Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Seit ich mich darüber geärgert hatte, dass in dem Klassiker über Licht in der Fotografie, Light: Science & Magic* bei der Beschreibung vom Portraitlicht nicht nur etliche Fotos fehlten, sondern die vorhandenen dazu auch noch falsch beschriftet waren (ich seh grad, es gibt eine neue Auflage - vielleicht sind die falschen Bilder da ja korrigiert?), hatte ich den Plan im Kopf, mal ein Portrait im klassischen Sinne mit haufenweise Lichtquellen auszuleuchten und zu dokumentieren.

Den Anfang dazu hatte ich mit Birgit gemacht, merkte aber schnell, dass das doch deutlich aufwändiger wird, als ich zuerst gedacht hatte, und hab das Vorhaben vorläufig auf Halde gelegt.

Wie der Zufall es so wollte, ergab es sich dann, dass Nils von Frame-Less und ich uns treffen wollten, und ebenso zufällig hatte Sandra vom Licht- und Schattenspiel Zeit und Lust, mal gemeinsam Lichtspielereien zu betreiben. Und das dann sehr spontan auch Natalie noch dazu kam, kann schon kein Zufall mehr gewesen sein.

Jedenfalls haben wir uns nett zu viert getroffen und haben Lichtquelle für Lichtquelle ein Portrait-Foto aufgebaut.

Portrait mit vielen Lichtquellen

Nun muss man dazu sagen, dass ein Portrait in dieser Form nicht unbedingt realistisch ist: man würde nicht jemand so gerade vor die Kamera setzen. Und schon gar niemand, der immer gleich guckt wie mich. Doch um die verschiedenen Lichtquellen und ihren Effekt auszuprobieren, war das gut geeignet.

Auch würde man in der Praxis für so ein Bild nicht fünf Blitze bemühen. Nicht nur, weil man sie nicht hat, sondern vor allem, weil man den gleichen Effekt mit ein bis drei Blitzen und ein paar Reflektoren genauso erreichen kann. Doch zum Lernen finde ich Blitze besser geeignet, weil man jede Lichtquelle einzeln ein- und ausschalten kann.

Und, das wurde mir ebenfalls deutlich bestätigt, würde niemand Vernünftiges eine glänzende Zebra-Bespannung als Hintergrund nehmen. Das ist Quälerei mit Reflektionen und Verschwendung von gutem Equipment!

Hier die fünf Lichtquellen zusammen auf einem Bild mit schwarzem Hintergrund. In der oberen Reihe haben wir einen Blitz nach dem anderen eingeschaltet, in der unteren ist jeweils nur die eine Lichtquelle zu sehen:

Fünf Lichtquellen einzeln und zusammen

Ganz perfekt ist es nicht: wie man unten mittig in meinem Gesicht sieht, hellt das Sonnenlicht vom Fenster mein Gesicht noch leicht auf, und im jeweils vierten Bild sieht man, dass das Haarlicht zu sehr ins Objektiv streut, was gut daran zu erkennen ist, dass die Bilder mit Haarlicht stark an Kontrast verloren haben. Und das von mir geplante Umriss-Licht wurde vom Beleuchtungsteam gestrichen - da war ich mit meinen geschmacklichen Entgleisungen dann doch zu weit gegangen. :)

Der Weg ist das Ziel.

Das Portrait war bei dieser Session ausnahmsweise nicht das wichtigste: wichtig war der Weg.

Bei jeder Lichtquelle haben wir uns Zeit genommen, Verschiedenes ausprobiert (Schirm? Softbox? Nackter Blitz? Links oder rechts? Wie hoch?), uns dank tethered Shooting die Ergebnisse direkt auf dem Rechner angesehen und miteinander verglichen.

Hier merkte man auch sofort, dass kein Anfänger dabei war: alle konnten Unterschiede sehen, hatten Erfahrungen mit verschiedenen Setups und eindeutige Vorlieben für bestimmte Licht-Situationen. Schließlich ist die schwierigste Herausforderung, nicht einfach nur zu sagen "das Linke gefällt mir besser", sondern auch erklären zu können, woran das liegt.

Und natürlich gibt es da sehr unterschiedliche Meinungen. Der einen gefällt das Bild mit starken Schatten besser, findet es ausdrucksstärker, die andere möchte es lieber harmonisch gleichmässiger ausgeleuchtet. Was gut so ist, sonst würden wir ja alle die gleichen Fotos machen.

In diesen Situationen war es gut, dass ich ein komplettes Setup als Ziel im Kopf hatte, um immer wieder eine Richtung zu haben, in die wir den Aufbau dann weiterentwickelt haben.

Fast vier Stunden haben wir aufgebaut, umgebaut, eingestellt, verstellt, verglichen und diskutiert. Haben einiges verworfen und anderes gefunden. Alle waren wir uns wohl einig, dass dieser Aufwand zwar jeden Rahmen sprengt, aber zum kennenlernen von verschiedenen Portraitlichtern eine sehr interessante Erfahrung war.

Aufbau für Portrait mit 5 Lichtquellen

Sehr interessant war dann auch noch, uns jeweils in das aufgebaute Licht zu setzen, um zu sehen, wie unterschiedlich wir darin wirken. Was bei einem hellhäutigen, dunkelhaarigen Menschen gut aussieht, muss zu blonden Haaren oder gebräunter Haut nicht gut aussehen, dort kommen andere Lichter besser zur Geltung.

Ich habe bei dem Weg wieder einiges gelernt. Streulicht wird für mich immer kritischer und damit Grids immer wichtiger. Kleinkram wie Spigot-Doppelbolzen oder einfach nur Stangen fehlen mir an Ausrüstung. Es ist verdammt schwierig, mit Licht genau zu zielen, selbst wenn sich das Model nicht bewegt. Dass ich immer noch einen Blitz mehr gebrauchen könnte, als ich gerade habe. Und dass ich sowas öfter machen sollte.

Und noch das Feedback der drei "Teilnehmer" zum Nachmittag:

Sandra: Das war echt richtig interessant! Super Weiches Licht von rechts ist einfach am schönsten ;-) !Und teuer wird's: Ich brauche unbedingt auch ein Haarlicht!

Nanny: Großartiger Praxistest für "wieso, weshalb und warum man überhaupt so viel Licht braucht für EIN Foto" :)

Nils: 1 Sonntag + 4 Fotonerds + 5 Blitze = Steile Lernkurve. Der gemeinsame Spielenachmittag hat mehr gebracht als Bücherlesen und Tutorials gucken. Machen rult!

Vielen Dank nochmal fürs spontane mitmachen!

Veröffentlicht am So, 26. Jun 2011, 21:32 von Sam

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Diskussion zu "Klassisches Portrait-Licht mit fünf Lichtquellen"
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von R. Ramer am Di, 28. Jun 2011, 18:14
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