Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Durch die neue Version 4 von Lightroom* ist die Frage mal wieder in aller Munde: braucht man Lightroom? Reicht nicht Photoshop oder Gimp, oder einfach die bei der Kamera mitgelieferte Bearbeitungssoftware (wie auch immer sie grad heißen mag)?

Für mich selber ist diese Frage schnell geklärt. Wenn ich jetzt ganz neu ohne jede Ausrüstung anfangen müsste, dann hätte ich Lightroom installiert und gekauft, noch bevor ich entschieden hätte, welche Kamera ich mir kaufen würde. Und ja, erst installiert, dann gekauft, denn von Lightroom gibt es eine vollwertige Demoversion, die ich sofort runterladen und installieren würde, bevor ich die Bestellung dafür absende. Aber das bin ich, denn ich habe ja bereits einige Zeit investiert, um mich in Lightroom einzuarbeiten.

Wer ganz neu an das Thema geht, hat natürlich Alternativen. Corel Aftershot Pro* (früher Bibble) beispielsweise, oder Capture One von Phase One (was vor allem, aber nicht nur, mit deren Mittelformatkameras Sinn macht), SilkyPix* oder für Mac User Apple Aperture. Der Funktionsumfang dieser Programme ist unterschiedlich, aber durchaus vergleichbar.

Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder Gimp stehen nicht in meiner Liste der Alternativen, und das aus gutem Grund: Photoshop & Co sind Programme, um jede Art digitalen Bildmaterials zu bearbeiten, zu kombinieren, zu verbiegen, zu beschriften, egal, woraus diese digitalen Bilder entstanden sind. Ob nun aus Berechnungen, aus Fotos, Scans, Screenshots. Mit Photoshop & Co kann man sogar auf einer leeren Leinwand ein Bild malen.

Lightroom hingegen wurde entworfen, um Fotos aus Digitalkameras zu bearbeiten. Am besten aus Kameras, die Fotos im Rohdatenformat (Raw) speichern können. Zwar kann Lightroom auch Fotoformate wie Jpg verarbeiten, doch das ist in etwa so sinnvoll, wie sich die Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste zu putzen, ohne sie einzuschalten.

Lightroom kann keine Bilder aus dem Nichts erschaffen, nichtmal Bildbestandteile. Es setzt immer auf einem vorhandenen Bild auf. Auch kann es keine Teile von einem auf ein anderes Bild kopieren. Das bleibt alles die Domäne von Photoshop & Co.

Was Lightroom dafür gut kann, ist die Rohdaten mit viel Einfluß auf die Parameter zu fertigen digitalen Fotos umzuwandeln und diese Parameter zu verwalten. Und so richtig glänzt es darin, diese Parameter dann auch auf andere Fotos, ganze Serien anzuwenden, oder sie als Vorlagen (Presets) für zukünftige Fotos zu speichern.

Käme ich beispielsweise von einer Veranstaltung mit 1000 Fotos zurück, die ich alle auf die gleiche Weise bearbeiten möchte, so kann ich mit Lightroom eines davon exemplarisch "bearbeiten" und anschließend diese Bearbeitung dann auf die anderen 999 Fotos (oder einen Teil davon) anwenden.

Wobei ich dazu schreiben muss: in Lightroom bearbeitet man die Fotos nicht Schrittweise. Es sieht zwar für den Anwender so aus, aber in Wirklichkeit verstellt er nur Parameter, nach denen das Foto dann entwickelt wird. Lightroom führt unsere Bearbeitungsschritte auch nicht in der Reihenfolge aus, in der wir sie vornehmen, sondern hat eine feste Art und Reihenfolge eingebaut, in der es die eingestellten Parameter auf das Bild anwendet.

Ein Beispiel: würde ich in Photoshop ein Bild um 4 Blenden heller machen, und es anschließend wieder um 4 Blenden dunkler machen, dann wäre es ein anderes Bild als vorher. Ein Teil der Bildinformationen werden dabei verloren gehen. In Lightroom hingegen kann ich die Parameter so sehr verdrehen, wie ich möchte. Sobald ih sie wieder zurück stelle, sieht das Bild wieder genauso aus wie vorher.

Eine weitere Sache, die Lightroom gut kann, ist, Fotos zu verwalten. Mit Lightroom kannst Du ein Foto in Ordnern verwalten, es Sammlungen zufügen (auch mehreren), dem Foto Stichwörter, Markierungen, Bewertungen, ja sogar GPS-Koordinaten geben. Und dennoch bleibt es nur eine Bilddatei.

Natürlich kannst Du auch in den Fotos suchen, sie nach den eingegeben Kriterien filtern. Und nicht nur nach diesen, auch nach den im Foto enthaltenen Metadaten wie der Kamera, dem Objektiv, der Brennweite, Blende oder was auch immer sonst an Parametern im Bild vorhanden ist kann genutzt werden, um die Fotos zu filtern, sortieren, gruppieren und dann auch zu bearbeiten.

Mit diesen so gefilterten Fotos kann Lightroom auch noch viele andere nützliche Sachen machen: Slideshows als Film oder fürs Web erstellen, Fotoalben als PDF für den Druck oder fürs Web erstellen, sie direkt an einen Drucker senden. Du kannst sie anhand ihrer GPS-Koordinaten auf einer Karte anzeigen, sie direkt auf Webseiten wie Flickr oder Facebook hochladen.

Die meisten dieser Aktionen wären in Photoshop sehr schwer bis gar nicht zu bewerkstelligen. Ein einzelnes Bild bearbeiten und drucken ist in Photoshop noch kein Problem, aber schon eine Serie aus etlichen Fotos auf gleiche Art zu bearbeiten und zu drucken ist aufwändiger. Ein Fotobuch als PDF erstellen oder eine Slideshow fürs Web sind ohne weitere Hilfsmittel in Photoshop nicht machbar, ebenso GPS-Tagging und viele andere Möglichkeiten von Lightroom. Ich persönlich verwende Photoshop inzwischen so gut wie gar nicht mehr für die Bearbeitung von Fotos, allenfalls, um mal eine Collage zu erstellen, ein Bild zu betexten oder einen Screenshot zu erstellen. Selbst für einfache Beauty-Retuschen reicht mir Lightroom völlig, ja, ist sogar im Vorteil, weil ich dort auch nachträglich die Entwicklungsparameter verändern kann und die Retusche erhalten bleibt. Ich wäre nichtmal sicher, ob ich mir Photoshop wieder kaufen würde (Updates kaufe ich schon lange nicht mehr), einfach weil es für die wenigen Dinge, die ich damit mache, auch eine einfachere, günstigere (oder kostenlose) Bildbearbeitung tut. Für vieles würde mir sogar Paint reichen.

Auf ein Programm wie Lightroom kann, möchte ich hingegen nicht verzichten.
Einen Vergleich zu den Alternativen kann ich leider nicht ziehen. Nur mit zweien davon (Capture One, SilkyPix) habe ich längere Zeit gearbeitet, doch selbst das ist viele Jahre her, auch diese Software hat sich seitdem gewaltig weiterentwickelt.
Kurzum: ich halte Lightroom (oder ein vergleichbares Programm) für ein tolles, wenn nicht gar unverzichtbares Werkzeug für ambitionierte Digitalfotografen.

(*) Dies ist ein affiliate Link - wenn ihr über diesen Link etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision ab - euer Preis ändert sich dadurch nicht.

Veröffentlicht am So, 18. Mär 2012, 22:08 von Sam

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