit einem Helligkeitswer von 33% grau aus - die ist viel raffinierter. Und ich stimme mit Freeman überein: es ist für mich schwer abzuschätzen, was die Kamera für Entscheidungen getroffen hat.

So eine "sophisticated" Kamera kann recht praktisch sein - manchmal eben auch nicht. Und dann nehme ich gerne den Handbelichtungsmesser.

Übrigens:

Mein Handbelichtungsmesser liefert bei der Lichtmessung einen EV-Wert, der zu einer korrekten Belichtung führt, ganz unabhängig davon ob das Objekt eine Helligkeit von 33% grau hat oder nicht - behauptet zumindest Sekonic:

"Because incident metering reads the intensity of light falling on the subject, it provides readings that will create accurate and consistent rendition of the subject’s tonality, color, and contrasts regardless of reflectance, background color, brightness, or subject textures. Subjects that appear lighter than middle gray to your eye will appear lighter in the finished image. Subjects that are darker than middle gray will appear darker. Colors will be rendered accurately and highlight and shadow areas will fall naturally into place. Neat trick, eh?"

Und es stimmt - ich habe es selber ausprobiert!

Fazit:

Mit dem Handbelichtungsmesser ist es wie mit dem M-Modus und der Graukarte: es geht meist auch ohne, aber nicht immer und nicht immer schneller.

Will ich also auch solche Situationen meistern, bei denen es mit dem eingebaut Belichtungsmesser nicht geht oder es zu lange dauert, brauche ich einen Handbelichtungsmesser.


Dagaz schrieb dazu am Mi, 02. Jan 2013, 19:10

Mir scheint, Du hast nicht ganz verstanden, was ich mit 33 % grau meinte:

Wenn ich für 33 % grau eine korrekte Belichtungslösung habe, bekomme ich das meiste richtig belichtet. Deshalb arbeiten alle Belichtungsmessungsmethoden mit diesem Referenzwert.

Das bedeutet für den Beli: Er ermittelt anhand des einfallenden Lichts (natürlich egal, welche Objekthelligkeit Du hast) einen Wert, mit dem 33 % grau korrekt belichtet werden. Natürlich hast Du dann, wenn Du unterschiedliche Shirt-Farben hast eine „korrekte“ Belichtung. (Die Farbe ist auch egal – die wird ja auch nicht gemessen, sondern das einfallende Licht. Dabei ist es dann natürlich auch vollkommen egal, ob der Beli einen EV-Wert ausgibt oder wie mein Gossen Blende bzw. Zeit (was ich angenehmer finde, weil ich nicht erst noch weiter nachschlagen muss).

Wenn Du aber – egal ob mit einer Kamera oder einem Beli – eine Spotmessung machst (mein Beli kann das), wird das von einer Fläche reflektierte Licht und nicht das einfallende Licht gemessen. Hier geht die Rechnung davon aus, dass die Fläche die selbe Helligkeit (nicht Farbe!) hat, wie 33 % grau. Das ermittelte Ergebnis ist dann eine Lösung, welche diese Fläche mit Ihrer Helligkeit „korrekt“ belichtet. „Korrekt“ ist daher ein sehr relativer Ausdruck, weil er immer auf ein „Korrekt bei 33 % grau“ meint. Und das auch nur für „Durchschnittsmotive“. Deshalb sehen reinweiße Schneeflächen auch auf den Bildern immer grau aus, wenn man nicht manuell überbelichtet (rate mal wie viel Prozent grau ;)). Gras hat z.B. fast die gleiche Helligkeit, weshalb Rasenflächen im Sommer ein gutes Substitut für eine Graukarte bei der Belichtungsmessung sind.

Welchen „Hokuspokus“ die ganzen „intelligenten Automatiken für dumme User“ alles erst noch veranstalten ist eine andere Frage. Ich nutzte früher mit meiner EOS 400 nur noch den Spotmesser, der auch sehr zuverlässig war, und bei meiner EOS 7D, die ich jetzt nutze mache ich das auch nicht anders. Der ganze andere Schnickschnack verwirrt mich nur. Zumal ich ohnehin zu 99 % im manuellen Modus bin. Eben gerade, WEIL ich mir den ganzen Kamera-automatik-Hokuspokus von Canon nicht antun will. (Ich gehe davon aus, dass andere Herstelle da auch kein Stück besser sind!) Bei Amazon ist die Einleitung von Sams Buch als Teaser verfügbar. Sam hat da ein paar sehr passende Worte zu gefunden.

Wenn ich das Büchlein zu meiner EOS 7D lese, bin ich da eigentlich sehr schnell durch, weil ich 90 Prozent der Funktionen nicht nutze. Ich wollte einen Sucher mit 100 % Bild, ein schnelles Autofokussystem (OK, die 7D hat wohl das komplexeste am derzeitigen Markt) und vor allem eine sehr gute Bedienbarkeit von Zeit und Blende im Manuellen Modus. Da war ich vorher immer auf die Nikon-Besitzer neidisch (‘ne, Sam ;)).
Aber das Herzstück einer guten Belichtung ist eine gute Belichtungsmessung und deren Interpretation. Bei einer internen TTL-Messung musst Du halt immer das gemessene Ergebnis in Relation zur Helligkeit der gemessenen Fläche setzten. Und Dir dann überlegen, wie viel Du über/unterbelichten musst. Gleiches musst Du doch beim Beli auch machen. Du hast Deinen Lichtwert, der sagt Dir aber nicht, wie deutlich Du die Falten auf dem dunkelblauen Shirt noch sehen willst. Der sagt Dir auch nicht, wie viel Du überbelichten musst, um für ein extremes high-key Gesichtskonturen „auszubrennen“ oder wie viel Du unterbelichten musst, um den gesamten schwarzen Stoffhintergrund in reines schwarz zu verwandeln, ohne dass da noch irgend eine Zeichnung zu erkennen ist. Der Beli sagt Dir auch nicht, welchen Kontrastumfang eine Szene hat (was man mit dem internen sehr wohl hinbekommen kann) und welche Teile des Kontrastumfangs Dir wirklich wichtig sind. Und solange, wie man kein gutes 32-Bit-HDR mit 15 Bildern macht, wo man den Weißpunkt im Nachhinein beliebig im Spektrum verschieben kann, muss man weiter damit arbeiten, dass man einen Wert bekommt, von dem man sich überlegt, was der einem sagt und dann seine für das Motiv angemessene Lösung draus stickt. Das klappt nach einer Zeit ganz gut. Und zwar mit beiden Methoden. Aber man braucht halt ein wenig Erfahrung und Übung.

Und wenn ich das mit beiden Methoden gut kann, ist es mir einfach zu lästig, draußen einen Beli mit zu schleppen. Und wenn man mit dem internen zu guten Ergebnissen kommt oder man bei Blitzlicht ohnehin durch seine Testbilder die Belichtung beurteilt, bleibt halt immer noch die Frage, ob man DANN für einen externen Handbelichtungsmesser 250 bis 600 Teuronen auf den Tisch legen will oder ob man die Kohle nicht lieber in ein gutes Objektiv steckt oder in den Urlaub fährt.


Dagaz schrieb dazu am Mi, 02. Jan 2013, 19:12

Nachtrag: Ich habe die Frage offensichtlich für mich mit "Ja" beantwortet. Aber wir sollten ja nicht vergessen, dass es noch Leser gegen könnte, die diese Entscheidung noch treffen wollen. ;)

Außerdem: Wenn man mit der Internen Messung nicht zurecht kommt und mit dem Beli gute Ergebnisse erzielt, war es ja auch ganz offensichtlich kein Fehlhauf.

Und: Frohes neues Jahr!


Dagaz schrieb dazu am Mi, 02. Jan 2013, 19:27

OOPS: Also, mir war es Wert einen zu kaufen, gerade weil ich keine Lust auf Testbilder habe und obwohl ich auch mit dem Internen gut arbeiten kann. War wohl etwas unglücklich ausgedrückt..... ;)


Sam schrieb dazu am Mi, 02. Jan 2013, 20:02

Erstmal ein frohes neues Jahr euch beiden!

@Roger, ich verwende bei Blitzen kein TTL. Wobei ich überlegt hab mal eine zeitlang damit zu arbeiten, damit ich es für Workshops  beherrsche und dort die Vorteile und Nachteile zeigen kann.
Denn ich bin der Meinung, dass man mit jeder Belichtungsmethode arbeiten kann, es ist vor allem eine Übungssache. Wobei mir die manuelle Belichtung näher liegt als viele der Automatiken. Vor allem, weil sich beim manuellen Belichten die Belichtung nicht verändert, wenn ich das Motiv/den Bildausschnitt verändere.
Andere benutzen dafür AE-L, es geht also auch mit Automatiken.

Ich glaube sowohl der externe Belichtungsmesser wie auch der in der Kamera brauchen eine gewisse Einarbeitung, damit man mit ihnen zurechtkommt. Und in der Kamera gilt das für jeden Modus, egal ob die Messfeld-Geschichte, Spot oder Mittenbetont. In erster Linie ist es Übungssache, mit welchem man am Besten zurechtkommt.
Ich selber habe mir ehrlich gesagt nicht die Zeit genommen, mit jedem Modus wirklich ausführlich zu arbeiten. Nach Messfeld habe ich eine Zeitlang in Spot gearbeitet und bin dann zu manuell gewechselt. So oder so dachte ich muss ich den Modus kennenlernen, warum nicht gleich ganz manuell.

Bei Messung des reflektierenden Lichts hat glaube ich ein externer Beli keine Vorteile gegenüber der in der Kamera eingebauten Methode. Manchmal wird gesagt, er solle genauer sein, dafür misst die Kamera aber wiederum durch die Linse, erspart also eine Kalibrierung.

Die Kamera hat einen Modus, den der Beli nicht hat (Mehrfeld), der Beli einen, den die Kamera nicht kennt (Einfallend). Beide haben Vorteile, auch wenn man sich trefflich darüber streiten kann, welcher mehr Vorteile hat. Ich denke das hängt von der Situation und der Übung ab. Mir lag vor allem daran zu erklären, dass in meinen Situationen der externe Beli mir vermutlich keinen Gewinn liefern wird.

Aber ich denke mit euren Ergänzungen ergibt das ein gutes Gesamtbild, warum für jemand anderen ein externer Beli durchaus die richtige Entscheidung sein kann.
Wichtig dabei ist meiner Meinung nach aber auch, dass man Zeit braucht, um sich in die korrekte Anwendung eines externen Belis einzuarbeiten.

Was mich auf eine Frage bringt: Haltet ihr euren Beli beim Messen von einfallendem Licht eigentlich in Richtung Kamera oder in Richtung Lichtquelle?


Dagaz schrieb dazu am Mi, 02. Jan 2013, 20:16

Ich mach das Richtung Lichtquelle.


R. Ramer schrieb dazu am Do, 03. Jan 2013, 09:05

Wir liegen also gar nicht so weit auseinander. Ausser Sam natürlich, der lieber Bücher schreibt und das damit gemachte Vermögen weiss ich wo investiert als in so was verfünftiges wie einen Handbelichtungsmesser!

Meine 7D nehme ich gerne, wenn "Frames per Second" eine Rolle spielt. Sonst arbeite ich nicht zuletzt wegen der Bildqualität mit der 5d Mark III. Mein Handbelichtungsmesser ist ein Gossen Digipro F. Auch ich richte ihn meist gegen die Lichtquelle. Dann habe ich da noch die 450D, die mich immer wieder mal schmerzlich daran erinnert, dass eine gute Kamera eben doch nicht ganz unwichtigt ist.

Auch ich arbeite fast ausschliesslich im M-Modus und Spotmessung. Wenn ich unterwegs bin, nehme ich bei persönlichen Projekten den Handbelichtungsmesser meist nicht mit, bleibe meistens aber bei der Lichtmessung. Ich messe dann das einfallende Licht indirekt über die Graukarte (ColorChecker Passport) und habe mit dieser auch gleich noch eine Referenz für den Weissabgleich, die ich nur selten der Automatik überlasse.

Das Messergebnis des Handbelichtungsmessers interpretiere ich nicht gross. Der Wert liegt je nach Objektiv ca. 1/3 Blende zu tief. Also für RAW-Bilder nichts dramatisches. Erst wenn das Histogram meiner Kamera auf eine Überschreitung des Kontrastumfang hinweist, entscheide ich mich für das eine oder andere Übel. Und natürlich belichte ich bewusst auch mal über oder unter. Ansonsten habe ich es gerne akurat und spiele lieber in Lightroom vor meinem kalibrierten Eizo CG223W Monitor sitzend mit Belichtung, Schwarzpunkt usw. herum.


R. Ramer schrieb dazu am Do, 03. Jan 2013, 09:13

@Sam

Du bist ja stolzer Besitzer sündhaft teuer FlexTT5. Ein Fehlkauf?


Sam schrieb dazu am Do, 03. Jan 2013, 09:21

Ich sag ja, um mir eine echte Meinung zu bilden müsste ich mir so ein Ding eigentlich kaufen und damit ein paar Monate konsequent arbeiten :)

Mit der Dynamik der heutigen Kamerasensoren lässt sich ja in der Nachbearbeitung eine Menge rausholen, damit ist das alles nicht so dramatisch, wie es manchmal scheint. Jedenfalls so lange, wie nicht Bildteile hoffnungslos überbelichtet sind, wie es die Automatik manchmal bei dunklen Situationen macht.

Die FlexTT5 sind genial! Allerdings nicht wegen TTL, sondern weil ich mit dem AC3 so leicht wie noch die die Blitzleistung manuell von der Kamera aus einstellen kann. Ich erinner mich noch gut wie oft ich mich geärgert habe, weil einen Blitz von einem 3m Stativ runterholen musste (Stativ kippen geht am schnellsten), die Leistung verstelle, ihn wieder hinstelle, neu ausrichte und dann das nächste Foto machte.

Jetzt brauche ich dafür nur noch einen Klick am AC3 um die Leistung mal eben zu verändern. Genial!

Das TTL-Gedöns hingegen ist mir bei den Dingern egal - aber da ist es wie mit einem Handbelichtungsmesser: Ich hab mich auch mit Blitz-TTL nicht sooo ausführlich beschäftigt.


R. Ramer schrieb dazu am Fr, 04. Jan 2013, 19:10
Ich bin immer noch sprachlos. Klassisches Portrait mit fünf Blitzen und das ohne TTL und Handbelichtungsmesser! Wie machst Du das? Hast Du irgend wo beschrieben, wie man beim entfesselten Blitzen sagen wir mal mit drei Blitzen (Fuhrung, Aufheller, Hintergrund) ohne TTL und Handbelichtungsmesser die richigen Einstellungen für die Blitzleistung findet?

Sam schrieb dazu am Fr, 04. Jan 2013, 22:01

Da sagst Du was, ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals aufgeschrieben zu haben. Bin ja nicht sooo systematisch beim Bloggen vorgegangen, wie ich das bei den Büchern tu.

Vom Prinzip hab ich einfach grobe Verhältnisse zueinander, je nachdem wie der Blitz zur Kamera steht. Je weiter von hinten, desto weniger Leistung. Der Rest ist eh oft Launensache.

Eigentlich müsste ich mal vorbeikommen und mir zeigen lassen, wie ihr das macht. Bin ja immer neugierig.


R. Ramer schrieb dazu am Sa, 05. Jan 2013, 07:26

Also das geht so:

Der Fotograf

  1. Drücke dem Assistenten das Lichtkonzept in die Hand
  2. Wenn dieser fertig ist, kontrolliere, ob er es richtig gemacht hat.

Der Assistent

  1. Liest das Lichtkonzept durch
  2. Stellt das Führungslicht mit Lichtformer gemäss Konzept auf
  3. Stellt eine mittlere Leitung ein
  4. Stellt beim Beli ISO und Zeit ein (und Korrektur, falls bekannt)
  5. Geht dahin, wo das Model stehen wird und misst mit dem Beli den Lichtwert (er misst immer von dort aus)
  6. Korrigiert falls nötig an der Lichtquelle die Leistung (Studioblitze kennen meist Blendenwerte, das macht es einfach), bis die gemessene Blende den Vorgaben des Fotografen entspricht
  7. Stellt das Aufhelllicht mit Lichtformer gem. Konzept auf (Leistung meist -1 Blende, geht beim Studioblitz ganz einfach)
  8. Misst nur das Aufhelllicht und korrigiert, falls nötig, die Lichtleistung
  9. Misst beide zusammen und korrigiert die Leistung
  10. Stellt die Lichtquelle(n) für das Hintergrundlicht auf
  11. Misst an mehreren Stellen am Hintergrund und korrigiert Position, Richtung und Lichtleistung, so dass Helligkeit und Verlauf dem Lichtkonzept entsprechen
  12. Stellt das Double in die Szene und misst an diesem den Lichtwert und die Helligkeitsverteilung (und falls Dauerlicht oder Einstellicht kontrolliert auch den Schattenwurf)
  13. Korrigiert Führungs- und Aufhelllicht falls nötig
  14. Misst, wieviel Licht vom Hintergrund auf das Double fällt und korrigiert den Gesamtaufbau, falls nötig

fertig.

Ups, beinahe noch was vergessen

Fertig. Es kann los gehen.

Und nicht vergessen: Dies muss alles gemacht sein, bevor das Model aus der Visa kommt. Alles andere ist unprofessionell!

Heilpraktiker in Flensburg
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