Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Teil 1: Du willst ein berühmter Fotograf sein?
Teil 2: Was für ein Fotograf bist Du?
Teil 3: Das Problem der Fotoausrüstung.

Ein weit verbreiteter Glaube ist, das Du ein besserer Fotograf wird, je mehr Fotos Du machst. In einer Hinsicht stimmt das: wenn Du keine Fotos machst, wirst Du wohl auch kaum ein besserer Fotograf. Doch es bedeutet eben nicht, dass Du automatisch ein besserer Fotograf wirst, nur weil Du viele Fotos machst.

Stell Dir einen Tischler vor, der besser werden will. Der sich sehr gutes Holz kauft, Geld in teures Werkzeug investiert, und drauflosarbeitet: Saubere Schnitte macht, perfekte Gehrungen, aufwändige Holzverbindungen.

Dieser Tischler kann noch so viel seine Techniken üben, sein Werkzeug beherrschen. Wenn er nicht vorher plant, was er bauen will, einen Tisch, einen Stuhl, eine Kiste, was auch immer, dann wird er einfach nur mit viel Arbeit und Aufwand teures Brennholz produzieren. Fehlerfreies Brennholz mit perfekten Verbindungen im goldenen Schnitt.

Und genauso ist es mit dem Fotografieren auch. Wenn Du nicht weißt, für was Du Fotos machst, wenn Deine Fotos kein Ziel haben, Du einfach nur "schöne Fotos" machen willst, dann machst Du es wie der Tischler: Du produzierst Brennholz. Aufwändiges sinnloses Brennholz.

Blick auf die Flensburger Förde

Für Deine Entwicklung brauchst Du Projekte, Ziele, an denen Du Dich messen kannst. Etwas, um herauszufinden, ob Deine Bilder diesem Anspruch genügen, ob sie dem Ziel näher gekommen sind. Etwas, wo Du recherchieren kannst, was ein Bild braucht um diesem Ziel zu genügen. Wo Du andere fragen kannst "erreicht dieses Bild jenes Ziel?".

Willst Du Stockfotos erstellen und verkaufen? Dann schau Dir an, was Stockfotos erfüllen müssen, damit sie gekauft werden, welche Stockfotos beliebt sind. Setz Dir ein Ziel, jeden Monat 10 Fotos auf einer Stockfotoagentur unterzubringen, oder jeden Monat 10 Fotos zu verkaufen. Lerne aus den abgelehnten Fotos, was Du besser machen kannst, was erwünscht ist. Lerne aus den verkauften Fotos, was beliebt und gefragt ist.

Oder setz Dir ein Projekt: "Ich mache einen Kalender mit 12 richtig schicken Fotos von Gebäuden aus meiner Heimatstadt". Und dann plane: Wie groß soll der Kalender sein? Welche Gebäude sollen drauf? Von welcher Seite in welchem Licht sehen die am besten aus, wann ist dort dieses Licht? Schau Dir die gemachten Bilder immer wieder an und überlege: würdest Du Dir diesen Kalender an die Wand hängen? Würden andere es tun? Würde jemand Geld dafür ausgeben? Auch jemand, der nicht mit Dir verwandt ist, der Dich gar nicht kennt? Würde ein Buchladen den in den Verkauf nehmen?

Sehr beliebt sind Projekte wie 365 days, jeden Tag ein Foto zu machen. Diese Projekte sind sehr gut, um Dein Durchhaltevermögen, Deine Disziplin zu trainieren, aber sie bringen Dich fotografisch nur begrenzt weiter.

Du wirst damit gerade unter Zeitnot eher dazu neigen jeden Tag nur husch husch schnell schnell irgendein Bild zu machen, Inhalt, Komposition und Wirkung egal, Hauptsache das Bild ist gemacht, und das bringt Deine Fotografie nicht weiter. Erst wenn Du an dieses tägliche Foto auch noch einen zusätzlichen Anspruch hängst (zum Beispiel jeden Tag ein anderes Selbstportrait. Oder jeden Tag einen Fremden ansprechen und fotografieren.), wird es Dich vorwärts bringen. Du brauchst etwas, um zu messen, ob das Foto seinen Zweck erfüllt, und vor allem, wie gut es das tut.

Etwas, woran Du Dich entwickeln kannst.

Noch besser ist es aber, wenn Du weißt, wofür Du Fotos machst. "Ich will eine Ausstellung mit 20 Fotos im Format 50x75, mit denen ich dann in den und den Läden ausstelle" (hier bei uns kann man in der Innenstadt in einigen Geschäften und Kneipen seine Fotos ausstellen, das gibt es woanders bestimmt auch). Dann hast Du ein Ziel, an dem Du Deine Bilder messen kannst: Will die wirklich jemand in der Kneipe sehen? Wenn ich drauf angesprochen werde, dass die Bilder von mir sind, bin ich dann Stolz oder ist mir das Peinlich? Wie gehe ich damit um, wenn jemand ein Bild doof findet und mir das sagt?

Daher: Nimm Dir Projekte, die Dich fordern, an denen messbar ist, ob Du sie gut erfüllt hast oder nicht. Je konkreter das Ziel, desto besser.

Und was passt besser zum neuen Jahr als Ziele?

Teil 5: Beherrsche Deine Foto-Ausrüstung.
Teil 6: Beherrsche die Fotografie.
Teil 7: Lerne zu gestalten.

Veröffentlicht am Di, 28. Dez 2010, 06:19 von Sam

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Ziele(Diskussion)
Martredor schrieb am Di, 28. Dez 2010, 10:01

Ich knipse jetzt seit etwas über einem Jahr mit meiner D90. Bis jetzt habe ich wie auch in meinem Blog beschrieben, alles und jeden fotografiert, ich konnte in Laufe der Zeit die Quantität senken und die Qualität steigern. Im kommenden Jahr werde ich mich mehr einschränken. Wenn ich unterwegs bin mit meiner Kamera werde ich mehr die Bilder erst in meinem Kopf machen bevor ich auf den Auslöser drücke und dann werde ich das Bild mit meiner Vorstellung vergleichen. Ich glaube, das wird mich weiterbringen. Projekte werde ich auch machen, z.B werde ich mich mit Light Painting beschäftigen.


Sam schrieb dazu am Mi, 29. Dez 2010, 05:18

Ja, genau, man braucht Entwicklung: erst fotografiert man alles, dann fängt man an zu überlegen, wie man etwas fotografiert, später plant man dann, was man fotografieren möchte.

Gut zu werden braucht eine Menge Arbeit, und klappt selten ohne vernünftige Planung, zielgerichtetes Vorgehen.

Auf jeden Fall wünsche ich viel Spaß und Erfolg mit der Fotografie in 2011!


Uwe Landgraf schrieb dazu am Mi, 29. Dez 2010, 18:35

Lerne aus den abgelehnten Fotos, was Du besser machen kannst, was erwünscht ist. Lerne aus den verkauften Fotos, was beliebt und gefragt ist.


Das ist ein guter Ansatz.  Ein Problem sehe ich aber darin, dass die wenigsten Agenturen ihre Ablehnungen begründen. Und wenn sie mal ein Begründung liefern, ist diese so abstrus, dass mir diese nicht weiter hilft.

Jeden Tag oder jede Woche ein neues Selbstportrait wäre ein Ansatz, den mir event. für 2011 auf die Karte schreiben werde.

 



Martredor schrieb dazu am Mi, 29. Dez 2010, 20:22

Ich glaube, an Wettbewerben teilzunehmen ist auch eine Möglichkeit.

Mit  Stockfotos werde ich mich auch auseinander setzen. Da muss man das Ziel sehr genau vor Augen haben und mit einen Konzept an die Sache ran gehen. Wenn da alles vom Bild bis zur Verschlagwortung alles stimmt und das Bild angenommen wird, ist man auf dem richtigen Weg, so glaube Ich.

Es sollte aber auch klar sein, das es da größtenteils andere Kriterien gibt als bei Fotocommunity in die Galerie gewählt zu werden. Wobei da ein gutes Bild reicht muss es bei Stockfotos meistens einen Nutzen haben. Zum Beispiel einen Freisteller oder genug Platz für Werbetext  usw.

Ich für meinen Teil werde in Zukunft auch mehr unter Bildern Flickr oder Fotocommunity meine konstruktive Kritik schreiben anstatt nur sowas wie “Tolles Bild“  oder „da möchte ich jetzt auch sein“. Wir sind je eine Community und wollen einander helfen, oder? :-)


Uwe Landgraf schrieb dazu am Mi, 29. Dez 2010, 20:29

In der Fotocommunity war ich auch mal aktiv. Da bekommst Du nur "gute" Kommentare, wenn Du eine große Buddy-Liste hast. Ansonsten dümpeln deine Bilder ohne Kommentare vor sich hin.

Bei der Stockfotografie muss man sich zum Teil von der Definition "gutes Bild" verabschieden. Robert Kneschke schreibt in seinem Buch und auf seinem Blog, dass ein gutes Bild ein verkäufliches Bild ist.

Recht hast Du schon, dass ein Freisteller mit Platz für Werbetexte immer gut geht. Aber auch Reisefotografie geht ganz gut.

Am Besten läuft natürlich Peoplefotografie.


Sam schrieb dazu am Do, 30. Dez 2010, 08:17

Als ich mal in der Fotocommunity Bilder konstruktiv kritisiert habe, haben die Leute danach einfach nur jede Menge negative Kommentare bei mir hinterlassen, nach dem Motto, wie Du mir, so ich Dir.

Ich glaub viele wollen ihre Fotos einfach nur zeigen.

Wettbewerbe sind etwas, wo man sich vorher mit der Vorlage (welche Bilder haben letztes Jahr diesen Wettbewerb gewonnen?) und hinterher mit der Bewertung auseinandersetzen kann (In welchen Punkten sind die Gewinnerbilder besser als meins, bzw. wenn ich gewonnen hab, in welchen Punkten ist mein Bild besser als die der anderen).

Aber man muss sich vor Augen halten, das Wettbewerbe oft auch ein Schönheitswettbewerb sind: gewinnen wird, was gefällt. Und zwar den Juroren, die vermutlich jede Menge Bilder sehen, auch technich perfekt umgesetzte, und manchmal auch einfach etwas toll finden, weil es mal anders ist.


Uwe Landgraf schrieb dazu am Do, 30. Dez 2010, 12:00

Bei Wettbewerbsbildern sollte man aber auf die Teilnahmebedingungen sehr genau achten.

Je nach Veranstalter sichern die sich die vollständigen Nutzungsrechte (auch für eingereichte Bilder, nicht nur Gewinnerbilder) zu.


Sam schrieb dazu am Do, 30. Dez 2010, 12:28

@Uwe, guter Hinweis! Deswegen mach ich auch so gut wie keine Wettbewerbe mit, vor allem nicht von Banken oder lokalfirmen oÄ.

Ich wurde z.B. letzt vom Veranstalter des Tangoballs gefragt, ob ich nicht mit einem meiner Tangobilder an einem VR-Bank-Fotowettbewerb teilnehmen will, oder er das sonst für mich machen dürfte, sozusagen als Werbung für Tango. Die wollten nicht nur die Rechte, die verlangten auch, das man von allen abgebildeten Personen das Model-Release hat und zur Verfügung stellt (ja klar, träumt weiter).

Er wollte dann auch irgendwie nicht die ganzen Model Releases besorgen :)

Heilpraktiker in Flensburg
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