Sam Jost
 RSS-Abo



Mehr von Sam
radeldudel.de durchsuchen:
Farbmanagement für die Digitalfotografie

Ich fotografiere oft und gern manuell, auch Konzerte. Bei solchen Veranstaltungen habe ich üblicherweise zwei bis drei Objektive dabei, darunter eine 50mm Festbrennweite und ein weitwinkliges Objektiv.

Eine Sache ist mir dabei aufgefallen, aber auf den Konzerten selber hatte ich nie die Ruhe und Zeit, es zu überprüfen:

Wenn ich mit dem Nikkor AF-S 50/1.4G (*) Fotos bei Blende 2.8 mache, und dann das Objektiv wechsle, zum Beispiel zum Nikkor AF-S 17-35/2.8 (*), und ebenfalls mit Blende 2.8 Fotos mache, sind die Fotos des Weitwinkels dunkler als die der Festbrennweite.

Zuerst aufgefallen war mir das mit einem Tokina 11-16/2.8, da dachte ich, na gut, günstiger Dritthersteller, das ist halt nicht wirklich so lichtstark wie der Hersteller behauptet. Doch als es mir später mit dem teuren Profi-Nikkor ebenfalls auffiel, wunderte ich mich genug um der Sache mal auf den Grund zu gehen.

Um den Unterschied zu testen, habe ich mal mit einem Blitz für gleichmässiges Licht gesorgt und einfach ein Vergleichsfoto bei Blende 2.8 mit dem 50mm und dem 17-35mm gemacht. Das Ergebnis spricht wohl für sich:

Vegleich Lichtstärke 50/1.4 zu 17-35/2.8 

Das 50/1.4 ist bei Blende 2.8 ca. 2/3 einer Blendenstufe heller als das 17-35/2.8. Oder anders gesagt: Im Vergleich zum 50/1.4 ist das 17-35 eher ein 3.5er als ein 2.8er.

Im nachhinein muss ich sagen, es war auch ziemlich naiv von mir, anzunehmen, dass die Lichtstärke bei einer Blende klar definiert ist. Die Blende ist einfach nur das Verhältnis der Eintrittspupille zur Brennweite, eine rechnerische Zahl, die wenig darüber aussagt, wie viel Licht es denn nun wirklich von der Eintrittspupille durch das Objektiv auf den Sensor schafft (wobei ich mal gehört hab, dass es angeblich eine ISO-Spezifikation darüber gibt, wie viel Licht ein Objektiv bei einer bestimmten Blende durchlassen muss).

Und um meine Objektive näher kennenzulernen habe ich mal mit jedem Objektiv ein Foto bei Blende 2.8 gemacht und verglichen.

Ebenfalls lichtstark ist mein uraltes AF 35/2: Das ist bei Blende 2.8 ebenfalls deutlich lichtstärker als das 17-35/2.8, sogar fast noch Lichtstärker als das 50/1.4. Hier mal die Histogramme der Fotos im Vergleich:

Lichtstärkevergleich meiner Objektive

Gewinner ist eindeutig das uralte Nikkor AF 35/2 knapp vor dem AF-S 50/1.4G, während die langen Brennweiten durchweg eher etwas weniger Licht durchlassen.

Wenn ich die Blende weiter schliesse, verschieben sich die Abstände ein wenig. Keine gravierenden Änderungen, aber einige Objektive verlieren stärker an Licht als andere:

Lichtstärkevergleich bei Blende 8 

Lichtstark ist also nicht gleich Lichtstark, selbst bei Objektiven vom gleichen Hersteller gibt es Abweichungen. Wenn es auf jedes bisschen Licht ankommt, ist es gut zu wissen, welches Objektiv denn nun wirklich am meisten Licht durchlässt.

Nebenher ergibt das ein interessantes Folgeproblem: Wenn man einen Belichtungsmesser benutzt, muss man dessen Ergebnis je nach Objektiv anders interpretieren!

(*) Dies ist ein affiliate Link - wenn ihr über diesen Link etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision ab - euer Preis ändert sich dadurch nicht.

Veröffentlicht am Mi, 04. Mai 2011, 19:09 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.

Spannend(Diskussion)
Sandra schrieb am Do, 05. Mai 2011, 14:49

Spannender Test-ich glaub, wenn ich mal Langeweile habe, werde ich das auch mal ausprobieren Smile

Wobei ich bei mir auch schon beobachtet habe, das es mit manchen Objektiven bzw Kombination Objektiv + Lichtstimmung nicht schadet +1 zu belichten,damit ich das nicht per Raw Converter machen muß...
Das teste ich wohl auch mal bewußt mit einer ähnlichen Reihe Cool


R. Ramer schrieb dazu am Fr, 06. Mai 2011, 14:13

Zum Glück gibt es TTL, das macht das Leben zumindest ohne Studioblitze angenehmer. Auch beim Einsatz von Pol-, Grau- und Verlaufsfiltern ist die Messung durch das Objektiv schon sehr hilfreich.

@Sandra - Dass nur wegen des Objektivs die Messung +1 daneben liegt, erstaunt mich. Für die Kombination aus Objektiv + Lichtstimmung kann ich mir die Belichtungskorrektur noch vorstellen, dürfte meiner Meinung nach aber an der Helligkeitsverteilung und der Messmethode der Kamera liegen. Persönlich traue ich den inteligenten Messmethoden meiner Kamera nicht so recht und verwende in heiklen Situationen gerne die Spotmessung und ansonsten die mittenbetonte Messmethode plus Histogram. Welche Einstellungen verwendest Du?


Sam schrieb dazu am Fr, 06. Mai 2011, 22:28

Mein Tokina 11-16/2.8 ist meiner Vergleichsmessung irgendwie entgangen, bei dem würde ich auch glatt eine Blende Unterschied zum 50er erwarten (womit das Tokina eher ein F4 als ein F2.8 wäre).

Schon erstaunlich, wie viel Unterschied in den Objektiven steckt. Und zwischen Kameras ist das teilweise auch so!!


R. Ramer schrieb dazu am Sa, 07. Mai 2011, 10:11

Unterschiede auch zwischen Kameras?

Zwischen der Canon EOS 7D und der Canon ESO 450D bekomme ich, obwohl sich die Kameras bezüglich Entwicklungsstand, Leistungsmerkmalen und Austattung sehr deutlich unterscheiden, bei der Belichtungsmessung auf eine neutrale Fläche die gleichen Werte.

Bei der Messung einer kontrastreichen Szene ergeben sich durch die unterschiedlich ausgelegte Messelektronik der beiden Kameras und der unterschiedlich raffinierten "intelligenten" Messsmethoden wie z.B. der Mehrfeldmessmethode auch bei meinen beiden Kameras unterschiedliche Einschätzungen der vermeindlich richtigen Belichtungseinstellung. Das ist mit ein Grund, wieso ich lieber die etwas dümmeren Messmethoden bevorzuge. Da kann ich leichter Abschätzen, wie sie sich verhalten.

Sam, welche Messmethode bevorzugst Du?


Sam schrieb dazu am Sa, 07. Mai 2011, 14:29

Ich hab mal mit Olaf Bathke zusammen Vergleichsfotos zwischen Nikon und Canon gemacht, da waren die Fotos der Canon bei gleicher Belichtung durchweg dunkler. Zack Arias bestätigte das auch in einem Workshop, dass Fotos auf Canon dunkler ausfallen als auf Nikon.

Innerhalb einer Kameramarke sind die Bodies meiner Erfahrung nach dagegen recht gleichmässig.

Messung, öh, meist hab ich keine Ahnung, welche Messmethode an meiner Kamera eingestellt ist. Ehrlich gesagt bin ich nichtmal sicher, was die drei Einstellmöglichkeiten (Symbole), auf die ich den Regler stellen kann, wirklich bedeuten. Den Belichtungsmesser benutz ich fast nur bei Schnappschüssen die eh mehr zur Erinnerung als für Ernsthaft sind, da ist mir die Belichtung nicht wichtig.

Sonst belichte ich manuell, und auch da achte ich wenig auf die Lichtwaage, sondern mach Probefotos und guck mir Histogramm und Überbelichtungswarnung an.


Sandra schrieb dazu am Mo, 09. Mai 2011, 12:15

@ R.Ramer:
Der Hinweis mit der Belichtung war gar nicht so schlecht.
Als ich gestern absichtlich um 1 Blende unterbelichten wollte (zu Testzwecken),stellte ich fest, das die Belichtungskorrektur um -0,3 verstellt war. Ehm ja...Kein wunder,die bilder sind alle etwas dunkler ;) Nun kann ich das aber noch mal ordentlich beobachten ;D


chmee schrieb dazu am Di, 26. Jul 2011, 13:57

@sam:

Zufälligerweise den Eintrag F-Stop/T-Stop gefunden, darüber logischerweise auch Deinen Kurztest zu den Abweichungen Deiner Objektive. Ich hab vor längerer Zeit gleiche Fragestellung gehabt und gleichermaßen Testbilder geschossen, und ich bin ein bisschen baff bezüglich der hohen Abweichungen, die bei Dir zustandekommen. Entweder macht es Canon geschickter oder irgendwas in der "Berechnung" stimmt nicht ganz.

Ich hab aus diesem Thread den obersten Bildvergleich in Photoshop nachgemessen. In der Mitte haben wir quasi-Grau mit Luma-Werten ~204 und ~224. Wenn wir davon ausgehen, dass 1 LW (eine Blende) den Lumawert halbiert, ergibt sich folgende Rechnung

df =log(224/204)/log(2)
df = ~0,13 LW

also etwa ein Unterschied von ~1/7LW. Meine Erkenntnis von damals war, dass es akademische, aber keine praktisch relevanten Unterschiede gibt..

mfg chmee


Sam schrieb dazu am Di, 26. Jul 2011, 14:18

Aufgefallen ist mir das ja wie gesagt nicht beim Messen, sondern in der Praxis: Kamera stand auf Manuell, und immer wenn ich das Objektiv wechselte, stimmte danach die Helligkeit nicht mehr, um ca. 1 Blende, trotz gleicher Belichtungsdaten.

Dann las ich von Zack Arias, dass er das gleiche Problem hat, und zwar mit den Daten, die ein Belichtungsmesser ausspuckt (auch bei Canon): je nach Objektiv musste er diese Daten des Belichtungsmesser etwas nach oben oder unten korrigieren damit sie passen. Von ihm stammt auch die Anekdote, dass es früher unter Fotografen üblich war, diesen Korrekturwert in das Objektiv einzuritzen, damit man ihn immer greifbar hatte. Analog konnte man ja nicht auf dem Display sehen ob es geklappt hatte.

Das hat mich dann erst dazu gebracht, dass hier mal vereinfacht nachzustellen - die Information war ohne "Messung" schon vorhanden.

Meine Objektive scheinen sich aber auch grob nur in zwei Gruppen einzuteilen: helle Festbrennweiten und dunkle Zooms. Selbst das High-End-Zoom 17-35mm/F2.8 ist ja deutlich dunkler als mein 35mm/F2. Zwischen den dunklen ist der Unterschied aber auch eher akademischer Natur...


chmee schrieb dazu am Di, 26. Jul 2011, 14:32

Meine kurze Testreihe dazu findet man im grünen Forum, auch die Diskussion dazu.. (wen's interessiert). Wäre es mir in der Praxis so stark aufgefallen, wäre ich sicherlich schon früher zu nem Test angesprungen.

Alsdann, gut Licht und viele schöne Fotos wünsch ich allen.

mfg chmee


Sam schrieb dazu am Di, 26. Jul 2011, 14:44

Hast Du die Bilder noch? Mich würden die Histogramme interessieren...


chmee schrieb dazu am Di, 26. Jul 2011, 14:51

Mit Sicherheit schon gelöscht. Sorry.. Aber (!) ich werd versuchen, welche wiedermals unter garantiert statischem Licht zu machen - und dann können wir gemeinsam erörtern, wie unsere Unterschiede in der Erkenntnis erklärbar sind..


Sam schrieb dazu am Di, 26. Jul 2011, 14:53

Würd mich freuen - mir reichen zwei, von den beiden sich am stärksten unterscheidenden Objektiven, und am liebsten eine einfarbige Fläche, sonst wird das so schwierig vergleichbar.

Lass Dir ruhig Zeit, bin im Moment eh nur sporadisch online...

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.