Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Ihr habt das bestimmt (im Urlaub) auch schon mal gesehen: ein großartiger Abendhimmel, neben euch fotografiert ihn jemand mit der Kompaktkamera ... mit Blitz.

Natürlich ist das die Kameraautomatik, die sagt "verdammt ist das dunkel hier" und den Blitz zuschaltet, dennoch, ich habe es immer wieder belächelt, wenn jemand eine Stadtsilhouette des Nachts mit Blitz fotografierte, denn der konnte ja offensichtlich keine Ahnung haben.

So auch diesen Urlaub wieder. Wir sitzen gemütlich auf dem sehr großen Greifswalder Marktplatz, der Abendhimmel zeigt schönste Farben, neben uns fotografieren immer mal wieder andere Touristen(?) den Himmel mit Blitz.

Dieses Mal wurde ich neugierig. Lag vielleicht am Aperol Spritz. Jedenfalls stellte ich mir die Frage:

Wie viel macht der Kamerablitz wohl aus?

Die andere Seite vom Marktplatz war weit, weit weg (vielleicht kann das ein Greifswalder mal nachmessen wie groß der Platz ist, ich hab die Zahl im Netz nicht gefunden). Bei manueller Belichtung (welche auch sonst) habe ich zwei Fotos gemacht: Eines ohne Blitz und eines mit dem eingebauten Blitz:

Vergleich mit und ohne Blitz

Und ganz ehrlich: ich war schwer erstaunt, wie viel mehr Details in der Häuserfront zu sehen sind. Irgendwie kann ich im Nachhinein nicht glauben, dass bei den beiden Fotos nur der Blitz der Unterschied ist, aber mehr habe ich an der Kamera nicht verstellt, zwischen den Fotos liegen nur wenige Sekunden.

Spannend fand ich vor allem, wie viel stimmungsvoller ich das Foto ohne den internen Blitz finde. Denn der bringt zwar mehr Details hervor, dafür gehen aber die Farben an den Häuserfronten verloren.

So oder so: beeindruckend, was der mickrige interne Blitz in einem so dunklen Umfeld notdürftig ausgeleuchtet bekommt! Und das auf 50m Abstand.

[Update]

Es kamen berechtigte Zweifel auf, dass beide Fotos wirklich mit den selben Einstellungen gemacht wurden, da der Himmel ebenfalls heller ist, und so weit reicht doch wohl kein Blitz.

Benjamin hatte die Erklärung, dass Luftfeuchtigkeit das Blitzlicht reflektiert, doch wer die Fotos und Exif-Daten selber überprüfen und vergleichen möchte, kann sich hier die beiden RAW-Dateien zu den Fotos runterladen.

Veröffentlicht am Mo, 30. Jul 2012, 21:15 von Sam

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Gar nicht so mickrig(Diskussion)
Christian schrieb am Mo, 30. Jul 2012, 22:03

Das kleine Ding das da auf den Kameras so verbaut wird, ist zumindest in der oberen Preisklasse scheinbar leistungsfähiger als man denkt. Als wir vor ein paar Tagen mal Sonne hatten, habe ich von einer Freundin am Strand ein paar Schnappschüsse gemacht und war halt auch neugierig, was das kleine Ding leisten kann.

Also die jungs Dame so hingestellt, dass sie die Sonne von hinten bekommt (Haarlicht) und dann mit dem kleinen Blitz dagegen gehalten. Und das Foto ist ansich recht schön geworden. Klar, war auf kurze Distanz ein Portrai Kopf mit Hals und Schultern, aber immerhin.


R. Ramer schrieb dazu am Di, 31. Jul 2012, 07:42
Schon toll, was so ein kleiner Blitz alles kann. Selbst die weit entfernte Kirche und sogar den Himmel hat er aufhellen können! Nur glauben tue ich es nicht. Verrätst Du uns das Geheimnis?

Sam schrieb dazu am Di, 31. Jul 2012, 07:45

Ich war über das Ergebnis genauso überrascht wie Du.

Hätte ich das vor Ort gesehen, hätte ich direkt mehr Vergleichsfotos gemacht, um äußere Veränderungen auszuschließen. Belichtungsdaten sind jedenfalls bei beiden Fotos identisch, und sie liegen nur wenige Sekunden auseinander.

Meine Vermutung wäre, dass die Cam einfach schummelt und die ISO etwas hochzieht, um dem User mehr Leistung vorzugaukeln, als in den Exif-Daten steht.

Benjamin hat hingegen vermutet, dass das Blitzlicht sich in der Luftfeuchtigkeit reflektiert und daher für ein insgesamt helleres Bild sorgt.

Man müsste den Versuch wohl ein paar mal wiederholen, um schlauer zu werden, wie das kommt.


R. Ramer schrieb dazu am Di, 31. Jul 2012, 07:46

Siehe dazu auch "http://de.wikipedia.org/wiki/Blitzreichweite".


Sam schrieb dazu am Di, 31. Jul 2012, 08:27

Roger, ich hab mal die beiden RAW-Dateien zu den Fotos an den Blogbeitrag angehängt, vergleich ruhig selber mal die Exif-Daten.

Weißt doch, was ich von Formeln halte: sie sind kein Gesetz, an das sich das Universum halten muss, sondern ein hilfreicher Weg zu beschreiben, wie das Universum sich wohl benehmen wird. :)


R. Ramer schrieb dazu am Di, 31. Jul 2012, 10:58

Die EXIF-Daten sind gleich, nicht aber das Histogramm.

Ich habe den Verdacht, dass die Kamera bei der Verwendung des internen Blitzes eine automatische Belichtungsoptimierung vornimmt, um zu dunkle Bereiche zu retten und den Kontrastumfang zu optimieren. Die Canon EOS 7D hat eine "Auto Light Optimizer"-Option, welche aber in der Kamera nur bei JPEG-Bildern funktioniert.

Schau mal die Fenster und den Schriftzug auf diesem Ausschnitt an:

Und nun auf dem geblitzten Bild:

Trotz mehr Licht weniger Zeichnung?


Sam schrieb dazu am Mi, 01. Aug 2012, 11:30

Wie gesagt, wäre mir das vor Ort aufgefallen, hätte ich mehr Fotos gemacht, um auszuschließen, das da nicht grad in dem Moment ein Auto langgefahren ist oder jemand seine Beleuchtung ausgemacht hat.

Meine Vermutung war ja auch, dass die Kamera da intern irgendwas regelt. Man könnte den Vergleich verbessern, indem man nicht in den internen Blitz nimmt, sondern einen kleinen externen Blitz über ein einfaches Kabel oder einen China-Funkauslöser verwendet, die Kamera also nicht weiß, ob ein Blitz ausgelöst wurde oder nicht.

Wobei die Unterschiede auch aufgrund von anderen Helligkeiten so entstehen können. So spiegelt sich der Blitz ja kräftig in der entfernten Fensterscheibe oder den hochreflektierenden Verkehrsschildern, und das kann ja schon reichen um zwar nicht die Belichtung, aber schon die Weiterverarbeitung der Bilddaten zu verändern.

Ist halt alles deutlich komplexer als eine einfache Reichweitenformel.


Christian schrieb dazu am Mi, 01. Aug 2012, 12:09

Seit wann haben EXIF-Daten etwas mit dem Histogramm zu tun? Die Lichtverhältnisse sind auf dem geblitzen Bild anders, ergo muss das Histogramm auch anders aussehen. 


Guido schrieb dazu am Mi, 01. Aug 2012, 22:22

Du hast vermutlich vor dem alten Fritz gesessen (wenn die Kneipe noch so heißt - war 6 Jahre nicht in Greifswald). Von da bis zum gegenüberliegenden Rathaus (das dunkelrote Gebäude) sind es 80 Meter (auf Google Earth noch mal nachgemessen). Auch wenn man nicht an Formeln glaubt, ist es eigentlich ausgeschlossen, dass der Blitz auf die Entfernung eine Wirkung hat. Vor allem ist auch der gesamte Himmel etwas heller und das der kleine Blitz auch noch das halbe Universum ausgeleuchtet hat, ist weniger plausibel. Irritierend ist, dass die beiden kleineren Gebäude hinten links vor dem Dom beim Foto ohne Blitz deutlich heller sind.

Der Rest ist Spekulation:
1. Entweder verändert die Information "Flash fired" massiv das kamerainterne Processing (Halte ich für am wahrscheinlichsten). Bei den vielen Kameras ist Raw weit weniger Raw als angenommen.

2. Raw-Konverter berücksichtigen viele Meta-Information für das Processing einer Raw-Datei. Könnte mit der Information "Flash fired" auch anders ausfallen, ohne dass der User etwas ändert.

3.Zwischen den Fotos liegen 23 Sekunden. Es kann sich auch die Helligkeit des Himmels geändert haben. Z.B. könnte eine Wolke den Mond frei gemacht haben, auch wenn der Mond zu dem Zeitpunkt recht schmal war.

Als geborener Greifswalder, muss ich noch pingelig einwerfen: Es heißt Greifswalder Marktplatz. Es gibt übrigens eine Webcam mit fast identischer Perspektive:
http://www.greifswald-online.de/webcams/greifswaldcam-i.html


Sam schrieb dazu am Do, 02. Aug 2012, 08:17

Im Hintergrund links würde ich von der (fehlenden) Lichtfarbe her sagen, dass dort irgendeine Laterne ausgegangen ist oder im ersten Foto ein Auto in die Richtung leuchtete. Da seh ich nichts dramatisches drin.

Eigentlich spannend ist das rote Rathaus, bzw. die weißen Ornamente. Bezweifeln wirklich alle, dass das Aufhellen des Gebäudes in der Mitte durch den Blitz kommt?

Man sieht ja deutlich, dass der Blitz sich in den Fensterscheiben spiegelt. Und wenn ich mir die glänzenden Oberflächen wie zB silberne Fahnenmaste ansehe, ist dort vom Winkel des Lichts auch klar erkennbar, dass da eine Lichtquelle aus Richtung der Kamera kommt, und nicht einfach nur das Licht vom ersten Foto heller gerechnet wurde.

Auch der Schattenwurf am Erker über dem Eingang zur Rathsapotheke (weißes Gebäude rechts vom Roten Rathaus) sieht man deutlich, dass es von einer Lichtquelle aus Kamerarichtung aufgehellt wurde:

Vergleich Schattenwurf

Das lässt sich weder durch verändertes Kameraprocessing oder Raw-Converting erklären, da muss schon Licht von der Kamerarichtung her gekommen sein.

Ich würde sonst jedem empfehlen, dieses kleine Experiment mal mit der eigenen Kamera zu wiederholen. Manuell belichtet zwei Fotos von Dingen in unterschiedlich großem Abstand machen, eines ohne, eins mit Blitz und vergleichen. Ist ja nun rein technisch kein Aufwand, das geht sogar mit zwei Aperol im Kopf :)


Christian schrieb dazu am Do, 02. Aug 2012, 08:31

Was heisst hier "alle"? :-) Ich nicht. Die Frage die sich ja auch stellt ist: wie definiere ich "Licht kommt an"? Und zwar abseits aller Formeln. Die sind zwar schön und gut in der Theorie und im Labor. Aber in der Praxis und im Feld glaube ich das was ich sehe. Und das ist das was entscheidend ist. Genauso wie die Verbrauchswerte von Autos. In der Praxis liegen die seltsamerweise fast immer über den Angaben der Hersteller.


R. Ramer schrieb dazu am Do, 02. Aug 2012, 12:28

Ich denke auch, dass der Blitz zur Aufhellung der Szene beigetragen hat. So ist beispielsweise die Plastizität des Erkers im geblitzten Bild weg, wie es zu erwarten ist. Auch die Veränderung der Farben deuten auf das Blitzlicht hin. Mit dem zusätzlichen Licht vom Blitz lassen sich ein paar Effekte aber nicht erklären, wie z.B. der Verlust an Zeichnung und die selektive Aufhellung sehr dunkler Bereiche. Das dürfte wohl eher der Verdienst des Bildprocessings sein.

Ob all dem Technischen zeigen die beiden Bilder aber auch formale Unterschiede, die ich eigentlich noch spannender finde: Plastizität, Reflexionen, Farbtemperatur und vorallem Stimmung.

Technisch ist es, wie es ist, egal warum. Formal hat man zum Glück die Wahl.


Guido schrieb dazu am Do, 02. Aug 2012, 14:14

Das große Tor rechts neben dem Rathaus liegt ziemlich zentral und hat eine helle Farbe. Wenn irgendwo Blitzlicht reflektiert worden sein soll, dann ist das die prädestinierteste Stelle. Warum ist das Tor mit Blitzlicht dunkler, wenn da durch den Blitz mehr Licht sein sollte und alle anderen Kameraeinstellungen unverändert sind? Im schlechtesten Fall, wenn nämlich das Laternenlicht einfach deutlich heller wäre, hätte die Helligkeit identisch sein müssen. Statt dessen ist der Schatten aufgehellt und der Rest des Tores messbar dunkler.

Ebenfalls ist der auf dem Blitzfoto signifikant hellere Himmel nicht durch das Blitzlicht zu erklären. Insofern halte ich ein verändertes kamerainternes Processing für am plausibelsten.

Für's Protokoll: ich habe die NEF-Dateien mit dem simplen Imageviewer Irfanview geöffnet, was recht unverdächtig sein sollte, da größere Korrekturen durchzuführen.

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