Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Wenig habe ich über das Histogramm geschrieben, nur einen allgemeinen Artikel.

Warum? Ganz einfach: Weil ich das Histogramm in vielen Situationen völlig unbrauchbar finde!

Mein Einstieg in die Fotografie waren vor allem Konzerte und Parties, beides Situationen, die sich durch wenig und vor allem punktuell gesetztes Licht auszeichnen. Da steht also Beispielsweise ein Künstler im Licht eines Scheinwerfers auf einer dunklen Bühne:

Histogramm von Musiker auf Bühne

Und was sehen wir am Histogramm? Wer auf ein ordentliches Histogramm wert legt, muss sich beim anblick gruseln: Völlig daneben! Schwarz säuft total ab, überhaupt keine Zeichnung im größten Teil des Fotos.

Und wisst ihr was? Das ist gut so! Denn wenn der Hintergrund, die Bühne, nicht pechschwarz absaufen würde, sondern mit schöner Zeichnung und "richtigem" Histogramm dunkelgrau, dann haben wir das typische Knipskisten-Foto mit Zeichnung im Hintergrund, und weiß ausgebrannten Gesichtern:

Bühnenfoto und Histogramm überbelichtet

Denn ganz ehrlich: wer will die Falten im Bühnenstoff sehen? Auch wenn wir uns dank vieler solcher Fotos an diese überbelichteten Gesichter gewöhnt haben, schön ist das nicht!

Gleiches in der Studiofotografie: wenn ich Menschen in Licht setze, dann ist der Hintergrund meist neutral. Und zwar entweder neutral Schwarz oder neutral Weiß. Und da der Hintergrund üblicherweise doch einen sehr großen Teil des Fotos ausmacht, ist das Histogramm entsprechend "falsch". Es schlägt entweder links oder rechts völlig am Rande an, dem Histogramm nach kann das doch kein gutes Foto sein:

Histogramm Studiofoto dunkel

Histogramm Studiofoto hell

Was tun? Ganz einfach: Wenn Du Dich in einer solchen Situation befindest, wo ein großteil des Fotos weiß oder schwarz ist, vergiß das Histogramm! Es lügt!

Nein, natürlich lügt es nicht wirklich, aber es hilft Dir nicht. Achte stattdessen auf die Helligkeit der Haut. Wenn die Helligkeit der Haut im Licht stimmt, muss der Rest des Bildes halt folgen. Oder, da es schwierig ist die Helligkeit der Haut auf dem Kameradisplay zu beurteilen, benutze die Überbelichtungswarnung Deiner Kamera und achte wenigstens darauf, dass keine wichtigen Bildteile überbelichtet sind. Dann kannst Du in Lightroom die Helligkeit der Haut korrekt setzen ohne dass das Bild zu sehr leidet. Wenn Du für die Überbelichtungswarnung Deiner Kamera einen Farbkanal wählen kannst, nimm für Haut den Roten, der überstrahlt am schnellsten.

Hilfreich ist das Histogramm bei Landschaftsaufnahmen, oder allgemein in Situationen, wo auch der komplette Hintergrund mit zum Motiv gehört und "normal" belichtet wird.

Veröffentlicht am Sa, 08. Okt 2011, 22:48 von Sam

Es lügt nicht, es erzählt nur eine Variante von vielen Möglichen...(Diskussion)
vieledinge schrieb am Mi, 12. Okt 2011, 18:09

Wenn wir drüber streiten, was das Histogramm zeigt, dann sollten wir erst mal drüber reden das es DAS Histogramm nicht gibt. Unsereiner schießt ja meistens in RAW. Nun kennt RAW ja an sich noch keine Farben bzw. ist ja kein Bild. Zum Bild wird es erst durch Konvertierung zu JPEG oder sonstwas. Erst in dem Moment wird daraus ein Bild, aus dem man ein Histogramm ableiten kann, da ja erst jetzt konkrete Hell-Dunkel- und Farb-Werte existieren. Nur zeigt das Histogramm eben dann das an, was zum Entwicklungsergebnis passt. In sich soweit stimmig.

Nun kann die Preview im Kameradisplay eben genauso wenig ein RAW anzeigen, wie daraus ein Histogramm gebildet werden kann. Deshalb erfolgt dort eben auch eine Konvertierung des Bildes mit bestimmten Parametern. Und aus dem Bild wird uns auch das entsprechende Histogramm präsentiert.

Nun stimmen die dort verwendeten Konvertierungsparameter sehr wahrscheinlich nicht mit dem überein, was wir später verwenden, woraus sich ergibt das natürlich auch die Histogramme nicht passen.

Ob man das bei Nikon einstellen kann weiss ich nicht. Bei Canon werden für die Preview die Konvertierungsparameter genutzt, die sonst auch für die kamerainteren JPEG-Konvertierung gelten (was ja auch Sinn macht, weil es dann bei den Leuten, die in JPEG shooten, passt). Die Parameter lassen sich natürlich einstellen. Seitdem ich dort einige Parameter gegen null (oder ganz nach links) gedreht habe (IIRC Sättigung, Kontrast und Schärfen) ist das Histogramm deutlich besser zu gebrauchen, weil es sehr nah am späteren Rohbild in Bibble dran ist.


Sam schrieb dazu am Mi, 12. Okt 2011, 21:32

Alles richtig, was Du da ausführst - was ändert das an den Problemen, die ich in dem Artikel oben genannt habe?


vieledinge schrieb dazu am Mo, 07. Nov 2011, 17:48

Hallo Sam,

es ändert nichts an Deinen Aussagen, die sind in sich soweit schon stimmig. Ich wollte nur aufzeigen, das man das Histogramm durchaus so bekommen kann, das es etwas näher an der Realität, und damit sinnvoller einsetzbar ist.

 


Sam schrieb dazu am Mo, 07. Nov 2011, 20:51

Für Normalsituationen hast Du da völlig recht, stimmt. Bei den oben genannten Situationen hilft es nicht wirklich weiter.

Als ich die Screenshots angefertigt habe, musste ich sogar feststellen, dass das Histogramm von Lightroom eine ganz besonders lustige Eigenschaft hat: Reinweiße und pechschwarze Pixel werden für die Höhe des Histogramms ignoriert. Wenn ich also das weiß ganz an den Rand schiebe, wachsen in der Mitte auf einmal wieder Hügel, obwohl das nur sehr wenige Pixel sind, die normal keinen Ausschlag im Histogramm verursachen würden.

Ich frag mich ob es auch Kameras gibt, die das tun.

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