Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Heute gibt es mal ein Kapitel aus meinem neuen Buch Scharfe Fotos mit der Digitalkamera*, in dem ich erkläre, wie ich Fotos von vorne bis hinten scharf bekomme, ohne dabei die Hyperfokaldistanz zu benutzen:

Kapitel 7.1. Durchgängig scharfe Landschaftsfotos

Um in der Landschaftsfotografie möglichst viel auf das Bild zu bekommen und damit von vorne bis hinten alles scharf wird, verwendet man Weitwinkel-Objektive mit ihrer höheren Schärfentiefe (siehe Kapitel 3.4). Meine erste Überlegung für möglichst hohe Schärfentiefe gilt der Blende: Da ich für meine Kamera weiß, dass die optimale Blende bis f/8 geht (siehe Kapitel 4.1.7), schließe ich die Blende auf diese f/8. Wenn alle Objekte im Motiv eher weit weg sind, reicht mir f/8. Wenn es zusätzlich Objekte in mittlerer oder naher Entfernung gibt, gehe ich höher auf f/11 oder f/16. In diesem Fall ist mir die höhere Schärfentiefe wichtiger als das Vermeiden von Diffraktion.

Jedes Lehrbuch würde schreiben, dass ich anschließend die Hyperfokaldistanz für mein Objektiv einstelle und dann alles scharf sein wird. Für mein 24-mm-Objektiv wäre bei f/8 die Hyperfokaldistanz 2,42 m. Die Skala am Objektiv hat in diesem Bereich aber nur 1 m und „unendlich“ zur Auswahl:

Und wie ich bereits in Kapitel 3.7 erwähnt habe, genügt die errechnete Hyperfokaldistanz nicht unbedingt meinem Anspruch.

In solchen Fällen suche ich mir im Motiv zwei Objekte, die ich scharf haben möchte: zum einen das Objekt, welches am dichtesten an der Kamera dran ist, und zum anderen das Objekt, welches am weitesten entfernt ist. Ich fokussiere per Autofokus auf das Objekt, das dicht an der Kamera dran ist, schaue auf die Skala und merke mir, wo sie steht. Danach fokussiere ich das Objekt, das entfernt ist, und schaue wieder auf die Skala. Anschließend stelle ich die Skala auf die Mitte zwischen diesen beiden Punkten, ohne die Zahlen auf der Skala zu beachten. Um ganz ehrlich zu sein, fokussiere ich Nah- und Fernpunkt mehrfach im Wechsel, bis ich ein Gefühl dafür bekomme, wo die Mitte zwischen beiden sein könnte. Mit dieser Fokussierung mache ich ein Foto, zoome hinein und prüfe die Schärfe des nahesten und entferntesten Objekts. Falls sie unterschiedlich scharf sind, korrigiere ich die Skala ein wenig. Falls beide gleich unscharf sind, schließe ich die Blende für mehr Schärfentiefe. Sind beide scharf, ist meine Aufnahme fertig.

Wenn Du dieses Verfahren öfter benutzt hast, wirst Du vermutlich nur noch den Nahpunkt fokussieren müssen, denn für die fernen Objekte steht die Skala meist eh in der gleichen Position auf „unendlich“. Und vielleicht kannst Du Dir für manche Situationen auch merken, welcher Punkt der Skala für maximale Schärfentiefe gut ist. Das oben gezeigte Objektiv verfügt an der Entfernungsskala über Striche, die anzeigen sollen, von wo bis wo die Schärfentiefe bei f/11 bzw. f/16 geht. Diese Striche können gut als Anhaltspunkte dienen, um sich bestimmte Fokuspositionen zu merken.

Problematisch wird es, wenn Du Vorder- und Hintergrund nicht gleichzeitig scharf bekommst, ganz egal, welche Blende Du einstellst. Dann hilft Dir, wie in Kapitel 3 beschrieben, nur noch eine weitwinkligere Brennweite, oder Du musst mehrere Aufnahmen machen und diese nachträglich per Focus Stacking zusammenzuführen. Der Holzkopf im folgenden Beispiel ist gerade mal so groß wie meine Hand und weniger als 1 Meter von der Kamera entfernt. Selbst bei f/16 wurden Holzkopf und Hintergrund nicht so scharf wie beim rechten Bild, bei dem ich Holzkopf und Hintergrund getrennt aufgenommen und per Bildbearbeitung zusammengefügt habe (die Ausschnitte stammen aus 90x60 cm großen Bildern):

Zu den Landschaftsfotos zähle ich auch Städte und Architektur, also alles, was sich während der Aufnahme wenig bewegt und bei dem man etwas Zeit hat, die Aufnahme zu perfektionieren. Landschaftsfotografen erarbeiten sich ihre Aufnahmen üblicherweise. Sie suchen sich in Ruhe einen Aufnahmestandpunkt, der eine interessante Perspektive liefert, planen einen Zeitpunkt, zu dem die Sonne günstig steht, und erarbeiten sich Fokus und Belichtung für eine perfekte Aufnahme. Hier kommen oft auch noch zusätzliche Techniken ins Spiel: Filter, um den Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Erde auszugleichen, Mehrfachaufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen, Panoramen für maximale Details oder Ähnliches.

Wenn ich es zur Hand habe, verwende ich bei Landschaftsfotos zusätzlich ein Stativ und die Spiegelvorauslösung, einfach um auf Nummer sicher zu gehen, dass wirlich nichts verwackelt.

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Veröffentlicht am Fr, 05. Dez 2014, 06:24 von Sam

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