Sam Jost
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Erster Eindruck

Seit gut einem halben Jahr geistern die Saberstrips durch die amerikanische Strobist-Szene, und jeder, der etwas über sie schrieb oder sie in einem Video einsetzte, war begeistert. Als dann noch Saberstrip in einer Aktion 50% Rabatt gab habe ich, wie viele andere auch, zugeschlagen und mir zwei Stück bestellt.

Saberstrips - wirken auf den ersten Blick billig

Als die Dinger ankamen, war ich erstmal enttäuscht. Allerdings nicht aus einem konkreten Grund, sondern einfach, weil ich dank Hype erwartet habe, dass die Dinger, keine Ahnung, aus Gold sind? Stattdessen kam etwas, was aussah wie einfache Pappröhren, die mit schwarzer Dezifix-Folie beklebt wurden und am Ende als Stöpsel aus einem Abflußrohr aus dem Baumarkt hat. Außerdem rochen sie noch ziemlich nach Lackfarbe oder Lösungsmitteln.

Deckel vom Saberstrip

Also erstmal zum Auslüften in die Ecke gestellt und für einige Tage vergessen. Bis ich mich gestern mit Nils traf, der solch eine Striplight-Röhre mal selber gebastelt hat, um uns die Saberstrips mal ausführlich anzusehen.

Das erste, was uns auffiel: die Saberstrip sind erstaunlich leicht. Deutlich leichter als ein Beauty Dish, aber auch leichter als Nils DIY-Lösung. Das Material scheint gut ausgesucht zu sein. Bei genauerem hinsehen erkannten wir, es ist wohl eine Art Pappröhre, die (innen wie außen) mit einer silbrigen Folie beschichtet ist und anschließend in eine schwarze Folie eingeschlagen wurde.

Umgeschlagener Rand des Saberstrip

Innen ist eine Rampe, um das Licht gleichmässiger zu verteilen, das Fenster ist mit einer mattweißen Diffusor-Folie bezogen, vom Material her scheint das Stoff zu sein, aus dem sonst auch Flugdrachen gebaut werden, wirkt recht stabil.

Inbetriebnahme

Der Zusammenbau war denkbar einfach. Mir war vorher schon klar, dass meine FlexTT5 auf keinen Fall in die Röhre passen wird und ich ein TTL-Kabel benutzen muss. Also Röhre aufgemacht, Deckel auseinandergeschraubt, Blitzschuh vom Kabel festgeschraubt, gemerkt, dass das andere Ende vom TTL-Kabel nicht durch das Loch passt, Kabel nochmal lose geschraubt, Kabel durchs Loch gezogen, alles wieder zusammengeschraubt, fertig.

Saberstrip zusammengebaut

Über den FlexTT5 kann ich die Blitzleistung von der Kamera aus regeln, muss also die Röhre dafür nicht auf- und zumachen. Auch kann ich einen YongNuo-Auslöser statt der FlexTT5 verwenden, falls ich das möchte, dann muss ich die Röhre natürlich zum Verändern der Leistung öffnen, aber das geht dank Klemme sehr einfach. So schäbig die Klemme auch aussah ist sie doch sehr funktionell.

Praxistest

Als nächstes haben wir Portraits mit den Saberstrips gemacht. Die einfachste Position ist den Saber hochkant aufs Stativ zu schrauben, dann sieht ein Saber im Vergleich zum nackten Blitz so aus (der Strip ist gut erkennbar am Augenreflex):

Portrait vergleich Saberstrip gegen nackten Blitz

Vom Licht her ist der Saberstrip dem nackten Blitz eindeutig überlegen, was auch zu erwarten war.

Richtig interessant am Saberstrip ist allerdings, das man selbst mit einem recht leichten Stativ quer stellen kann, um dann ein hochfrontales Licht zu haben. Eine Einstellung, für die man bei einer Softbox oder einer Beauty Dish gerne einen Boom braucht. Diese Position habe ich mal mit dem Licht einer Beauty Dish verglichen (die Augen habe ich extra weit aufgerissen, damit ihr den Reflex sehen könnt):

Vergleich Saberstrip Beauty Dish 

Den Unterschied sieht man vor allem am Schattenwurf der Nase und am Hals. Nun könnte man sich streiten, welche Schatten man schöner findet, aber was für mich zählt ist, dass der Saberstrip vom Licht her mit einer 50cm Beauty Dish locker mithalten kann. Und dabei einen riesigen Vorteil hat:

Handling

So richtig glänzt der Saberstrip im praktischen Einsatz. Er lässt sich super einfach positionieren, befestigen, ist nicht anfällig für Wind (hier oben an der Küste ein Killerkriterium). Während für einen Beauty Dish ein Galgen echt hilft, kann ich den Saberstrip einfach nur mit Stativ und Neiger einsetzen. Den Saber kann ich auch problemlos jemand in die Hand drücken, der wird damit viel einfacher klarkommen als mit einer Softbox oder einer Dish, wo ich entweder einen extra Griff mitnehmen muss oder langwierig erklären, wo man nun festhalten darf und die Leute trotzdem immer versuchen das Geschütz am Blitz festzuhalten.

Nachteile

Größter Nachteil neben dem hohen Preis, den exorbitanten Versandkosten, dem Zollaufschlag ist nicht nur, dass man sich zusätzlich noch ein Blitzkabel kaufen muss, weil fast kein Funkempfänger in die Röhre passt. Es stört vor allem, dass dann ein Kabel mit einem Funkempfänger lose rumbaumelt, dafür muss ich noch eine Befestigung finden. Notfalls einfach ein Gummiband.

Auch ist die Lichtverteilung nicht optimal: die Seite, wo der Blitz drinsteckt, ist heller als das entfernte Ende. Dummerweise ist das hellere Ende bei senkrechter Benutzung unten. Oben heller als Unten wäre schöner, aber dafür müsste der Blitz nach oben, und dann wird das entfernte Ende wieder zu schwer. Das wird besser, wenn ich den Blitz auf 200mm zoome, dann wird auch das entfernte Ende dank Rampe heller. Hier mal die (stark übertriebene) Helligkeitsverteilung im Saberstrip bei auf 200mm gezoomtem Blitz:

Lichtverteilung im Saberstrip bei 200mm Blitzzoom

Der Reflex im Auge des Models ist hässlich. Vor allem bei Einsatz zweier Strips sieht das mit den Strichen im Auge echt doof aus. Zum Glück muss das Model ja nicht immer in die Kamera gucken.

Reflex zweier Saberstrip in den Augen

Mein persönliches Fazit

Ich überlege im Moment halbwegs ernsthaft, ob Saberstrips bei mir Softbox und Beauty Dish zu 90% verdrängen werden. Das Ergebnis ist vergleichbar und die Dinger sind viel angenehmer zu handhaben. Auch als Streiflicht sind sie deutlich angenehmer als nackte Blitze, bei denen die Ohren oft unschöne Schatten aufs Gesicht werfen. Vielleicht hätte ich mir doch gleich vier davon kaufen sollen? 

Allerdings war das bisher nur ein Testshooting, ein wirklich ernsthafter Einsatz steht noch aus.

Veröffentlicht am Do, 29. Dez 2011, 20:53 von Sam

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Diskussion zu "Saberstrip - taugt der was?"
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Letzte Antwort
2 Saberstrips verbinden
von Wolf Starker am Fr, 25. Jul 2014, 11:48
3von Sam
Mo, 28. Jul 2014, 09:17

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