Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Welche Brennweite ist besser für Makrofotografie geeignet: 50mm, 100mm oder 200mm?

[Update - unbedingt die Diskussion lesen, der Inhalt des Beitrags stimmt so nicht]

Vor kurzem hätte ich noch klar gesagt: je länger die Brennweite, desto besser, das 200mm Makro sei also besser als die kürzeren Brennweiten. Der Arbeitsabstand ist größer, man hat eher eine Chance an Insekten ranzukommen. Außerdem lässt sich bei langen Brennweiten der Hintergrund besser reduzieren, während kurze Brennweiten durch ihren weiten Blickwinkel deutlich mehr vom Hintergrund in das Bild ziehen.

Einen Faktor hatte ich bei dieser Betrachtungsweise allerdings völlig übersehen: Die Brennweite hat Einfluss auf die Tiefenschärfe. Großen Einfluss. Größeren Einfluß als die Blende!

Um das zu veranschaulichen habe ich mal drei Makro-Fotos mit verschiedenen Brennweiten gemacht. Alle drei Fotos sind mit Blende 16 gemacht worden, den Abstand zum Motiv musste ich natürlich je nach Objektiv verändern:

Vergleich Tiefenschärfe 55mm, 105mm, 200mm 

Wie man am Haus im Hintergrund gut sehen kann, ist die Tiefenschärfe beim 55mm Makro bei gleicher Blende deutlich höher als bei den längeren Brennweiten.

Wenn man geringste Tiefenschärfe sucht, lohnt sich also der Griff zur langen Brennweite. Doch gerade in der Makrofotografie hat man auch oft damit zu kämpfen, dass der Schärfebereich sehr gering ist.

Für diese Fälle, bei denen man mehr Tiefenschärfe in seinen Makros möchte, lohnt sich der Griff zur kurzen Brennweite.

Vielen Dank an Volker Klau für das zur Verfügung stellen des 55mm Makro.

Veröffentlicht am Fr, 13. Mai 2011, 10:09 von Sam

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Vorteil eines 50mm Makro-Objektivs(Diskussion)
Martredor schrieb am Sa, 14. Mai 2011, 09:08

Heißt das nicht Schärfentiefe? :-)

Interessanter vergleich! Außer de, Sigma 70-200 Makro habe ich kein Makroobjektiv, und das hat ja auch keine 1:1 Abbildung. Was hältst du von Makroringen? Ich werde mal in naher Zukunft ein Vergleich machen mit meinem 50mm 1,4 und den 70-200 und den verschieden Makroringe um da mal den Vergleich zu sehen. Ist bestimmt auch interessant.


Piepe schrieb dazu am Sa, 14. Mai 2011, 10:31

Ach ja die Schärfentiefe/Tiefenschärfe...

 

Ich betrachte das irgendwie anders. Die Brennweite ist für mich eher für die Perspektive des Motivs ausschlaggebend. Um den gleichen Effekt der Tiefenschärfe mit dem 50mm, wie mit dem 200mm zu erreichen, würde ich aufblenden.


zoomyboy schrieb dazu am Sa, 14. Mai 2011, 10:55

Welches Objektiv wir Makrofotografen dann verwenden, richtet sich eher nach dem Motiv.






Das Brot und Butter Makroobjektiv, das von beiden Welten (50/200mm) etwas hat, ist das klassische 90/100mm Makroobjektiv. Wenn 1 Makroobjektiv dann das 90/100mm.

Sam schrieb dazu am Sa, 14. Mai 2011, 11:39

@Martredor, Ich hab hier glaub ich noch ein paar Zwischenringe liegen, für mich war das nichts - ich könnt Dir aber nichtmal genau sagen warum.

@Piepe, und wie erreichst Du die Tiefenschärfe des 50ers mit dem 200er? :)
Wobei natürlich die gewünschte Perspektive meist eher der Grund für die Wahl ist. Aber manchmal möchte man ein Makro mit mehr Tiefenschärfe und hat durchaus Möglichkeiten, sich den Hintergrund auszusuchen.

@Zoomyboy, wunderbare Zusammenfassung der Brennweitenentscheidung!! Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Du Macroman heißen solltest :)
Stacking ist allerdings wieder ziemlich aufwändig, oder? Hab das selber noch nicht probiert...


Aggl schrieb dazu am Di, 06. Dez 2011, 21:05

Hallo Sam,

momentan schreibe ich an einem Blogeintrag über Festbrennweiten und Schärfentiefe. Dabei bin ich auf ein Verständnisproblem gestoßen, insbesondere in Zusammenhang mit diesem Post. Daher mal eine Frage, ob ich da was falsch verstanden habe:

Ich habe für die obrige Situation mal die Schärfentiefen für die Objektive abgeschätzt. Das Ergebnis ist wie folgt:

55mm -> Dein Abstand für die Aufnahme war etwa 0,5 m (FX-Kamera vorausgesetzt).

105mm -> Abstand war etwa 1 m

200mm -> Abstand etwa 1,87m

Wenn dann die Ente mit der Blende 16 fotografiert wird, ist in allen drei Fällen die Schärfentiefe exakt gleich, nämlich etwa 8cm! Somit ist eigentlich egal welche Linse man in Bezug auf die Schärfentiefe verwendet. Was allerdings die Unschärfen im Hintergrund erklärt ist die jeweilige Lage des hyperfokalen Punktes. Nachfolgend habe ich für die drei Linsen die hyperfokalen Punkte aufgelistet mit der der Entfernung ab der dann bereits alles scharf ist:

55mm -> 6,3 m (ab 3,15m scharf)

105mm -> 23m (ab 11,5m scharf)

200mm -> 83,3m (ab 41,7m scharf)

Kann das sein, dass hier der eigentliche Grund für die obrigen Bilder zu sehen ist? Die Schärfentiefe ist immer gleich und damit der eigentliche Arbeitsbereich. Bei den kurzen Brennweiten liegt der hyperfokale Punkt noch recht nah an der Arbeitsweite und daher ist der Hintergrund im Unendlichen noch zu erahnen. Bei den langen Brennweiten wird dieser Abstand allerdings so groß, dass alles in Milch verschwimmt?


Sam schrieb dazu am Mi, 07. Dez 2011, 22:12

Ich habe mal, um die Tiefenschärfe besser vergleichen zu können, die Ente auf eine Bank gesetzt und ein Foto gemacht, wo man sehen kann, wie die Unschärfe auf der Bank sich entwickelt. Die Fotos sind noch nicht so gut, wie ich sie gerne hätte, aber sie zeigen dennoch schon einigermassen, wie unterschiedlich die Schärfe bei verschiedenen Brennweiten verläuft.

Beide Fotos sind mit gleicher Blende (und sonstigen Belichtungsdaten) gemacht worden, nur die Brennweite des verwendeten Objektivs unterscheidet sich:

Vergleich Schärfeverlauf 60mm und 200mm

Ganz ehrlich, ich kann dir das Ergebnis rechnerisch nicht erklären. Die DoF-Rechner behaupten etwas anderes, als das, was ich auf meinen Fotos sehe (die wie gesagt noch nicht perfekt sind, weil der Winkel zum Motiv sich verändert hat).

Doch ich finde im Bild sieht es so aus, dass die Tiefenschärfe beim 200mm deutlich schneller abnimmt.


Aggl schrieb dazu am Mi, 07. Dez 2011, 23:01

Hmmm, ich finde das widerspricht sich nicht!

Die Enten sind beide ja beide scharf abgebildet (Bei Blende 8 liegt die Schärfentiefe in beiden Bildern bei etwa 15cm), aber die Steigung, mit der sich die Schärfentiefen ändern kann ja durchaus unterschiedlich sein. Der DOF-Rechner gibt auch an, dass bei langer Brennweite die Unschärfe stärker zunimmt, als bei kurzer Brennweite. Die Kleinbildäquivalente Unschärfe im Unendlichen liegt bei:

60mm -> 0,28  (Abstand ~ 1m / ab 7,5 m alles scharf)

200mm-> 1,34 (Abstand ~ 3,5m / ab 83m alles scharf) !!!

Wenn man jetzt den Quotienten bildet zwischen dem Arbeitsabstand und der Entfernung, ab der alles scharf ist:

60mm -> 1/7,5 => ~ 0,13

200mm -> 3,5/83 => ~ 0,042

Da bei dem 200mm Objektiv die Zahl deutlich kleiner ist, muss das Bild im Unendlichen auch deutlich unschärfer sein, als bei der Linse mit der kurzen Brennweite. Die Rechnungen sind jetzt vielleicht nicht ganz korrekt, aber für eine Abschätzung reicht es bestimmt.  :-)

Um da weiter zu kommen, muss man wohl deutlicher in die Optik einsteigen, oder?

 


Sam schrieb dazu am Do, 08. Dez 2011, 06:31

Die Ente selber ist ja recht flach - Wenn du auf die Steinbank unter der Ente guckst, kannst du relativ gut sehen, dass der scharfe Bereich bei 200mm geringer aussieht als bei 60mm (das ist leider auch der Bereich, wo ich mein Foto verbesserungswürdig finde).

Wie passt das da rein?


R. Ramer schrieb dazu am Do, 08. Dez 2011, 14:54
Mit den unterschiedlichen Brennweiten ändern sich auch die Bildwinkel. Was das für die Abbildung des Hintergrundes auf den Sensor bedeutet, ist unter "http://www.the-digital-picture.com/Reviews/Canon-EF-S-60mm-f-2.8-Macro-USM-Lens-Review.aspx" im Abschnitt "Background Blure Comparsion" anschaulich aber auf englisch erklärt.

R. Ramer schrieb dazu am Do, 08. Dez 2011, 15:03

@zoomboy: Die Tipps zur Auswahl der geeigneten Brennweite finde ich sehr hilfreich. Speziell weil ich kein Macroman bin. Zwei Punkte sind mir nicht ganz klar:

  1. Hat die Wahl "Fotografiert man zb. Insekten, so greift man eher zum 100er oder noch besser zum 200er." etwas mit der Fluchtdistanz zu tun?
  2. Bei "Die 150/180/200er Makroobjektiv haben den Nach- bzw- Vorteil, je nach Motiv, das sie extrem verdichten und das Motiv eindimensional erscheinen lassen, was manchmal ein Nachteil sein kann." verstehe ich das "eindimensional" nicht.

Für eine kurze Antwort wäre ich Dir dankbar.


Aggl schrieb dazu am Do, 08. Dez 2011, 21:15

Na also, der Link enthält das fehlende Puzzleteil. Damit ist für mich alles geklärt, oder habe ich da was übersehen?


Sam schrieb dazu am Fr, 09. Dez 2011, 09:02

Ich möchte sowas ja immer gerne selber im Bild sehen, und hab mir mal Mühe gegeben, zwei Bilder mit dem gleichen Ausschnitt aus dem gleichen Winkel aufzunehmen, nur eben mit anderem Abstand.

Nun haben meine beiden Makro-Linsen total unterschiedliches Unschärfe-Verhalten, aber es ist echt spannend den Verlauf im Vergleich zu sehen, das bestätigt nämlich, das ich unrecht hatte mit meiner ersten Beobachtung (da sieht man wieder, ich sollte mir mehr Mühe geben die Beobachtung auch im Bild zu zeigen, dann würde ich das beim Schreiben merken):

Vergleich Unschärfe 60mm 200mm

Dieser Hinweis, dass die längere Brennweite den Hintergrund und damit die Unschärfe vergrößert ist tatsächlich das fehlende Puzzleteil. Auf diesem Vergleichsfoto kann man (endlich) auch gut sehen, wie das 200mm die Zahlen stärker vergrößert, und die dadurch sogar noch ein wenig schärfer erscheinen als beim 60mm.

Sehr beeindruckend, danke für den kritischen Hinweis und das gemeinsame Erarbeiten der Lösung - ich werde den Artikel eindeutig überarbeiten müssen (eating my own words, wie es so schön heißt)!

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