Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Auch heute gibt es wieder ein Interview zum Thema Ausstellungen, diesmal mit Minimal-Fotograf Martin Pierags.

Foto von Martin Pierags

1) Erst einmal Deine Vorerfahrung: Hast Du bereits ausgestellt? Vielleicht sogar mehrere Ausstellungen zu verschiedenen Themen?

Hallo Sam, vielen Dank erst einmal für Dein Interesse und Deine Fragen.
Ich habe bisher 2 Mal ausgestellt, beide Male jeweils in eigenen Räumen. Einmal im eigenen Atelier zusammen mit meiner Frau Berit Ida, die Malerin, Weidenkünstlerin und überhaupt Vollblutkünstlerin ist. Ein zweites Mal wieder in eigenen “Räumen”, allerdings überdacht und quasi im Freien. Beide Male waren es keine Themenausstellungen, sondern die “Best Of” der jeweils letzten zwei Jahre. Auch beim Aufbau von Ausstellungen meiner Frau habe ich einige Male mitgewirkt.

2) Wie wählst Du aus, welche Bilder in eine Ausstellung kommen?

Die Bilder müssen mich anspringen und “knallen”. Wenn bei mir gleich das Wow-Gefühl einsetzt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das auch beim Besucher der Ausstellung passiert. Das heißt, das für die Ausstellung schon eine gewisse Vorauswahl durch das Bestellen der Abzüge getroffen wird, die aber später auch noch mal durch das Hängen reduziert werden kann. Denn manche Sachen passen einfach nicht nebeneinander. Das mag man sich zwar vorher alles schön zurechtgelegt haben, aber in echt sieht es dann oft nicht schön aus. Da ist es dann gut, einen Puffer zu haben.

3) Mit welcher Technik und in welcher Größe lässt Du Deine Bilder abziehen bzw. drucken?

Ich habe ein Faible für Minimalfotografie. Dementsprechend einfach und schlicht halte ich dann auch die Rahmung. Trotzdem war die zweite Ausstellung im letzten Jahr sehr vielfältig, denn ich wollte unbedingt Bilder hinter Acrylglas 20 x20 cm, angelehnt an das quadratische Instagram-Format. (durch Instagram habe ich gelernt, in welche Schublade ein großer Teil meiner Fotos passt).
Dann habe ich aber auch einen großen Fotoabzug von 60 x80 cm gemacht und Ihn auf einer großen Leinwand befestigt, damit der “Eyecatcher” aus der Entfernung gut wirken kann und auf die kleineren Bilder aufmerksam macht. Am Ende waren dann aber noch einige Motive unterzubringen, die habe ich dann in einem mittelgroßen Format 30 x40 cm ausdrucken lassen und in schlichten weissen Rahmen gepackt.
Bei der nächsten Ausstellung möchte ich z.B. gerne einen Beamer nutzen und eine Diaschau machen, dazu werde ich Postkarten drucken lassen, weil kleine Sachen gehen immer und es schön ist, überhaupt etwas zu verkaufen…
Ich gehe intuitiv an die Sachen ran und lasse mich von dem leiten, was mir wichtig ist und ergänze mit dem, was dazu passt.

4) Was für Rahmen / Passepartout verwendest Du (Gedankengang dahinter wär toll)?

5) Wie wurden die Bilder auf Deinen bisherigen Ausstellungen aufgehängt (Galerieschienen, Nägel, …)

Ich fasse die beiden Punkte mal zusammen, denn sie überschneiden sich:
Beim “ersten Mal” haben wir die Fotoabzüge auf weiße Hartfaserplatten geklebt und diese dann an die Wand genagelt und die schwarzen Nagelköpfe mit weißer Farbe retuschiert. Das hat den minimalistischen Charakter der Fotos unterstützt und war außerdem günstig.
Im letzten Jahr habe ich vorhandene Galeriehaken und -schnüre meiner Frau genutzt, um die gerahmten Fotoabzüge und die Acrylglasbilder aufzuhängen. Weil es draußen windig war, mussten alle Bilder mit 2 Haken aufgehängt werden, denn sie hätten sonst nur kurz gerade gehangen und ich hasse schief hängende Bilder. Dafür musst Du bei Deiner eigenen Ausstellung auf jeden Fall eine Menge Zeit einplanen. Ein Tipp von mir: Bilder 1 cm höher hängen als gewünscht und beim Galeriehaken langsam die Schraube lösen, bis das Bild auf der richtigen Höhe hängt (mit Zollstock und Wasserwaage überprüfen) und dann schnell wieder festziehen...
Und noch etwas, lasse genügend Platz zwischen den einzelnen Werken, jedes Bild braucht (in meinen Augen ;) seinen Raum zum Atmen und Wirken.

6) Verkaufst Du Bilder? Falls ja, wie legst Du die Preise fest (Gedankengang dahinter wär toll)?

Die Ausstellungen standen bisher unter dem Motto: “Dem Künstler über die Schulter geschaut”, also keine expliziten Verkaufsaustellungen. So habe ich erwartungsgemäß auch nichts verkauft. Mir ging es anfangs auch ein bisschen darum, ob überhaupt jemand etwas mit Bildern anfangen kann, die weder Portraits, noch Landschaften, noch Reisedokumentationen darstellen. Richtig abstrakt sind Sie ja auch noch nicht einmal. Aber ich habe doch einige anregende Gespräche geführt und durchweg positives Feedback erhalten.
Dadurch dass ich beide Male immer vor Ort war, habe ich das mit den Preisen auf mich zukommen lassen und hätte den Preis dann spontan auf den Kunden und seine Automarke zugeschnitten. Nein, im Ernst hatte ich vor den Ausstellungen schon Zahlen im Kopf, was ich selber für ein Bild ausgeben würde. Und dann das Doppelte davon genommen. Damit noch Platz zum Handeln ist.
Ich habe es auch schon erlebt, dass als Honorar ein Bilderkauf im Vorhinein vereinbart wird, dass ist für beide Partner evt. eine gute Lösung.
Im Idealfalle schwebte mir auch ein Auftrag vor, das ich für ein Unternehmen z.B. einen Kalender in meinem Stil gestalten solle.

7) Was machst Du mit den Bildern / Rahmen nach der Ausstellung?

Nach der Ausstellung sind die Bilder und Rahmen eingemottet worden, und die Acrylbilder wurden verschenkt.

8) Bemühst Du Dich für fertige Ausstellungen aktiv um neue/weitere Ausstellungsräume?

Nein, das ist doch (außer evt. in Galerien) oft Ausbeutung. Falls kein Bild verkauft wird, ist es viel Arbeit, die nicht honoriert wird. Ein Ausstellungshonorar ist nicht üblich, obwohl doch ein Arzt oder eine Rechtsanwalt dafür eine temporäre Wertsteigerung seiner Räumlichkeiten bekommen hat.

9) Was hast Du aus Deinen Ausstellungen gelernt?

Ich bin einmal mit den besten Ölbildern meiner Frau in einer alteingesessenen Hamburger Galerie gewesen, um Sie dort zum Ankauf feilzubieten. Der zuständige Herr hatte kaum auf die Vorderseite geschaut, drehte es gleich um und suchte eine Notiz zum Urheber, um zu schauen, ob er den Namen des Künstlers kennt.
Es ist leider so, dass sich ein guter Name besser verkauft und höhere Preise generiert, als ein schönes Bild. Auch in den schönen Künsten ist Marketing ein essentieller Bestandteil des Broterwerbs und der zu erzielenden Preise.


Vielen Dank an Martin Pierags (der auch als Comedy-Kellner Francois Perdu agiert) für dieses Interview!

(*) Dies ist ein affiliate Link - wenn ihr über diesen Link etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision ab - euer Preis ändert sich dadurch nicht.

Veröffentlicht am Mi, 28. Jan 2015, 19:29 von Sam

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