Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Zusammen mit Lightroom 4 hat Adobe auch ihrem DNG-Format ein paar neue Funktionen gegönnt. Eine davon ist die verlustbehaftete Kompression der Bilddaten im DNG.

An diesem Feature spaltet sich nun die Netzgemeinde: für die einen ist es undenkbar, ihre Bilder verlustbehaftet zu komprimieren, andere freuen sich über den Speicherplatzgewinn.

Soweit ich das verstehe, hatte Adobe bei der Entwicklung der Verlustbehafteten Kompression allerdings gar nicht primär das Umwandeln von vorhandenen RAW-Dateien im Sinn, sondern hat diese Funktion für etwas ganz anderes eingebaut:

Adobe hat ja immer noch die Hoffnung, dass mehr Kamerahersteller direkt in der Kamera DNG-Dateien schreiben. Leica benutzt DNG, bei einigen Pentax-DSLR kann man wählen zwischen dem Pentax-Raw-Format PEF und dem Adobe Raw-Format DNG und so weiter.

Das verlustbehaftete DNG benutzt nun die gleichen Kompressionsmethoden wie JPG (wenn auch mit ein paar Detailverbesserungen), für die ja in den Kameras schon Chips enthalten sind. Damit ist es dem Kamerahersteller möglich, ohne viel Hardwareaufwand schon direkt in der Kamera mit seinen vorhandenen JPG-Routinen ein komprimiertes DNG zu schreiben, das kaum größer ist als die entsprechende JPG-Datei es wäre. Und damit wäre mit einem Mal einer der großen Nachteile vom Fotografieren in RAW behoben: die Dateien wären deutlich kleiner.

Man hätte quasi ein besseres JPG mit ein paar Funktionen einer RAW-Datei (wie dem späteren Weißabgleich). Und je mehr Hersteller DNG in die Kameras einbauen, je mehr Leute es benutzen, desto besser für Adobe.

Zusätzlich hat das Verwenden von JPG-Kompression wohl noch einen Vorteil: wenn man mit dem DNG-Konverter vorhandene JPG-Dateien in DNG umwandelt, so muss der Konverter die Daten nicht dekomprimieren und neu komprimieren, was ja Qualitätsverlust zur Folge hätte, sondern kann die komprimierten JPG-Daten quasi direkt in das DNG rüberschaufeln.

Nun fragt man sich natürlich zu recht: wer würde seine JPGs in DNGs umwandeln?

Ich habe das getan. Aus einem ganz einfachen Grund:

Ich fotografiere ja ausschließlich in RAW, jedenfalls mit allen Kameras, die das können. Hin und wieder landen aber mal JPG-Fotos zwischen meinen RAWs, z.B. weil ich mit dem Handy ein paar Fotos gemacht habe.

Dateitypen-Filter in Lightroom 4

Da ich aber ja eigentlich nur in RAW fotografiere, und JPGs nur erstelle, wenn ich Fotos fürs Web weitergebe, lösche ich hin und wieder die exportierten JPG-Dateien auf meinem Rechner. Dabei besteht immer das Risiko, dass ich versehentlich die Fotos aus meinem Handy mitlösche, obwohl ich sie ja eigentlich noch behalten möchte. Wenn ich diese in DNG konvertiere, umgehe ich dieses Risiko. Und viel größer sind die Dateien auch nicht.

Für echte RAW-Daten würde ich verlustbehaftetes DNG hingegen nicht benutzen. Denn zur Kompression wird das RAW in ein Bild umgewandelt, also das Demosaicing auf das Bayer-Patterns angewandt, damit es hinterher mit den JPG-Routinen komprimiert werden könnte. Damit verliere ich die Möglichkeit, von einigen zukünftigen Verbesserungen an der Prozessengine von Lightroom zu profitieren. Man denke dabei nur an das verbesserte Schärfen und Entrauschen in Version 4. Wenn Version 5 noch neue Möglichkeiten bietet, die Daten des Sensors vom Bayer-Muster zu befreien, wird dies mit verlustbehafteten DNGs vermutlich nicht so gut funktionieren wie mit vollständigen RAW-Dateien.

Fazit: Verlustbehaftete DNG-Umwandlung ist eigentlich gar nicht so sehr für RAW-Dateien gedacht, sondern als andere Alternative zu JPG.

Veröffentlicht am Do, 12. Apr 2012, 21:47 von Sam

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