Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Als wohl Hauptunterschied zwischen Crop-Kameras wie der Nikon D90 und Vollformat-Kameras wie der Nikon D700 (die beide ich hier mal für die Zahlen als Beispiele verwende) ist der sogenannte Crop-Faktor von 1,5, manchmal auch Brennweitenverlängerung genannt.

Ursache für den Crop-Faktor ist der kleinere Sensor der D90, der nur einen Ausschnitt des Vollformat-Sensors abbildet, daher auch "Crop" benannt, vom englischen Wort für Ausschnitt.

Üblicherweise sagt man, dass eine 50mm Brennweite sich an einer D90 verhält wie eine 75mm Brennweite an einer D700, weil der Bildwinkel durch den Ausschnitt eingeschränkt ist. Einige Fotografen, wie beispielsweise David DuChemin, werden aber nicht müde darauf hinzuweisen, dass ein 50mm Objektiv auch an einer Crop-Kamera immer noch die Eigenschaften eines 50mm Objektivs behält, und nicht die eines mit 75mm Brennweite.

Ehrlich gesagt kann ich diese Aussage nicht ganz nachvollziehen, denn mit dem Crop-Faktor ändert sich der Bildwinkel, und damit ändern sich die Bildgebenden Eigenschaften. Um das zu verdeutlichen habe ich hier mal drei Portraits mit dem Nikkor AF-S 60mm/F2.8 Micro* gemacht:

Portrait Vergleich Vollformat Crop

Das erste Portrait ist mit dem 60mm an Der Nikon D700. Das zweite ist aus der gleichen Position, mit dem gleichen Abstand fotografiert, nur hängt das 60mm jetzt an der Nikon D90 statt der D700. Wie man deutlich sieht, macht sich der Crop-Faktor als Ausschnitt bemerkbar. Möchte ich also ein zum an der D700 gemachten vergleichbares Foto schießen, muss der Fotograf einen Schritt zurück gehen, um einen vergleichbaren Bildinhalt (mich) zu bekommen.

Damit hat der Fotograf den Abstand zum Motiv, den er bei Verwendung einer 90mm Brennweite an einer Vollformat-Kamera gehabt hätte, und da der Abstand für die Perspektive maßgeblich ist, verhält sich das 60mm Objektiv also effektiv an Vollformat wie eine 90mm Brennweite.

Auf dem dritten Foto kann man auch gut sehen, dass der Hintergrund im Verhältnis zur Person jetzt größer ist, an der Crop-Kamera komprimiert das Objektiv Motiv und Hintergrund stärker als am Vollformat.

Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man begründet, dass ein 60mm Objektiv sich auch an Crop wie ein 60mm Objektiv benimmt. Für mich benimmt es sich wie eine 90mm Brennweite, da ich es ja aufgrund des kleineren Bildwinkels auch so verwende. Vielleicht kann mir ja jemand erklären, wie DuChemin auf diese Aussage bekommt, von ihm habe ich auf eine Anfrage keine Antwort erhalten.

Bonus: Was sich zum Beispiel nicht verändert ist die Naheinstellgrenze. Damit vergrößert dass 60mm Makro-Objektiv an der D90 deutlich größer als an der D700, wie man auf den folgenden Fotos unschwer sehen kann:

Maximale Vergrößerung an Vollformat und Crop

Für Makro-Fotografie wäre eine Cropkamera also unter Umständen die bessere Wahl.

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Veröffentlicht am So, 31. Jul 2011, 17:49 von Sam

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Auch Gurus irren(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Fr, 05. Aug 2011, 11:28

Feiniger, Freeman, Du und ich wissen, dass sich aus dem Kamerastandort bzw. dem Abstand zum Aufnahmeobjekt die Perspektive ergibt und dass die Brennweite daran nichts ändert. Mit der Brennweite verändert sich lediglich der Blickwinkel.

Wie Guru David zu seiner Aussage gelangte oder was er damit meinen könnte, ist auch mir schleierhaft. Vieles, was DuChemin sagt, finde ich schlüssig und hilfreich, wobei er seit Beginn seines Tripps mit "Jessi" etwas die Orientierung verloren hat und seit seinem Sturz eindeutig ausser Form geraten ist, was man ihm nicht verübeln kann.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass all die Bücher über Digitale Fotografie nicht mehr zu sagen haben, als Analoge Bücher, die vor 30 oder sogar 50 Jahren (Feiniger, Die hohe Schule der Fotografie, 1961) geschrieben wurden, sagen. Damals gab es den Weissabgleich noch nicht, aber gestalterisch "funktioniert" eine Digitalkamera nicht anders als das, was Feiniger zur Verfügung hatte.

Auch Guru David erzählt eigentlich nichts anderes, als was ich bei Feininger und im Buch "Fotoschule" von Nikon aus dem Jahre 1981 (Brennweitenvergleich auf Seite 314) auch schon erfahren konnte - mit Ausnahme der Postproduktion und dem etwas anderen Vorgehen bei der Aufnahme dank Computerisierung der Kameras. DuChemin bringt es aber in schöneren Worten mit schöneren Bildern und manchmal aus einer anderen Sicht herüber, was ich durchaus schätze.

Aber eben - auch Gurus irren und können sich verirren.


Sam schrieb dazu am Fr, 05. Aug 2011, 13:00

Oder eben sich auch einfach so ungeschickt ausdrücken, dass nicht klar ist, was sie eigentlich damit sagen wollen.

Schön gesagt, danke!


Antarion schrieb dazu am Di, 09. Aug 2011, 16:31

Danke für deinen Artikel. Vor allem das mit dem Hintergrund finde ich hier interessant. Man sieht schon dass es Unterschiede gibt egal was man versucht.

Ich bin ja einer derjenigen, die schon ewig darüber nachdenken mir mal eine Vollformatkamera zu gönnen. Aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich es tun möchte (Spaß machts bestimmt, ne neue Kamera, das ist ja wichtig beim Hobby) aber irgendwie macht mich das Thema noch verrückt.

Ich glaube ohne selbst getestet zu haben wirds wohl schwierig. Im Netz liest man von WOW Effekten bis hin zu "kann die Bilder von Crop und FF kaum unterscheiden". Klar ist wohl, dass man wissen muss was man tut und erzielen möchte um den besten Nutzen aus seinen "Arbeitsgeräten" zu ziehen...

Wie sind deine Erfahrungen? Nutzt du beide Kameras oder die Crop nur noch für Spezialsituationen?

 


Sam schrieb dazu am Di, 09. Aug 2011, 17:19

Gute Frage: Seit ich die D700 habe, nutze ich die Crop nur noch sehr selten.

Das Thema ist so breit, ich hab dazu mal einen eigenen Artikel geschrieben:

Warum ich nur noch die Vollformat-Kamera benutze.

Vielleicht ist das für andere ja auch spannend...


Arathorn schrieb dazu am Di, 16. Aug 2011, 16:35

Die physikalischen Eigenschaften des Objektivs sind unabhängig davon, ob man nun den maximalen Bildkreis des Objektivs oder nur einen Ausschnitt.

Wenn man diesen Ausschnitt dann vergrößert, dann sollte kein Unterschied feststellbar sein. Z.B. aus dem linken der drei Portraits den Ausschnitt des mittleren ausschneiden und in gleicher Größe danebenstellen.

 

Unter dem Strich ist es wohl eine philosophische Frage, ob sich ein Objektiv nun anders verhält wenn man mit anderen Wahrnehmungsmöglichkeiten durchschaut
oder
ob sich das Objektiv genauso verhält, aber aufgrund anderer Wahrnehmungsmöglichkeiten eine andere Interpretation durchgeführt wird.
In beiden Fällen ist DAS ERGEBNIS ein anderes.

Hautpunterschied der Wahrnehmungsmöglichkeiten ist bei diesem Vergleich natürlich der Crop-Faktor.

 

Aber abgesehen vom Hintergrund bin ich der einzige, der meint, auf dem linken Portrait würde dein Gesicht schlanker wirken?

 

Gruß

Christian


Sam schrieb dazu am Mi, 17. Aug 2011, 07:17

Stimmt, so kann man das ganz pragmatisch auch sehen.

Und ich seh es auch so, dass ich auf dem linken Portrait schlanker wirke. Das könnte am Licht liegen, oder daran, dass ich nicht genau in die Kamera schaue.

Andererseits erinnert es mich daran, dass die Brennweite Einfluss darauf haben soll, wie breit oder schlank ein Gesicht auf einem Foto aussieht, und ich das irgendwann nochmal ausprobieren wollte, ob da was dran ist.


Arathorn schrieb dazu am Fr, 19. Aug 2011, 11:59

Manchmal kann ich ein Erbsenzähler sein...

 

Die Brennweite hat keinen (direkten) Einfluß auf abgebildete Gesichtsform, sondern nur der Abstand.

 

Grund:

der absolute Abstand von z.B. Nasenspitze zu Ohrmittelpunkt ist (ohne Prügeleien und ähnliches) fix.

Ändert sich jetzt der Abstand zwischen Kopf und Kamera, dann ändert sich damit der relative Abstand dieser beiden Punkte.

Beispiel: Kopflänge (Nasenspitze -> Ohrmittelpunkt) sei angenommen 20cm
Bild 1: Abstand Kamera -> Nasenspitze sei 100cm, daraus ergibt sich ein relativer Abstand von 120% für den Ohrmittelpunkt
Bild 2: Abstand Kamera -> Nasenspitze sei 200cm, daraus ergibt sich ein relativer Abstand von 110% für den Ohrmittelpunkt

Die Abbildungsgröße (hier: Nasenbreite / Breite des Kopfes bei den Ohren) der beiden Ebenen ändert sich aufgrund der Änderung des relativen Abstandes bei diesem Stellungswechsel um unterschiedliche Werte.
Vereinfacht nach Strahlensatz würde bei gleichbleibender Brennweite beim zweiten Bild die Nase genau 100/200 (=0,5) so breit sein, die Ohrbreite wäre um Faktor 120/220 (~0,54) ver"größert", also wäre die Abbildung mehr als halb so breit wie bei Bild 1.
Somit ändern sich die Proportionen. Je nach Bezugspunkt könnte man z.B. sagen, die Ohrbreite bleibt gleich, die Nase wird schmaler, die Wangen werden ein wenig schmaler.

Die Brennweite kommt erst dann dazu, wenn die andere Abbildungsgröße durch den neuen Abstand durch eine andere Brennweite kompensiert wird.

Die Proportionen ändern sich nur durch die andere Perspektive, dabei ändert sich auch die Abbildungsgröße.

Die Änderung der Brennweite ändert nur die Abbildungsgröße, jedoch nicht die Proportionen.

Geht man jetzt auf doppelten Abstand und wählt doppelte Brennweite heben sich die Änderungen der Proportionen gegenseitig auf, es bleibt die Änderung der Proportionen und die (durch Verkürzung missverständliche) Aussage "Die Brennweite ändert die Proportionen".

Ausprobiert hast Du es (ansatzweiße) ja bereits: s. obige Gegenüberstellung dreier Portraits.
Da für dieses Thema Blende und Schärfentiefe irrelevant sind entspricht der Wechsel der Kamera am gleichen Objektiv (oder ein Beschnitt in der Nachbearbeitung) exakt einer Brennweitenänderung (links <-> mitte), eine Abstandsänderung bei gleichzeitiger Brennweitenänderung hast Du näherungsweise zwischen mitte und rechts, fehlt eigentlich nur noch der höhere Abstand mit der weitwinkligeren Aufnahme (Vollformat-Kamera).

 

Diese meine Betrachtung vernachlässigt bewusst die Auswirkungen, die Perspektiv- oder Brennweitenänderung auf den Bildausschnitt (Hintergrund, mehr Körper im Bild, ...) oder ähnliches haben, hier habe ich bewusst nur den Kopf betrachtet und diesen gedanklich zum Trapez vereinfacht (Nasenbreite, Ohrbreite als parallele Seiten; diese parallel zum Sensor auf gleicher Höhe gedacht; Abstand Ohrmittelpunkt <-> Nasenspitze als Höhe des Trapezes)

 


Sam schrieb dazu am Fr, 19. Aug 2011, 12:11

Ja klar, aber das ist als wenn ich sage, dass der Koch keinen Einfluss aufs Essen hat, sondern nur die Sachen, die er in den Topf tut. :) Semantisch völlig richtig, in der Praxis aber irrelevant.

Natürlich liegt der Einfluss der Brennweite auf die Gesichtsform nicht an der Brennweite per se, sondern der daraus resultierende Abstand. Genau wie der Koch das Essen bestimmt, auch wenn er es indirekt tut.

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