Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Ein Objektiv, dass ich erstaunlich viel benutze, ist das Nikkor AF-S 24-85mm F3.5-4.5G: es ist klein, leicht, handlich, deckt einen vielseitigen Zoombereich ab, der AF trifft leise und zuverlässig und die Bildqualität ist völlig in Ordnung.

Doch gibt es Einsätze, für die sollte man dieses Objektiv besser nicht verwenden. Zum Beispiel um Architektur oder Möbel zu fotografieren - nur fiel mir das erst vor Ort ein, und in der Brennweite hatte ich auch kein anderes Objektiv dabei. Aber es gibt ja zum Glück die Objektiv-Korrektur von Lightroom - Die dieses Objektiv nicht kannte. Noch nicht.

So hab ich endlich mal einen guten Grund gehabt, selber ein Objektiv-Profil für Lightroom zu erstellen.

Als ich vor eineinhalb Jahren Kameraprofile für Lightroom erstellt habe entdeckte ich bei Adobe auch ein Tool, um selber Profile für Objektive erstellen zu können. Eigentlich ist das sogar recht simpel:

Die Anleitung von Adobe ist recht klar: Man fotografiert dafür einfach nur ein Schachbrettmuster. Also neunmal, einmal in der Mitte, an den vier Seiten und in den vier Ecken. Und das bei einem Zoom für verschiedene Brennweiten, und je mehr Zwischenbrennweiten man nimmt, desto genauer werden natürlich die Ergebnisse. Ach ja, und da sich einige Abbildungsfehler auch durch die Blende ändern, natürlich auch noch für verschiedene Blenden. Pro Brennweite. Wie gesagt je neun Bilder.

Nach einem erschrockenen Blick auf die Auswahl von 125 Testcharts stolperte ich in der Anleitung darüber, dass Adobe das Verfahren selber nicht mit dem Abfotografieren des Testcharts auf einem Monitor ausprobiert hat und davon abrät, auch wenn Forenteilnehmer da durchaus gute Erfahrungen mit gemacht haben. Außerdem wurde in der Anleitung immer von dem 54-Punkt-Testchart gesprochen (außer für Fisheye-Objektive, wo das 72er evtl. besser sein soll), also hab ich die anderen Größen ignoriert, mir das zur Größe meines Monitors passende A2 Chart rausgesucht und es auf dem Monitor angezeigt statt mir eines zu drucken. Ich war schon immer Risikofreudig.

Dann hab ich locker flockig 207 solcher Fotos in verschiedensten Brennweiten und Blendenkombinationen gemacht (natürlich alle in RAW, manuell belichtet mit neutralen Kameraeinstellungen und all dem, was in der Anleitung so steht):

Calibration Charts für Adobe Lens Profile Creator

Diese flugs in Lightroom importiert, in DNG konvertiert (was ich sonst nicht mache), den Adobe Lens Profile Creator gestartet, die Dateien draufgezogen, die vielen Optionen ignoriert und "Profil erstellen geklickt".

Adobe Lens Profile Creator

Prompt bekam ich die Fehlermeldung: "Generate lens profile failed because a minimum of three images with good grid detection are required. Please make sure that you have specified the Checkerboard Info so that it matches the calibration chart exactly. To specify the Screen Dimension (Pixels) value, use the Ruler Tool at the bottom of the image preview."

War ja klar, das Programm ist zu faul selber durchzuzählen wie viele Kästchen auf dem Bildschirm sind, also unten rechts die Zahlen eingetragen, die zum Glück unter den Chart steht, so dass ich nicht zählen musste. Dann noch kräftig ins Bild gezoomt und mit dem kleinen Lineal-Tool rechts unter dem Bild ausmessen wie groß ein einzelner Kasten ist, nächster Start klappt, er rechnet das Profil aus, fragt wohin er es speichern soll, juchei, mein Profil ist fertig, das ging ja schnell!

Dachte ich.

Leider falsch gedacht. Der Profile Creator ist schon ein cooles Tool, aber echt unübersichtlich, und was ich nicht gemerkt hatte: es war nur eine Brennweiten/Blenden-Kombination markiert, also hat das Tool auch nur für diese eine Kombination die Korrekturdaten berechnet:

Nur ein Profil gewählt

Aufgefallen ist mir das erst, als ich die Screenshots für diesen Blogbeitrag gemacht habe. Also beim Erstellen eines Profils unbedingt darauf achten, dass alle Kombinationen angewählt sind. Außerdem würde ich unbedingt in den Preferences die folgenden zwei Häkchen entfernen:

Lens Profile Creator Preferences

Vor allem der erste Haken ist wichtig, denn wenn der drin ist, fragt einen die Software für jede Kombination (in meinem Fall also 20 mal) unter welchem Dateinamen man die ausgerechneten Daten speichern möchte, und dann unter Umständen noch ein zweites Mal, ob man die Daten denn wirklich an die bestehende Datei anhängen will. Sehr nervig, weil man dann während der ganzen Berechnung am PC sitzen und alle paar Minuten was klicken muss.

Dann gab es bei mir bei 70mm und F5.6 wieder den Fehler "Generate lens profile failed because [...]". Auch eine Korrektur der "Screen Dimension (Pixels)" half nicht. Eher durch Zufall fiel mir auf, dass ich versehentlich die Fotos für diese und zwei weitere Kombinationen doppelt gemacht hatte, es also statt der erwünschten 9 satte 18 Fotos in der Gruppe gab. Als ich die linke Anzeige breiter zog konnte ich das Problem auch sehen, in der Voreinstellung ist die Spalte so schmal, dass die Anzahl Fotos nicht gezeigt wird:

Zu viele Bilder in der Gruppe

Damit kam das Programm wohl nicht so gut zurecht. Nachdem ich die überflüssigen Dateien gelöscht hatte klappte es dann auch endlich mit dem Profil.

Anschließend störte ich mich dann auch noch am Namen vom Objektiv und trug auch noch die folgenden Felder in das Profil ein, bevor ich es zum viertel Mal berechnen ließ:

Namen für das Profil

Und tadaaa, fast wie von alleine war mein Profil fertig. Und die Korrekturen sahen viel besser aus als bei meinem ersten Versuch.

Und da ich meine Erkenntnisse auch gern mit anderen teile, hier also für die Allgemeinheit ein Lightroom-Profil für das Objektiv Nikkor AF-S 24-85mm f/3.5-4.5G zum Download, erstellt an der FX-Kamera D700.

Und für die, die den Aufwand scheuen, selber ein Profil zu erstellen: Adobe baut in der nächsten Version vom Lens Profile Creator ein Tool ein, um Profile für die Allgemeinheit hochzuladen oder die von anderen Menschen erstellten Profile runterzuladen. Eine Beta dieser Version gibt es bereits bei Adobe.

Veröffentlicht am Do, 13. Okt 2011, 21:52 von Sam

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