Sam Jost
radeldudel.de durchsuchen:
Farbräume & Farbmanagement

Als die Digitalfotografie einzog, kamen externe Belichtungsmesser aus der Mode. Inzwischen kommen sie scheinbar wieder in Mode, jedenfalls gibt es so einige Digitalfotografen, die darauf schwören und "nie mehr ohne" arbeiten wollen.

Nachvollziehen kann ich das nicht. Ich selber hätte auch mal beinahe einen gekauft, habe mich lang und breit mit dem Thema auseinandergesetzt und bin dann aber zu dem Schluß gekommen, dass das für meine Art der Fotografie Unfug ist. Nachdem ich ab und an dazu gefragt wurde, was ich von externen Belichtungsmesser halte, hat mich Roland S. mal dazu bewegt, diese Beweggründe doch mal öffentlich zu machen, weil bei Belichtungsmessern viel Unsicherheit herrscht.

Dazu erst einmal vorab: Was tut so ein externer Belichtungsmesser eigentlich?

Zum Einen macht er das, was die Belichtungsmessung in der Kamera auch schon tut: Er misst die Helligkeit und kann aufgrund dieser und der Vorgaben genau wie die Belichtungsmessung der Kamera ISO-Wert, Belichtungszeit oder Blende vorschlagen, je nachdem wie man ihn einstellt. Und ähnlich wie bei der Kamera kann er verschieden große "Flecken" auf ihre Helligkeit hin messen.

Das kann die Kamera auch so, dafür braucht man keinen externen Belichtungsmesser. Und nicht nur das, die Kamera kann das sogar viel besser. So weiß der Belichtungsmesser beispielsweise ja nicht, welchen Ausschnitt die Kamera sieht. Und er weiß auch nicht, wie effektiv das Objektiv und die Kamera sind (dazu später mehr). Die Messung des reflektierenden Lichts kann die Kamera meiner Meinung nach viel besser als ein Belichtungsmesser.

Somit ist eigentlich nur die zweite Eigenschaft eines externen Belichtungsmessers interessant: Statt mit ihnen wie mit der Kamera auf das Model/Motiv zu zeigen, kann man sie dorthin halten, wo das Model steht und sie messen das einfallende Licht (Vorausgesetzt man steht dem Gerät nicht selber im Licht, aber das ist ja Übungssache). Während Du beim Zeigen mit dem Belichtungsmesser auf ein Motiv darauf achten musst, möglichst auf eine Fläche mittlerer Helligkeit zu zeigen, hat dies den Vorteil, dass die Messung unabhängig von der Helligkeit z.B. der Kleidung funktioniert.

Allerdings hat dies einige Probleme:

Zuerst einmal das offensichtliche: Die Messung des einfallenden Lichts funktioniert natürlich nur dann, wenn Du mit dem Belichtungsmesser zum Motiv hingehen kannst. Ich fotografiere viel auf Bühnen oder Sport, wo ich nicht mal eben zwischen Musiker und Schauspieler gehen kann, um dort das Licht zu messen. Und schon gar nicht, wenn sich das Licht während der Show ändert, was bei Bühnen ja gang und gäbe ist.

Dazu sagt mir das Gerät zwar, wie hell es dort ist, aber es sagt mir nicht, ob mir diese Helligkeit als Foto gefällt. Es ist halt nur ein Messgerät und kein Bildkritiker.

Viel schwerer wiegt für mich allerdings, dass der Wert des Messgerätes nur ein Anhaltspunkt ist. Zack Arias beispielsweise liebt seinen Belichtungsmesser (wie er zugibt teilweise nur aus psychologischer Sicht, um sich daran festzuhalten), und selbst er gibt zu, dass er mit dem gemessenen Wert ein Foto macht und dann anschließend aufgrund des Displays die Belichtung korrigiert.

Denn was die wenigsten Leute zu wissen scheinen: Damit ein Belichtungsmesser brauchbare Ergebnisse liefert, muss er kalibriert werden. Und zwar auf jede Kombination aus Kamera und Objektiv.

Wie hell ein Foto ist, schwankt je nach Kamera durchaus mal um eine halbe Blende. Was bei Canon ISO 160 ist, kann bei Nikon durchaus ISO 100 sein, wie ich mal bei einem Vergleich meiner Nikon D700 mit einer Canon 5D mkII feststellen musste.

Auch lassen Objektive trotz gleicher Blende unterschiedlich viel Licht durch. So wurde beim Wechsel von meinem 17-35mm/2.8 zu einem 35mm/2.0 bei gleichen Lichtverhältnissen und identischer Blende f/4 das Foto heller, weil das 35mm mehr Licht durchlässt als der 2.8er Zoom. Der sogenannte F-Stop ist ja ein rein rechnerischer Wert, kein gemessener.

Filmer wissen das schon lange, die arbeiten nicht mit F-Stops sondern mit gemessenen T-Stops, die je nach Objektiv anders aussehen können als die F-Stops.

Je nach Kamera und Objektiv kann also der Belichtungswert für eine identische Helligkeit locker mal um eine Blende schwanken. Daher müsste man einen Belichtungsmesser wie gesagt für eine sinnvolle Verwendung auf jede Kombination eichen. Oder den Wert eben nur als Startwert nehmen und den Rest nach Display oder in der Nachbearbeitung korrigieren. Aber wenn ich eh korrigieren muss, dann kann ich genauso gut den eingebauten Sensor nehmen oder die Belichtung von Hand schätzen.

Wobei es genau eine Sache gibt, wo Belichtungsmesser Sinn machen: Wenn ich ein Lichtsetup im Studio aufbaue und sichergehen will, dass das Licht unten am Model genauso hell ist wie oben, dann kann ich das mit dem Messgerät schnell und zuverlässig messen. Oder auch wenn ich einen Lichtaufbau dokumentieren möchte und dazu messwerte ausgeben will, an welcher Stelle im Setup es wie hell war, ist das sehr praktisch.

Aber diese Werte würde ich dann nur dort messen, ich würde mir nichtmal die Mühe machen, sie in die Kamera zu übertragen. Denn den Wert muss ich ja wahrscheinlich ohnehin korrigieren

Von meinem Gefühl her ist es mit einem Belichtungsmesser wie mit einer Leica: Wenn Du Dich dafür entschieden hast, viel Geld dafür ausgegeben hast, dann wirst Du das Ding natürlich auch toll finden und sehr wichtige Anwendungen dafür haben. Jedenfalls kommt das bei mir so an, denn wenn jemand seine Arbeitsweise mit so einem Gerät erklärt, leuchtet mir eigentlich nie ein, warum das nicht genausogut auch ohne geht.

Sprich: Wenn überhaupt, dann würde der für mich nur im Studio Sinn machen. Aber solange ich nicht jeden Tag zig Stunden im Studio stehe sehe ich da absolut keinen Gewinn drin.

Nun muss ich allerdings dazusagen, dass das alles theoretische Gründe sind. Ich habe mich mit dem Thema Belichtungsmesser lang und breit auseinandergesetzt, habe mir die Meinungen verschiedener Fotografen angehört, angeschaut, wie die damit arbeiten und für mich keinen Vorteil zu meiner Arbeitsweise finden können.
Gründlicher wäre, wenn ich mir mal einen anständigen Belichtungsmesser kaufe und ihn eine zeitlang einsetze. Doch da ich ihn bisher noch nie vermisst habe, hab ich mir Geld und Zeit bisher gespart.

Vielleicht hilft das dem einen oder anderem bei der Entscheidung für oder gegen Belichtungsmesser ja weiter.

PS: Unbedingt auch den Kommentar von Dagaz dazu lesen!

Veröffentlicht am So, 23. Dez 2012, 13:56 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.
Diskussion zu "Ich verwende keine externen Belichtungsmesser"
Antworten
Letzte Antwort
Ein paar Ergänzungen
von Dagaz am Do, 27. Dez 2012, 14:27
19von R. Ramer
Sa, 05. Jan 2013, 07:26

Anmelden, um den Artikel zu diskutieren.

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.