Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Falls du noch nicht weißt, was X-Sync (auch genannt Blitz-Synchronisation) ist, habe ich in einem extra Artikel den X-Sync ausführlich erklärt.

Wo ich beim Fotografieren mit Blitz immer wieder anecke, ist die maximale X-Sync-Zeit. Offiziell liegt diese bei meiner D700* bei 1/250s, mit Tricks ist diese sogar mit dem YongNuo RF-602 nutzbar.

YongNuo RF-602*

Erreiche oder überschreite ich diese Zeit, dann schleicht sich bei den einfachen Funkauslösern dieser altbekannte schwarze Balken von unten ins Bild. Wie man sieht ist eigentlich schon 1/250s bei den YongNuo Funkauslösern* nur noch bedingt brauchbar:

XSync-Grenze des YongNuo RF-602

Leider reicht mir bei Bewegung und Umgebungslicht 1/250s nicht aus, um die Bewegung wirklich zuverlässig einzufrieren. Und auch Kleidung, die im Wind flattert, ist bei 1/250s teilweise unscharf durch die Bewegung - was doppelt ärgerlich ist, wenn die Kleidung der Grund fürs Foto ist.

Entsprechend interessiere ich mich für alles, was die XSync-Zeit verlängert. Es geht noch nicht so weit, dass ich mir die uralte Nikon D40 zurückwünsche, die dank elektronischem Verschluss auch noch 1/1000s sauber syncen konnte, mir aber durchaus auch teure Optionen anschaue.

Nikon iTTL HSS mit SU-800*

Die wohl bekannteste Option ist High Speed Sync (HSS, auch genannt FP Sync) per TTL, egal ob per Kabel, Lichtsignal oder Funk übertragen. Immer wenn von HSS gesprochen wird, wird erwähnt, dass der Blitz an Leistung verliert. Und wie man an den folgenden Bildern erkennen kann nicht gerade wenig, das Licht ist ab 1/320s satte zwei Blenden dunkler:

XSync-Grenze bei HSS / TTL

Der Verlust an Licht ist ärgerlich, wäre aber im Notfall verkraftbar. Allerdings funktioniert die Übertragung mit dem SU-800 bei Tageslicht nicht zuverlässig, wen ich entfesselt TTL nutzen möchte komme ich um entsprechend teure Funkauslöser nicht herum. Beispielsweise den

PocketWizard FlexTT5*

Lange habe ich mit Radiopoppern geliebäugelt, mich dann doch für die PocketWizards entschieden, denn die haben ein Feature mit der Bezeichnung Hypersync. Klingt sehr ähnlich wie High Speed Sync, ergibt aber ein anderes Bild, hier vergleichsweise wie bei den oberen Bildern mal mit voller Blitzleistung:

XSync-Grenze bei PW Hypersync

Bei voller Blitzleistung erreiche ich mit Hypersync bei meiner D700 und einem SB-900 eine satte 1/1000s Belichtungszeit mit recht wenig Lichtverlust. Der Preis dafür ist eine etwas ungleichmässiger Belichtung: ab 1/320s wird das Bild von oben her dunkler, die Bildmitte entsteht ein hellerer Bereich.

Vor allem aber funktioniert Hypersync nur bei voller Blitzleistung bis zu 1/1000s, was wiederum für langsame Bildraten und schnelle Überhitzung des Blitzes sorgt. Interessanter finde ich 1/2 und 1/4 Blitzleistung, hier kriecht wie bei den RF-602 schwarze Balken ins Bild, aber immerhin erst ab 1/400s:

XSync-Grenze bei PW Hypersync Leistung

Interessant daran finde ich außerdem: bei halber Leistung ist das Bild nicht eine Blende dunkler, sondern nur 2/3 Blende: es wird offensichtlich weniger Leistung verschwendet. Ähnlich ist auch 1/4 Leistung nicht volle zwei Blenden dunkler, sondern 1+2/3 Blende.

Dafür ist das Bild bei halber und viertel Leistung aber bis 1/400s gleichmässiger ausgeleuchtet.

An der 1/400s und 1/500s Belichtung kann man auch schön sehen, dass das automatische Timing des Hypersync-Features recht gut funktioniert: die Schatten kriegen von unten und oben ins Bild.

Zusätzliche Tücken bei Hypersync

Allerdings haben all diese Tests zusätzlich noch einen großen Haken: wenn ich den Blitz schnell nacheinander abfeuere, so dass er noch nicht wieder voll aufgeladen ist, dann verändern sich diese Helligkeiten und Unregelmässigkeiten deutlich sichtbar, weil die Leuchtdauer sich verlängert.

Das Hypersync von Pocketwizard ist also definitiv nichts für schwache Nerven :)

Um Hypersync zu wirklich zu verstehen, habe ich mich recht lange mit Blitzentladungskurven, gestoppter Entladung bei erreichter Wunschlichtmenge, je nach Ladezustand unterschiedlichen Kurven, dem Nachrichtenfluss zwischen Kamera und Blitz beschäftigt, und bin eigentlich nur erstaunt, dass das so einigermassen zuverlässig funktioniert. So beeinflusst beispielsweise das ein- und ausschalten von VR die Ausleuchtung, weil es das Timing der Kamera verändert.

Lohnt sich das?

Wirklich zuverlässig verwendbar erreiche ich mit den FlexTT5 1/320s. 1/400s, wenn ich auf Bildteile am Rand verzichten kann. Mehr geht nur, wenn ich auf gleichmässige Ausleuchtung verzichte und wegen voller Leistung lange Wartezeiten zwischen den Fotos in Kauf nehme (was Erfahrungsgemäß ohne externes Akkupack* für meinen Blitz so gar keinen Spaß macht).

Die PocketWizards sind also kein Wundermittel, können aber in Extremsituationen ein Quentchen mehr bringen. Ob mir das was nützt muss sich in der Praxis noch zeigen.

Dafür ist mit Ihnen aber endlich TTL per Funk nutzbar. Und der AC3 Zone Controller* ist im Vergleich zum SU-800 ein Traum an Bedienerfreundlichkeit!

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Veröffentlicht am Sa, 29. Okt 2011, 17:01 von Sam

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Blitzfrage(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Di, 01. Nov 2011, 15:53

Wieder einmal ein spannender Technikbeitrag! Danke dafür.

Deinem Artikel entnehme ich, dass 1/320s mit den FlexTT5 und einem Aufsteckblitz das praktikable Limit ist. Ich habe mich gefragt, wieviel Licht mir bei einem SB-900 bzw. 580EX dann eigentlich noch zur Verfügung steht. Reicht es Deiner Meinung nach, um gegen die Sonne antreten zu können oder "nur" zum Füllblitz? Speziell wenn noch eine Ezybox dazu kommt, die gemäss Deinen Untersuchungen alleine 1,3 Blenden Licht schluckt (Lichtverlust verschiedener Lichtformer).

Siehst Du im Outdoor-Bereich nebst HSS noch andere Möglichkeiten, um bewegte Kleidung an einem sonnigen Tag in den Griff zu bekommen, ohne auf weiches Licht verzichten zu müssen?

In Deinem Beitrag "Praxiseinsatz: Tanzmode fotografieren" war für Dich die maximale xsync-Zeit der Kamera von 1/200 zu wenig, da der Raum von der Sonne sehr hell ausgeleuchtet wurde. Würdest Du heute zur gewünschten Herabsetzung der Blende zu FlexTT5 und HSS greifen oder die im Artikel erwähnten ND-Filter einsetzten?

Und noch eine letzte Frage, wenn Du erlaubst: Tanzmode könnte man ja mit tanzenden Models fotografieren, womit man wieder mit Bewegungsunschärfe konfrontiert wäre. Was könnte man da machen, um die Kleidung möglichst vorteilhaft fotografieren zu können?


Sam schrieb dazu am Mi, 02. Nov 2011, 08:56

Puh, das sind echt schwierige Fragen, die ich ernsthaft erst dann beantworten kann, wenn ich eine Chance hatte, dass mal auszuprobieren.

Es hängt ja auch sehr stark von der Situation ab: wenn ich ein Portrait mache, also nur das Gesicht weich ausleuchten möchte, dann kann ich mit dem Blitz/Softbox sehr dicht ans Modell rangehen, wodurch das Licht auch weicher wird. Bei sowas, glaube ich, komme ich mit einem SB-900 gegen die Sonne an.

Wenn ich aber Ganzkörperfotos mache, sieht das anders aus. Weiches Licht wird dann ohnehin schwierig, weil es so große Lichtformer für Aufsteckblitze eher nicht gibt, und weil ich beim dem nötigen Abstand viel Leistung verliere.

Ich überlege derzeit mehr und mehr, mir für solche Shootings Dauerlicht (Arri Filmlicht) zuzulegen, dann brauche ich zwar Strom (und das nicht zu knapp) aber ich habe dann kein Problem mehr mit kurzen Belichtungszeiten.

Für Fenster finde ich ND-Folie völlig ok, hab aber inzwischen auch draußen Shootings gehabt, wo ich die nicht hätte verwenden können, ich entweder einen extrem unhandlichen Schattenspender gebraucht hätte, oder eben mehr/bessere Lichtleistung.

Ich bin gespannt auf das erste echte Shooting mit den FlexTT5, und werde dann sehen, ob ich zu HSS neige, oder Hypersync bei voller Lichtleistung mit 1/1000s mir gleichmässig genug ist, oder ich mir etwas neues suchen muss. Noch kann ich das nicht einschätzen.

Die letzte Frage kann ich nicht beantworten, weil "vorteilhaft" ja je nach Standpunkt was völlig anderes ist. Selbst total unscharfe Fotos können für die Mode vorteilhaft sein, weil der Betrachter dann das Gefühl hat, so richtig mittendrin zu sein, dass diese Kleidung Action und Tanzgefühl verspricht.


R. Ramer schrieb dazu am Mi, 02. Nov 2011, 17:22

Schön an der Lösung mit dem Aufsteckblitz als Aufheller finde ich, dass ich im Sommer bei strahlend sonnigem Wetter damit bei Portraits die tiefen Schatten unter den Augen und dem Kinn des Models aufhellen und mittelstarke unerwünschte Bewegungen einfrieren kann. Am Charakter der Schatten ändert das leider nichts. Will ich weiches Licht und einen vorteilhafteren Schattenwurf, muss ich wie Du sagst z.B. die Ezybox und FlexTT5 einsetzen und die Sonne als Kantenlicht verwenden.

Eine alternative Methode ist für mich, die Sonne als Kantenlicht zu nehmen und einen Reflektor als Führungslicht. Mit diesem Lichtaufbau bin ich beim Fotografieren recht frei.

Kann ich mein Hauptmotiv nicht so einfach nach meinen Bedürfnissen hinstellen, was z.B. bei einer Blume der Fall ist, nehme ich gerne einen Diffusor, um das helle Sonnenlicht mit seinen harten Schatten zu bändigen und einen Reflektor, um das Motiv attraktiv auszuleuchten. Für hartes Licht nehme ich dann gerne auch einen entfesselten Blitz.

Als Canon-580EX-Blitz-Benutzer ist FlexTT5, soweit ich gehört habe, nicht unproblematisch. Deshalb und wegen der hohen Anschaffungskosten konnte ich mich noch nicht zu einem Kauf durchringen. Ich bin gespannt auf Deine Shooting-Erfahrungen.


Sam schrieb dazu am Di, 29. Nov 2011, 16:30

Ja, für weiche Schatten brauch ich eine große Lichtquelle. Softbox, Dish, notfalls geht sogar ein Schirm, wenn es nicht zu windig ist.

Ob die kleinen Blitze allerdings dafür bei HSS noch genug Leistung haben, vermag ich nicht zu sagen. Ich hab noch keine Blitzsession bei Sonne gehabt seit ich die FlexTT5 besitze.

Die Probleme mit den Störungen bei Canon hab ich auch gehört, da werde ich als Nikon-User natürlich auch nichts zu sagen können.

Ich hatte anfangs ziemliche Probleme mit den FlexTT5, die zum Glück verschwanden, nachdem ich die Geräte alle nochmal resettet hab. Irgendwie hat der Reset nach dem Update wohl nicht gereicht. Jetzt funktionieren sie sehr gut, aber ich möchte noch etwas Erfahrung sammeln, bevor ich drüber schreibe.

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