Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Mit Manuela hatte ich auf PicsPack eine spannende Diskussion darüber, was ein tolles Foto ausmacht, und wir sind zu dem Schluss gekommen, das man das eigentlich nur vernünftig diskutieren kann, wenn man ein konkretes Foto vor Augen hat.

Also mache ich hier mal den Anfang und stelle ein Foto vor, das ich persönlich toll finde, und versuche von den gestalterischen Aspekten her zu erklären, warum dieses Foto für mich "funktioniert".

Nun muss ich allerdings ganz ehrlich zugeben: ich habe nicht viele eigene Fotos, die bei mir diese "Wow-Effekt" auslösen. Meine Fotos sind meist für einen Zweck. Von einem Konzert, einem Bühnenstück, Produktfotos, zur Dokumentation eines Blogbeitrages oder Auftragsfotos für Jemanden. Einfach "nur so" schöne Fotos, ohne einen bestimmten Zweck, mache ich kaum. Wofür auch.

Dazu kommt: ich habe erst kürzlich angefangen, meine Fotos zumindest rudimentär zu verschlagworten. Wenn ich also ein Foto vor Augen habe, finde ich es nur dann wieder, wenn ich weiß, wann ich es aufgenommen habe.

Sprich, auch wenn ich wie jetzt gerade ein (in meiner Erinnerung) gutes Foto vor Augen habe, das ich zeigen möchte: ich finde es nicht wieder. Also gibt es für den Start ein Foto, von dem ich wusste, wo ich danach suchen musste, ein paar Menschen vor einem Sonnenuntergang (klick macht big):

Menschen vorm Sonnenuntergang

Für mich funktioniert dieses Foto aus zwei Gründen: zum einen wegen der Farben, die zwar total unrealistisch sind, dafür aber gut die Stimmung wiedergeben, wie ich sie beim Betrachten dieses Sonnenuntergangs erlebt habe (Aus unerfindlichen Gründen sind die Farben im Browser noch bunter als in Lightroom), und zum anderen wegen der Silhouetten, die ihre eigene kleine Geschichte erzählen.

Von der Gestaltung her strahlt das Bild für mich Ruhe aus. Klar, wegen der Leute, die dort recht entspannt drauf sind, aber auch, weil der untere Rand so erdnah tiefergelegt ist, und weil die Sonne horizontal in der Mitte liegt. Wenn ich versuchsweise rechts was wegschneide, die Sonne in den goldenen Schnitt lege, funktioniert dieses Bild für mich nicht mehr, es verliert die Ruhe. Genauso wenn ich den unteren schwarzen Rand vergrößere, dann wird das Bild in meinen Augen unstabil. Außerdem trägt der Rand nichts zum Bild bei.

Zusätzlich habe ich oben einen Teil des Himmels weggeschnitten, weil dort ein Kondensstreifen durchging, der den oberen Teil des Bildes regelrecht abtrennte. Der Himmel wirkte angestückelt, was die Ruhe störte. Das breite Format gibt dem Bild zusätzlich einen Eindruck von Weite, was gut zu der Ruhe passt, die es ausstrahlt.

Was ich absichtlich nicht weggeschnitten habe, ist der leere rechte Bereich des Fotos. Ich bekam den Kommentar, das Bild würde durch den leeren Raum linkslastig wirken, aber wenn ich den freien Bereich rechts verkleinere, bekommen die Silhouetten zu viel Wichtigkeit im Bild, sie rücken zu sehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das Bild handelt dann nicht mehr von den Sonnenuntergang, sondern von der Geschichte der Menschen, die davor stehen. Also ist der Bereich so groß geblieben.

Hier mal das unbearbeitete Foto zum Vergleich:

Sonnenuntergang unbearbeitet

Und irgendwann finde ich auch das andere Bild, das ich eigentlich zeigen wollte wieder.

Vielleicht haben ja auch andere Blogger Lust, auf ihrem Blog eines ihrer Wow-Bilder vorzustellen, mit etwas Erklärung, warum dieses Bild für sie ein "Wow" hervorruft.

Veröffentlicht am So, 26. Sep 2010, 08:05 von Sam

Wow!(Diskussion)
Manuela schrieb am Do, 30. Sep 2010, 14:50

Hallo Sam,

klasse, dass du dir die Mühe gemacht hast! Ich möchte zunächst meinen Eindruck schildern. Wenn man von der unbearbeiteten Version den oberen Wolkenstreifen wegschneidet, hätte das Bild schon viel an Ausdruck gewonnen und wäre dann auch ein klassisches Bild für die Drittellehre. Zumindest was die Aufteilung von Himmel, Menschen/Sonnenuntergang (Bildmotiv) und Untergrund angeht.

Das Bildmotiv (für mich sind eher die Menschen, als der Sonnenuntergang) liegt rechtslastig, was für mich das Bild spannender macht, als wenn du sie mittig angelegt hättest. Ich bin mir unsicher, aber geht das nicht schon in Richtung goldener Schnitt? Wenn ich mir diesen auf deinem Foto vorstelle, läge er in der Nähe der zweiten Person und dort wird auch zuerst mein Blick hingezogen, danach zur Person mit dem Fahrrad.

Wie auch immer, das Foto spricht mich sehr an und hier besonders die bearbeitete Version. Du hast auch die Farben verstärkt, wäre mal interessant zu sehen, wie das Ursprungsfoto mit kräftigeren Farben wirken würde.

LG Manuela


Sam schrieb dazu am Mo, 04. Okt 2010, 07:01

Hallo Manuela,

klar, man kann das Bild klassisch ins "goldene Drittel" beschneiden, hab ich hier probehalber mal gemacht:

Sonnenuntergang im goldenen Schnitt

Aber ich finde den schwarzen Streifen unten nicht schön. Zusätzlich wirken die Menschen dadurch "an die Decke gedrängt", da der Raum über ihren Köpfen kleiner ist, als der schwarze "goldene Schnitt" Bereich unten. Das Bild wirkt mit einem Mal eng, bedrängt. Die Weite des Himmels geht verloren.

Bei meinem Beschnitt liegt der goldene Schnitt links von der Dame mit Rad im Himmel. Wenn man den goldenen Schnitt wirklich beachten will, würde man denke ich eher eine Figur auf den Punkt legen. Sonst würde ja jedes Bild im goldenen Schnitt sein, denn selbst bei denen, wo das Motiv genau in der Mitte ist, liegt ja irgendein anderer Bildinhalt auf den drittellinien.

Und das Bild ganz ohne Beschnitt hab ich hier für Dich auch noch mal:

Danke fürs Feedback!

Liebe Grüße,
Sam

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