Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Fotografie ohne Lightroom kann und mag ich mir nicht mehr vorstellen. Entsprechend interessiert bin ich auch immer an Informationen und Inspirationen zu Lightroom, und obwohl ich mir gerade das Lightroom-Buch von Dave DuChemin* gekauft habe, hab ich sofort zugesagt als man mir anbot ein Rezensionsexemplar von Paddys Lightroom-Alltag* zu bekommen.

Beide Bücher sind keine Anleitungen für Lightroom, erklären nicht jeden Regler, stattdessen zeigt jeder Autor, wie er selber mit Lightroom arbeitet.

Dennoch könnten die Bücher kaum unterschiedlicher sein:

Während DuChemin in seinem Buch erstmal sechs Kapitel lang erklärt, wie seine Denk- und Arbeitsweise ist und warum er das Buch entsprechend aufgebaut hat, bevor er auch nur ein Wort zu Lightroom schreibt, springt Paddy gleich mittenrein in die Anwendung.

Während DuChemin sich dann sehr systematisch dem Entwicklungsmodul von Lightroom widmet, platzen die Seiten bei Paddy mit Information zu allen Teilen von Lightroom.

Und während Paddy ausführlich mit Beispielen und dem Aufbau von Presets schließt, zeigt DuChemin anhand ausführlich erklärter und kommentierter Bearbeitung von Beispielbildern, wie er arbeitet.

Ich bin nun kein Anfänger mehr in Lightroom, keines der beiden Bücher hat mir eine Funktion gezeigt, die ich noch nicht kannte. Dennoch haben beide Bücher mir Inspirationen gegeben, wie ich die vorhandenen Funktionen besser nutzen kann, und dafür hat sich die Lektüre auf jeden Fall gelohnt.

Vor allem DuChemin mit seinem Visionsorientierten Vorgehen rennt bei mir offene Türen ein: sich zu überlegen, was ich mit dem Foto eigentlich will, nach Möglichkeit sogar schon, bevor ich das Foto überhaupt gemacht habe, um darauf in Aufnahme und Bearbeitung hinzuarbeiten findet bei mir volle Zustimmung.

Was mich allerdings gewundert hat, ist dass bei Beiden das DNG-Format als offene Alternative zu den Raw-Formaten der Hersteller gepriesen, dabei ist DNG gar nicht offen, sondern nur ein weiteres herstellerabhängiges Format.

Auch verwunderte mich, dass DuChemin lang und breit erklärt, warum man seine Fotos "nach rechts belichten" sollte, eine vor allem in der Landschaftsfotografie beliebte Technik, aber wenn ich seine Beispielbilder sehe, scheint er diesen Tipp selber nicht zu beherzigen.

Dafür sind die Beschreibungen, warum und wie er Bilder bearbeitet, so, wie ich sie mir von Michael Jordan für "vom Alltäglichen zum Besonderen" gewünscht hätte.

Eines der Bücher hätte sicherlich als Anregung auch gereicht. DuChemin, wenn es um relativ klassische Fotos geht, Paddy wenn man eher an kreativen Stilen interessiert ist, aber ich hab beide gerne gelesen, fand beide hilfreich und werde beide in meinem Bücherschrank behalten um nochmal reinzuschauen.

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Veröffentlicht am Do, 16. Jun 2011, 21:59 von Sam

Workflow à la Vision(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Mi, 22. Jun 2011, 11:22

Das Lightroom-Buch von Dave DuChemin und ganz allgemein sein visionsorientiertes Vorgehen gefallen auch mir sehr gut. Ich habe das Buch durchgearbeitet und gut nachvollziehen können, warum er was gemacht hat.

Die Anwendung des Erfahrenen bei meine Eigenen Bilder fällt mir noch schwer. Aber immerhin glaube ich auf dem richtigen Weg zu sein und einige Bilder zeigen nach erneuter Bearbeitung wirklich mehr von dem, was ich vermitteln wollte.

DuChemin ist für mich eher der Gefühlsmensch, Michael Freeman der Techniker. Darum nahm ich die eine Seiten über DNG bei DuChemin nicht so ernst. Kritischer als das Format ist für mich die "Lagerung" der digitalen Negative über mehr als 20 Jahre speziell wegen der "Lagerstätte" und dem Zugriff darauf.

Was das "Rechts-Belichten" anbelangt finde ich seine Ausführungen logisch. Praktisch ist es mir ausserhalb des Studios aber meist zu heikel oder wegen zu langer Belichtungszeiten (Bewegungsunschärfe) nicht möglich, rechts zu Belichten. Und dann wäre da noch die "Characteristic Curve", die auch bei einem CMOS-Sensor nicht perfekt linear ist, sondern einen leicht buckligen Schulterbereich zeigt. Wie DuChemin zu seiner Belichtung kommt, beschreibt er übrigens in seinem Artikel "Exposure and Metering" (siehe www.pixelatedimage.com/blog/2009/08/exposure-and-metering/).

 


Sam schrieb dazu am Mi, 22. Jun 2011, 21:45

Das mit dem Lagern von Digitalen Daten wird oft Unterschätzt. Gebrannte Rohlinge haben erschreckend schnell Lesefehler, und selbst Daten auf Festplatten werden irgendwann "schlecht" (die Magnetisierung lässt nach, was dazu führen kann, das Bits umkippen).

Logisch finde ich seine Ausführungen über ETTR (Expose To The Right) auch, die habe ich schon öfter so gelesen - nur fand ich dass seine Beispielbilder nichts davon zeigen, die sind eigentlich immer recht dunkel, er zieht die Belichtung höher.

Wie gesagt ist das eine bei Landschaftsfotografen beliebte Technik, die machen halt so lange Fotos, bis die Belichtung stimmt. Wenn man Menschen fotografiert, ist der Moment meist so flüchtig, dass ein zweites Foto mit anderer Belichtung schon nicht mehr den Eindruck des ersten Fotos hat. Da klappt das eher nicht mit ETTR, es sei denn, man macht viele Fotos in einem festen Lichtsetting. Aber meist reicht es ja schon, wenn sich das Model etwas in Richtung Licht bewegt um dann Bildteile an Überbelichtung zu verlieren ;(


R. Ramer schrieb dazu am Do, 23. Jun 2011, 10:49

Deine Bemerkung bezüglich der recht dunklen Beispielbilder hat mich dazu veranlasst, mir die Bilder nochmals anzusehen. Ich meine, DuChemins Beispielbilder sind mit Ausnahmen ganz ordentlich belichtet, machen aber nach dem Import in Lightroom einen trüben Eindruck. Wende ich eine Entwicklungsvorgabe mit Helligkeit +50, Kontrast +25 und eine Gradationskurve/Punktkurve mit mittlerem Kontrast an, stelle ich folgendes fest:

unterbelichtet:

dunkel, aber realistisch

überbelichtet:

Als leicht vermeidbare Fehlbelichtung würde ich Bild 9-Bicke und 5-YourWay einschätzen. Beruhigend zu wissen, dass auch Profis Fehler machen.

Mit Nullwerten als Entwicklungseinstellungen zu beginnen mache ich auch, aber erst, nachdem ich die Bilder aussortiert habe, da ich nur bei passabler Entwicklung entscheiden kann, ob ich ein Bild behalten will oder nicht.

Bei grösseren Mengen abzuliefernder Bilder begnüge ich mich meist mit einer eigenen Entwicklungsvorgabe und leichten Korrekturen. Nur für einzelne, mir besonders wichtigen Bildern fange ich bei Null an und folge dem Workflow von DuChemin.

 


Sam schrieb dazu am So, 26. Jun 2011, 12:08

Eben, und wenn er wirklich konsequent immer nach Rechts belichtet hätte, hätte ich mehr Bilder erwartet, die im ersten Moment überbelichtet sind.

Ich bin aber eh der Meinung, das ETTR in der People-Fotografie nicht so hilfreich ist. Dort geht es mehr um den Ausdruck, den Moment, nicht so sehr um maximale Datendichte.

Mit der Bildbearbeitung geht mir das genauso, eine allgemeine Entwicklungsvorgabe und spezielle Bearbeitung nur bei besonderen Bildern. Macht ja auch am meisten Sinn so.

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