Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Henry Cartier-Bresson hat den Begriff des "entscheidenden Moments" geprägt, des einen Moments, in dem alles zusammenkommt: Das Licht, das Modell, die Pose, Mimik und Ausdruck, die Komposition und dass in diesem Moment die Kamera ausgelöst werden muss, sonst ist das Bild vorbei, für immer verloren.

Natürlich ist es in sich richtig, dass die Kamera in so einem Moment ausgelöst werden sollte, doch wird diese Aussage Cartier-Bressons oft in einem wichtigen Punkt falsch interpretiert:

Viele Fotografen scheinen zu glauben, dass Cartier-Bresson damit sagen wollte, das der Fotograf *nur* in diesem einen Moment genau ein Foto machen sollte.

Kritiker hingegen sagen, der entscheidende Moment sei bei Cartier-Bresson keineswegs während des Fotografierens gewesen, sondern beim Betrachten der Negative, wenn er auf eines zeigte und ausrief "dieses ist es!".

Denn wie so viele große Fotografen hat auch Cartier-Bresson keineswegs nur ein Foto genau im entscheidenden Moment geschossen, sondern so viele Fotos wie er bekommen konnte, bis eine Szene sich auflöste. Wenn er bemerkte, dass sich etwas interessantes anbahnte, machte er Fotos, auch wenn es noch nicht da war. Denn erst hinterher konnte er anhand der Fotos den Höhepunkt der Situation erkennen und das Foto vom "entscheidenden Moment" auswählen.

Wenn man sich nicht nur das einzelne Foto, sondern einen kompletten Film eines dieser großen Fotografen ansieht, kann man nachvollziehen, wie auch Cartier-Bresson eine Situation sieht, anfängt Fotos zu machen, sich für eine bessere Perspektive bewegt und weiter Fotos macht, bis die Situation vorbei ist.

Nun hat man natürlich normalerweise keinen Zugriff auf die Negative von Fotografen dieses Kalibers, doch die Fotoagentur Magnum, die im Besitz vieler solcher Negative ist, hat etwas sehr spannendes geschaffen: Ein Buch mit den Kontaktabzügen einiger dieser zeitlosen Meisterwerke, anhand dessen der Betrachter selber das Vorgehen des Fotografen nachvollziehen kann:

Die Magnum Contact Sheets*.

Sehr interessant daran ist, dass das "entscheidende" Foto oft schon sehr früh entstanden ist und Cartier-Bresson danach meist noch viele weitere Fotos gemacht hat, die aber nicht mehr die Stärke dieses Fotos hatten - er hat also selber beim Fotografieren auch nicht gewusst, dass er das ausdrucksstärkste Foto bereits in der Kamera hatte, dass die Situation bereits dabei war, sich aufzulösen.
Hätte er auf den einen Moment gewartet und nur ein Foto gemacht, wären seine Bilder vermutlich nicht so stark gewesen.

Ochse

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Veröffentlicht am So, 18. Nov 2012, 06:36 von Sam

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Treffendes Zusammentreffen(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Mi, 21. Nov 2012, 07:12

Was zusammen treffen muss, scheint nicht für jedes Genre der Fotografie das gleiche zu sein.

Wie Du schreibst, sind es für Cartier-Bresson (Fotojournalist): Das Licht, das Modell, die Pose, Mimik und Ausdruck, die Komposition.

Für David duChemin ("...world & humanitarian assignment photographer...") sind es Layers of Impact:

"a photograph goes from mediocre to good to great depending on the strength of the layers of impact. You can do this two ways. The first is to multiply the layers of impact, as in a well-composed (layer one) photograph that has a beautiful moment (layer two) captured in beautiful light (layer three). The second is to have one layer so strong that you really need nothing else, as in a grab shot of a moment of such intensity, that nothing— not even focus nor so-called perfect exposure—would increase the impact."

Für Sue Bryce (Australische Portrait Fotografin) sind es folgende Komponenten:

"So, it’s a combination of things. I was going to say LIGHT is the most important — but honestly ALL of these components work their own magic. Like this:
LIGHT = The perfect light will even out skin tones, enhance the skin, and provide catch light to the eyes, as well as giving the photo an art quality to it
MAKE UP / HAIR = gives the model CONFIDENCE which = better photos because subject is comfortable and therefor *exuding* confidence in the photos as well
POSING = a photographer who can pose women well will make them feel comfortable and will help the subjects feel they can trust them as a professional and will bring out their best at the best angle.
TOUCH-UP = this should be like salt, either not needed at all, or just the smallest bit to enhance the flavor"

In der Kunst kennt man noch den Begriff der Bildkonstituente, was vieles sein kann.

Für mich (wenn ich Glamour Portraits mache) sind es:

und der entscheidende Moment ist derjenige, wenn all diese Elemente zusammenwirken und das Model mit fesselder Mimik in die Kamera blickt.

Heilpraktiker in Flensburg
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