Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Wer sich mit dem entfesselten Blitzen auseinandersetzt, lernt schnell weiches Licht kennen und lieben (bevor er sich davon dann wieder emanzipiert).

Um weiches Licht zu veranschaulichen, werden üblicherweise solche Vergleichsfotos gezeigt. Das Linke Foto hat dank direktem Blitz hartes Licht bekommen, das Rechte hingegen ist mit einem riesigen Durchlichtschirm weich beleuchtet:

Falsches weiches Licht

In diesem Vergleich steckt ein Fehler

Und ganz ehrlich, dieser Vergleich ist Käse. Denn der Hauptunterschied zwischen Durchlichtschirm und nacktem Blitz ist nicht (nur) das harte oder weiche Licht.

Der Hauptunterschied ist, dass der Schirm das Licht in alle Himmelsrichtungen streut, es über Wände, Decke und Fußboden wieder zurück aufs Modell reflektiert.

Sprich: wir haben nicht nur weiches Licht, wir haben vor allem jede Menge Streulicht als Aufhelllicht aus allen Richtungen mit im Bild. Denn eigentlich dürfte selbst bei weichem Licht auf der linken Seite kein Licht ankommen. Selbst in meinem eigenen (alten) Artikel zu weichem Licht bin ich auf dieses überall gezeigte Modell reingefallen.

Das ist kein hart/weich-Vergleich

Diese beiden Fotos vergleichen damit nicht mehr hartes gegen weiches Licht, sondern hartes Licht gegen weiches Licht mit Fülllicht.

In der Praxis ist das meist kein Problem, denn wir wollen eh ein Füll-Licht, und so wird es zu einem Teil vom Hauptlicht mit gefüttert, was wir mit einem Reflektor auch noch verstärken können.

Doch als Vergleich taugt das nichts. Um hartes und weiches Licht wirklich zu vergleichen, muss ich die Reflexionen ausschalten. Alles schwarz abhängen, damit kein Licht zurückgeworfen wird. Oder hingehen, wo keine Wände in der Nähe sind, die Licht reflektieren könnten.

Für die beiden folgenden Fotos habe ich genau das gemacht: Es handelt sich von den Blitzen her um exakt den gleichen Aufbau wie bei den Fotos oben, nur bin ich in den Garten gegangen, wo keine Wand das Streulicht als Fülllicht auf mich zurückreflektieren konnte.

Hartes und weiches Licht richtig verglichen

Wie man sieht, trotz großer, weicher Lichtquelle liegt auf dem rechten Foto die linke Seite im Dunkeln, die Schatten sind tief und kräftig. Als ich mit dem entfesselten Blitzen anfing, hätte ich das für hartes Licht gehalten, weil ich von vielen Webseiten das auf der letzten Seite gezeigte Füll-Licht als „weiches Licht“ kannte.

Hier nochmal das falsche weiche Licht direkt neben dem richtigen weichen Licht, damit du wirklich vergleichen kannst:

Falsches und echtes weiches Leicht

Also lass dich nicht täuschen, wenn dir jemand "weiches Licht" zeigt, dass in Wirklichkeit in erster Linie Aufhell-Licht dank jeder Menge Streulicht ist.

Vom Licht her finde ich das völlig in Ordnung, aber ich finde es störend, dass der Begriff und die zugehörige Erwartung so falsch besetzt ist, dass viele Fotografen eine falsche Vorstellung von weichem Licht haben.

Veröffentlicht am Sa, 07. Jan 2012, 11:15 von Sam

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Lichtcharakter(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Mo, 09. Jan 2012, 13:48

Ein interessantes Thema, das Du da anschneidest. Schon oft habe ich etwas nicht verstanden, nur weil Begriffe unscharf oder sogar falsch verwendet wurden.

Was mich beim Lesen Deines Artikels irritiert hat, ist, dass der Aufheller aus einem weichen Licht ein falsches weiches machen kann und warscheinlich auch aus einem harten ein falsches hartes.

Angeregt durch Deine Bilder habe ich eigene Versuche angestellt. Dazu habe ich eine helle Umgebung für mein Motiv gewählt. Beleuchtet wir es durch eine einzige Lichtquelle, die in allen Bildern den gleichen Standort und die gleiche Lichtrichtung hat. Die Motivhelligkeit ist in allen Bildern genau gleich. Die Bilder unterscheiden sich nur durch die Art der Schatten (und Spitzlichter).

Lichtcharakter

Bei welchem der Bilder würdest Du sagen, dass es hartes Licht ist und wo weiches, wenn überhaupt?


Sam schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 09:37

Ach, das Licht ist schon weich, das ändert auch der Aufheller nicht. Aber was in solchen Vergleichen oft "weiches Licht" genannt wird, ist in Wirklichkeit eben nicht nur weiches Licht, sondern weiches Licht zusätzlich mit Aufhell-Licht.

Und wer sich das dann anschaut und sich merkt "so sieht also weiches Licht aus", der merkt sich dann das Aussehen von aufgehellten Schatten und erwartet das von weichem Licht. Doch aufgehellte Schatten sind eben nicht der Effekt von weichem Licht, sondern der Effekt von Aufhelllicht.

So sind in deinem Beispiel ja auch mehrere Lichtquellen gemischt (auch wenn die meisten davon passiv reflektieren betrachte ich sie als Lichtquelle).

Das Licht bei deinen Beispielen wird von links nach rechts härter (und hat ebenfalls in die Richtung weniger Streulicht das aufhellt). Doch Streulicht das aufhellt haben sie alle, selbst im Bild rechts bekommt der Schatten noch reichlich Licht ab.


Dagaz schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 11:52

Ich schließe mich mal der Antwort von Sam an:

Vorletztes Wochenende hatte ich nämlich ganz genau das gleiche Problem. Ich bekam das, was alle immer weiches Licht nennen, ich wollte aber das, was Sam draußen als weiches Licht (ohne Streulicht) aufgenommen hat. (Genauer gesagt wollte ich weiche Schattenkanten haben und den dunklen Schatten behalten und nicht aufhellen.)

Ich kann noch dazu sagen, dass das indoor ein riesen aufwand ist. Ganz einfach deshalb, weil (wie schon im anderen Thread angesprochen) auch schwarze Stoffe etwas reflektieren können. (Besonders, wenn man da am falschen Ende gespart hat...) Noch schlimmer wird dass dann, wenn der Hintergrund hell sein soll, weil ein heller Hintergrund IMMER viel reflektiert. "Gelöst" habe ich das dann hilfsweise mit einem blauen Hintergrundkarton und Photoshop... Aber für das eigentliche Fotografieren ist das schon echter Murks!

Und um Sam noch mal zu bestärken: Alle, die das Bild sahen waren der Meinung, dass sei hartes Licht gewesen ;)


R. Ramer schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 12:54

In meinem Beispiel tragen - wie Du richtig sagst - mehrere Lichquellen zur Ausleuchtung bei. Präzisierend kann man sagen, das genau ein Selbstleuchter (Lichtquelle 1. Ordnung) plus die refletierenden Flächen (Lichtquellen 2. Ordnung) der Umgebung an der Ausleuchtung beteiligt sind. Die Schärfe des Schattenrandes wir in den Bildern nur durch den einen Selbstleuchter bestimmt. Die Schattentiefe wird im Bild 1 und 3 hingegen nur durch die Lichtquellen 2. Ordnung bestimmt.

Hätte ich es richtig gemacht, wäre der Kernschatten im 1. und 3. Bild gleich hell. Leider hatte ich nicht berücksichtigt, dass im 1. Bild Licht von der Softbox über die Decke des Studios auf die Szene reflektiert wird. Hätte ich es richtig gemacht, würde sich der Schatten dieser beiden Bilder nur durch die Art des Schattenrandes unterscheiden. Bei den Bildern 2 bis 4 ist der Schattenrand dagegen genau gleich und nur die Schattentiefe ändert sich.

Was macht also hartes oder weiches Licht aus? Ist es die Schattentiefe, die Schattenrandschärfe, der Gesamtkontrast oder die Gesamthelligkeit? Oder ist es eine Mischung aus allen?

Du sagts, dass die härte des Lichts bei meinen Beispielen von links nach rechts zunimmt aber wegen des reichlichen Streulichtes "falsches" hartes oder weiches Licht haben, also weder richtiges weiches noch richtiges hartes Licht aufweisen. Was aber ist beispielsweise richtiges weiches Licht? Das Licht im rechten Bild deines zweiten Bildpaares "hartes Licht  - weiches Licht" zeichnet sich durch aus­ge­dehnte und wenig durch­zeich­nende Schat­ten­flä­chen und weichen Schattenrändern aus. Das Licht im linken Bild des gleichen Bildpaares ist gleich bis auf die harten Schattenrändern und die nicht durchzeichneten Schattenflächen. Würde ich daraus eine Definition von hartem und weichen Licht ableiten, wäre ich mit dieser nicht glücklich.

Das Buch "Light - Science & Magic" beschränkt sich im Zusammenhang mit "weich" und "hart" auf die Lichtquellen und bezeichnet Lichtquellen als hart, wenn sie kontrastreich sind und scharfe Schattenränder erzeugen. Weiche Lichtquellen sind dagegen kontrastarm und erzeugen weiche Schattenränder.

Dann wäre da noch die Sache mit den Lichtstilen Low-Key und High-Key:

Low-Key: Bil­der in die­sem Stil zeich­nen sich durch aus­ge­dehnte oder wenig oder gar nicht durch­zeich­nende Schat­ten­flä­chen aus. Bei einem rei­nen low-key wer­den harte Kon­traste ver­mie­den und die Schat­ten weich aus­ge­leuch­tet. Das vom Füh­rungs­licht getrof­fene Objekt, das betont wer­den soll, wird nor­mal beleuchtet.

In High-Key-Aufnahmen domi­nie­ren die hel­len Töne und es feh­len starke Licht­kon­traste. Die Szene wird also so aus­ge­leuch­tet, dass Objekte mit glei­chem Reflek­ti­ons­grad mit glei­cher Leucht­dichte begabt sind.

Weiter gibt es noch den "über­trie­bene Low-Key-Stil" und den "auf­ge­hellte Low-Key-Stil".

Der Lichtstil im linken Bild deines zweiten Bildpaares "hartes Licht  - weiches Licht" ist für mich ein übertriebener Low-Key-Stil wegen der harten Schattenrändern.

Das rechte Bild hat hingegen einen reinen Low-Key-Stil wegen der weichen Schattenränder. Low-Key sind beide, da sie ausgedehnte und tiefe Schattenflächen aufweisen. Die Lichtquelle im linken Bild ist eine harte, diejenige im rechten eine weiche.

Wenn ich nun sagen müsste, welches der beiden Bilder hartes und welches weiches Licht hat, habe ich ein Problem, da damit doch eher der Gesamteindruck des Lichtes im Bild gemeint ist. Beide weisen grosse und tiefe Schattenflächen auf, was zu hartem Licht passt. Andererseits sind die Schattenränder im rechten Bild weich, was für mich weiches Licht bedeuten würde. Bei meinen Beispielen ergeben sich ähnliche Schwierigkeiten.

Huch! Das wurde nun doch eine ungewollt lange Antwort. Aus obigen Überlegungen ziehe ich für mich den Schluss, dass ich die Ausdrücke "hartes Licht" und "weiches Licht" lieber nicht mehr verwende und stattdessen vom Lichtstil eines Bildes und von Lichtcharakter der Lichtquellen sprechen werde. Damit kann ich die Lichtführung und -wirkung klarer beschreiben.

P.S.

Der Schatten beim "harten" Bild zerschneidet Gesicht und Hals und tritt unterhalb des Auges als eigene Figur auf. Dies wirkt auf mich zerstörerisch, was aber nicht zur Mimik passt. Irritierend. Schatten sind nicht zu unterschätzen!


Dagaz schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 13:16

@R. Ramer: Ich beschränke mich mal auf High/Low-Key:

Zum einen weicht meine Definition von High/Low-Key anscheinend sehr von Deiner ab (ich würde das eher aus der Dominanz von hohen oder niedrigen "Key"-Werten im Bild ableiten).

Aber auch dann, wenn man Deine Definition zugrunde legt, hat die Diskussion High/Low-Key eigentlich nichts mit der Diskussion um "was ist hartes/weiches Licht" zu tun.

Bei High/Low-Key geht es meiner Meinung nach um die Frage: Wie viel licht verteile ich (ggf. wie gleichmäßig)? Bei der Frage hartem/weichem Licht frage ich mich eher: Wie groß sind die Lichtquellen in Relation zum Objekt. Das hat dann für mich eher etwas damit zu tun, wie "weich" die Schattenkanten sind.

Und genau das ist ja auch die Frage, wenn ich Lichtsteuerung mache: Wenn ich die ganz Wand als Reflektor (Lichtquelle) benutze und sie dadurch wie ein Aufhell-Licht wirkt... OK, dann habe ich es sehr hell. Das licht mag ja sogar "weich" sein. Aber umgekehrt kann ich daraus nicht ableiten, dass Weiches Licht unbedingt so aussehen muss.

Das Problem ist nur, dass die meisten Autoren aber genau diesen Schluss ziehen. Wenn ich aber mit einer 80er Softbox aus 1m Entfernung ein Playmobilmännchen fotografiere, wird das Licht auch sehr weich sein. Auch, wenn es insgesamt ein Low-Key Bild wird.

Ich vermute mal, dass uns Sam das mitteilen wollte - wenigstens ist es das, was bei mir ankam. ;)


R. Ramer schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 16:03

@Dagaz:

Ich stimme Sam zu und verstehe auch, dass viele Fotografen durch falsche Beispiele eine falsche Vorstellung von weichem Licht haben. Darum habe ich mich gefragt, ob ich auch so eine falsche Vorstellung mit mir herumtrage und was dann die richtige wäre. Dabei schwirrten in meinem Kopf Begriffe wie weich, hart, Low-Key, High-Key, Schattencharakter und Lichtquelle herum, ohne sie auf die Beispielfotos sinnig zueinander bringen zu können.

Nur aus der Dominaz von hohen oder niedrigen "Key"-Werten im Bild auf den Lichtstil zu schliessen, halte ich für gewagt. In einem Sonnendurchfluteten Bild eines grossen Schneefeld, in dem ein einsamer schneefreier Baumstrunk zu sehen ist, dominieren die hohen "Key"-Werte. Ist das dann High-Key? Trotz der tiefen Schatten und des beinahe Schwarzen Strunks, die ja gesammthaft gesehen nur wenige aber hauptsächlich niedrige "Key"-Werte hinterlassen?

Was High-Key und Low-Key mit weichem und hartem Licht zu tun hat, habe ich mich auch gefragt, da für mich Sams Beispielbilder Richtung Low-Key gehen. Darum habe ich im Gegensatz zu Sam meine Beispielfotos in heller Umgebung gemacht (Mid-Key oder Normalstil). Sam beurteilt das Licht in meinen Beispielen als von Links nach Rechts immer härter werdend - mit der Einschränkung, dass die Schatten viel Fülllicht abbekommen. Es stellt sich mir die Frage, ab wann man von hartem und wann von weichem Licht spricht und auf Grund wovon. Ist es alleine die Schattentiefe? Passt Mid-Key nicht zum Begriff "weiches Licht"? Muss ein Motiv von Dunkelheit umgeben sein, um weiches Licht machen zu können?

Wie sieht denn weiches Licht überhaupt aus? Wie würdest Du das beschreiben? Woran an einem Bild erkenne ich, dass es weiches Licht ist?

Wenn ich nur mit Sonnenlich (ohne Sunbouncert-Ticks) an einem wolkenlosen Tag um die Mittagszeit mit der Sonne im Rücken ein Foto eines Models mitten auf einer grünen Wiese  mache, was für ein Licht hat dann das Foto: weiches oder hartes? Woran erkenne ich das Deiner Meinung nach und wie würdest Du es beschreiben?


Dagaz schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 16:54

@R. Ramer:

Zu High/Low-Key:
Was der einzelne darunter versteht ist wahrscheinlich in erster Linie eine Verständnisfrage. Ich leite mir das selbst halt vom "K" (=Key) in CYMK her. Das schließt jedoch Deine Definition nicht per se aus. Hohe Key-Werte fürhren halt zu sehr hellen Bildern, hohe Schattenkontraste haben halt eher viele niedrige Key-Werte.

Aber so, wie ich Sams Artikel verstanden habe, dürfte es sehr schwierig sein, den Effekt mit hellen Hintergründen zu illustrieren. Ganz einfach deshalb, weil die hellen Flächen wieder sehr viel von dem Blitzlicht reflektieren und damit zu einem passiven Füll-Licht werden. Und das führt dann wieder zu dem, was meistens als "Das ist weiches Licht!" präsentiert oder definiert wird, was Sam widerum nicht so toll findet.

Für das Begriffspaar hartes/weiches Licht muss man demnach halt aufpassen, wie viel davon (passives) Füll-Licht ist, was wiederum nur bedingt mit der hart/weich-Diskussion zu tun hat.

Zu: Wie sieht hartes/weiches Licht aus?

Ich habe für mich Sams "Definition" übernommen. Zumal die sich auch sehr mit dem deckt, was man sonst oft so liest: Harter oder weicher Schattenübergang

Zur Mittagssonne: Da die Sonne eine faktisch SEHR kleine Lichtquelle ist, wird man ohne Diffusor immer sehr harte Schattenübergänge bekommen. Wobei auch Wolken ein guter Diffusor sind.

PS: Ich spreche nur für mich und erhebe keinen Anspruch auf allgemeingültigkeit ;) - aber ich lerne gerne dazu!


R. Ramer schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 18:06

@Dazag

Wenn wir unter einem Begriff nicht das gleiche verstehen, wird die Kommunikation schwierig. Nehmen wir für "hartes Licht" und für "weiches Licht" also die Definition von Sam:

Damit würde gelten:

Lichtcharakter

Bild 1; weiches Licht

Bild 2 bis 4: hartes Licht

Und in folgenden Bildern

Falsches und echtes weiches Leicht

links weiches Licht, rechts weiches Licht ("Wie man sieht, trotz großer, weicher Lichtquelle liegt auf dem rechten Foto die linke Seite im Dunkeln..." siehe oben).

Alle Bilder unterscheiden sich in der Schattentiefe.

Was mich zur Hinterfragung meiner eigenen Vorstellung über weiches und hartes Licht bewogen hat, ist, dass Füllicht "weiches Licht" verfälschen könnte.

Zur Mittagssonne: Mit ihr kommen wir zur praktischen Anwendung von Aufsteckblitzen und weichem bzw. hartem Licht und was wir uns darunter vorstellen und wo unsere Vorstellung möglicherweiste fehltgeleitet wurden. Fotografiere ich an einem wolkigen Tag mit viel diffusem Licht habe ich weiche Schattenübergänge, also weiches Licht und tendenziell geringe Helligkeitskontraste im Bild. Nehmen wir nun an, mein Motiv sieht in unverfälschtem weichem Licht am besten aus. Erreiche ich das dann nur, wenn ich es in den auf drei Seiten geschlossenen Sunnbounce-Cage stecke, damit ich kein Fülllicht in den Schatten erhalte?

Aus allen meinen Überlegungen nehme ich mit, dass

  1. nur die Lichtquelle (1. oder 2. Ordnung) einen Lichtcharakter hat, der von weich bis hart gehen kann, und es zu Missverständnissen kommen kann, wenn ich das Licht in einem Bild als gesammtes als weich oder hart bezeichne,
  2. ein Fülllicht den Lichtcharakter nicht ändern kann,
  3. sich High-Key und tiefen Schatten nicht vertragen,
  4. Low-Key und tiefe Schatten eine gefährliche Kombination sind.

Bin gespannt, wie andere das sehen.


Sam schrieb dazu am Di, 10. Jan 2012, 20:32

@Dagaz, das kenn ich nur zu gut. Mir haben Wabeneinsätze (Grids) für meinen Beauty Dish und die Softbox echt weitergeholfen, um solches Streulicht von vornerein zu vermeiden.

@Roger, die Schattentiefe von Bild 1 und 3 wäre vermutlich gleich, wenn du eine Wabe für die Softbox eingesetzt hättest, um das Streulicht zu verringern. Vielleicht. Denn auch die direkte Umgebung reflektiert ja durch die Softbox anders als durch den Reflektor. Und meine "wird härter" war so gesehen natürlich falsch, weil der Rand sich von Bild 2 zu 4 ja gar nicht verändert.

Mir ging es für die Unterscheidung in erster Linie darum, dass viele Betrachter Aufhelllicht für weiches Licht halten. Irgendwo enthält ja jedes Foto Mischlicht, und so meinte ich auch das "härter werden" von dem Licht in deinem Foto. "Falsches" Licht nenne ich die, wo eben dieses Mischlicht mit reinspielt.

Mein Ziel ist ja, dass man sich einige wird, wo drüber man spricht. Dass nicht zwei Leute von weichem Licht sprechen, und der eine denkt an weichen Schattenverlauf und der andere hat Aufhellicht vor Augen.

Nicht ganz folgen kann ich im Moment, warum du mit diesem Bild als weich/hart-Gegenüberstellung nicht glücklich bist:

Hart und Weich

Für mich wäre genau das der Unterschied: bei dem weichen Licht laufen sowohl Spitzlichter wie auch Schatten sanfter ineinander über, während der Übergang bei beiden bei hartem Licht abrupter ist.

Bei Low-Key und High-Key gehen die Definitionen ja noch weiter auseinander. Ich kenne sogar die Erklärung aus einem Fachbuch, dass Low-Key schlicht dunklen Hintergrund bedeutet während High-Key heller Hintergrund wäre. Ich denke ich bekomme den weich/hart-Vergleich auch mit hellem Hintergrund hin, der darf nur nicht zu groß sein :) Ich selber würde meine Bilder allerdings nicht low-Key nennen, weil das Gesicht selber eigentlich normal belichtet ist, und ich aus dem Bauch heraus bei Low-Key eine Unterbelichtung erwarten würde. Aber ich habe ehrlich gesagt für mich selber keine saubere Definition, was Low-Key ausmacht.

Wo du auf jeden Fall recht hast: der Begriff weiches Licht ist dermaßen stark mit einem technisch betracht eigentlich verkehrtem Bildeindruck verbunden, dass man ihn vermutlich besser vermeiden sollte :)

Und das Zerschneiden sehe ich auch so. Der stark Schatten wirkt fast wie eine Maske, passt viel besser zu einer unfreundlichen Mimik:

Unfreundlich gucken

Aufgrund von diesem Risiko vermeiden die meisten Fotografen wohl auch hartes bzw. gerichtetes Licht: eine kleine Kopfbewegung reicht und der Eindruck verändert sich total.

Und wir sind uns glaub ich alle drei einig, auch meine Fotos wo ich "falsches weiches Licht" zu sage, sind weiches Licht. Aber eben nicht nur weiches Licht, sondern auch Aufhelllicht. Wobei es für den Betrachter hingegen sehr nach weichem Licht aussieht (selbst ich hab es ja oben bei Rogers Bildern so genannt).

Auch macht weiches Licht noch kein weiches Foto. Das entsteht eher durch gleichmässige Ausleuchtung.

Für meine persönliche Wortdefition bevorzuge ich meine Variante von weichem Licht.


R. Ramer schrieb dazu am Mi, 11. Jan 2012, 12:01

Mein bildlich unterstützer Vorschlag zu weich, hart, Low-, Mid, und High-Key sowie falschem weichen Licht:

Lichtstil

Lichtstil: Von links nach rechts: Low-Key - Mid-Key - High-Key
Lichtcharakter: Hartes Licht bei Bild 1 und 2, weiches bei Bild 3
Lichtkonzept: Bild 1 mit Cameo-Licht und Akzentlicht auf hintere Protagonisten, Bild 2 1-Punkt-Licht, Bild 3 3-Punkt-Licht

Lichtcharakter

Lichtstil: Mid-Key
Lichtcharakter: Bild 1 hart, Bild 2 weich
Lichtkonzept: 1-Punkt-Licht

Falsches weiches Licht

Lichtstil: Mid-Key
Lichtcharakter: Bild 1 hart, Bild 2 hart
Lichtkonzept: Bild 1 mit 1-Punkt-Licht, Bild 2 mit 3-Punkt-Licht

Der zumindest oberflächliche Eindruck von weichem Licht in Bild 2 kommt durch das Fülllicht zustande, das die Schattentiefe stark reduziert.

Bemerkungen

Bei allen Bilder stehen die Protagonisten genau am gleichen Platz in der immer gleichen Szene. Auch der Kamerastandort sowie die Brennweite wurde nicht verändert.

Die Verschlusszeit betrug 1/200s ausser bei der Low-Key-Aufnahme, da dass Akzentlich von einer Taschenlampe kam und dies erst bei 1/20s sichtbar wurde.

Die Leistung der Lichtquellen sowie den Blendenwert habe ich für eine korrekte Belichtung des vorderen Protagonisten angepasst, wobei ich den Blendenwert nur leicht verändert habe (4.5 bis 7.1), um die Schärfentiefe möglichst gleich zu behalten.

Beim Bild mit dem falschen weichen Licht musste ich ein ND-Filter mit -3 Blenden einsetzen, da ich die Leistung der Lichtquellen nicht weiter reduzieren konnte. Das einzige, was ich zwischen den Aufnahmen geändert habe, ist die Lichtführung.


Sam schrieb dazu am Mi, 11. Jan 2012, 21:11

Wobei, ehrlich gesagt finde ich nur auf einem Bild das Licht wirklich hart: auf dem ersten, mit der Taschenlampe beleuchteten.

Bei den anderen "harten" ist der Schatten auch schon etwas aufgefächert. Wie viel Durchmesser hat dein Standard-Reflektor?


R. Ramer schrieb dazu am Mi, 11. Jan 2012, 22:54

Standard Reflektor 50° 21 cm.

Vergrösserung des von mir als hart bezeichneten Schattens:

Leider verfüge ich nicht über so kleinflächige Lichtquellen, dass in der obigen Szene der Schattenrand über den gesamten Schattenbereich sehr scharf bleiben würde. Schon beim 1. Bild zeigt sich der Effekt des Auffächerns:

Ich muss wohl damit leben, dass ich bei Objekten im cm-Bereich keine wirklich harten Schatten hinkriege.


Dagaz schrieb dazu am Mi, 11. Jan 2012, 23:42

Wenn das Licht von Oben kommt, ist man natürlich durch die Zimmerdecke begrenzt. Aber zumindest bei Objekten könnte man ja noch versuchen, die Distanz zur Lichtquelle zu vergrößern, um sie "geometrisch" zu verkleinern. Oder die Lichtquelle falls möglich durch Abschattung zu verkleinern. Oder falls man hat einen Snoot oder was ähnliches verwenden.

Oder vielliecht mal mit Alufolie basteln oder so. Zumindest die Taschenlampe sollte dabei ja nicht ganz so schnell überhitzen ;)


Sam schrieb dazu am Do, 12. Jan 2012, 08:10

21cm Durchmesser nennt man bei Aufsteckblitzen ja schon Softbox :)

Dagaz Tipps sind auch die einzigen, die mir einfallen (Abstand, Abschatten). Es gibt für sowas sogar spezielle, etwas festere und schwarze Alufolie.

Aber für Studioblitze müsste es doch eigentlich extra Tubus(se?) geben, um punktförmige Lichtquellen zu erreichen?


Dagaz schrieb dazu am Do, 12. Jan 2012, 10:23

Was es gibt (aber ich nicht habe), sind Snoots. Aber die verhindern die Blitzkühlung anscheinend schon so gut, dass Hersteller (wenigstens Elinchrom in der Anleitung für meine Blitze) dazu sagen, dass man das Einstelllicht abschalten sollte, wenn man einen davor setzt. Dazu gibt es in der Regel auch mit Grideinsätze, um das Streilicht zu verkleinern.

Kleineres ist mir nicht bekannt. (Aber das hat auch nicht viel zu sagen.) Aber auch bei einem Snoot würde ich noch davon ausgehen, dass eine mini-Maclight oder eine andere kleine Taschenlampe kleiner ist.


R. Ramer schrieb dazu am Do, 12. Jan 2012, 10:52

Ich danke Euch beiden für Eure Hinweise und Tipps. Ich habe das Kontrollieren des Schattens bei meiner Versuchsanordnung stark unterschät und habe mich wohl zu schnell mit Schatten zufrieden gegeben, die in Teilbereichen meinen Vorstellungen entsprachen.

Für meine Studioblitze gibt es Tubusse. Beim "Taschenlampenfoto" habe ich einen solchen für das vordere Motiv eingesetzt (Elinchrom Mini Spot Lite). Für ein 40cm hohes Objekt ist eine Leuchtfläche von 5cm Durchmesser bei einem Abstand von knapp einem Meter halt auch kein Punktlicht mehr. Für die hinteren Protagonisten habe ich eine Taschenlampe eingesetzt, da ich nur einen Mini Spot habe. Meine kleinste Softbox ist mit 66x66cm im Verhältnis zum Motiv ebenfalls riesig.

Auf die Idee, meinen Aufsteckblitz für hartes Licht zu nehmen, bin ich gestern aus mir unerklärlichen Gründen nicht gekommen.

Also auf zum 2. Versuch!

(Das glänzende Ding im Bild ist ein Standardreflektor)

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