Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Wie ich geschrieben habe, bin ich ja seit ein paar Monaten stolzer Besitzer eines Eizo CG303w. Was ich allerdings offen gelassen habe, sind die verschiedenen Vor- und Nachteile, die mit einem so großen Monitor und mit Wide-Gamut verbunden sind.

Die Umstellung von meinem alten 19" CG19 Monitor zu dem neuen 30" CG303w brachte mehr Veränderungen mit sich, als ich gedacht hätte.

Das Erste, was mir an dem CG303w auffiel, und weswegen ich wohl auch jedem raten würde, einen kleineren CG245w zu kaufen, und weswegen ich selber schwer überlegt habe, diesen Monitor nicht zu kaufen:

Der CG303w hat einen Lüfter!

Rückfragen bei Eizo ergaben, dass auf Kundenwunsch das Netzteil nicht extern, sondern im Gehäuse ist, und dass deswegen das Netzteil aktiv gekühlt werden muss. Kann ich nachvollziehen, ich als Kunde habe das Netzteil auch lieber im Monitor als extern - aber nicht, wenn ich dafür einen Lüfter bekomme.

Diese Wahl hatte ich nicht, dennoch habe ich mich für den Monitor entschieden, da für mich die Vorteile (knapp) überwiegen. Der Lüfter ist der einzige Wermutstropfen, den ich wohl leider in Kauf nehmen muss.

Dann bescherte mir die Auflösung von 2560x1600 ein Problem: meine Grafikkarte konnte maximal 1920x1280 Pixel ansteuern - also gleich eine neue Grafikkarte bestellt, denn wenn schon so einen großen Monitor, dann bitte auch in der vollen Auflösung.

Und die volle Auflösung ist genial! 2560x1600 sind ca. 4 Megapixel. Was man da schon bei der Vorschau an Details sieht, und wie viel vom Bild selbst bei 100% Ansicht zu sehen ist, ist beeindruckend! Und hilft sehr bei der Bildbearbeitung. Ganz anderer Schnack als die ca. 1.3 Megapixel meines bisherigen CG19 bei 1280x1024 Pixel.

Die Auflösung brachte allerdings ein Folgeproblem, an das ich nicht gedacht hatte: Lightroom berechnet die Standard-Ansicht aufgrund der Auflösung, und durch die höhere Auflösung musste Lightroom jetzt bei jedem Bildwechsel deutlich zum Laden des Bildes gut dreimal so lange rechnen wie bei dem alten Monitor. Bei einzelnen Bildern kein Problem, doch wenn ich mal ein paar hundert Bilder sichten muss, ist das schon störend wenn der Wechsel zum nächsten Bild 4s statt 1s dauert.
Zum Glück gibt es dafür eine einfache Lösung: in diesem Fall stelle ich eine niedrigere Auflösung für den Monitor ein.

Die zweite Überraschung brachte mir das Wide-Gamut ein. Besser gesagt, die Überraschung kam dadurch, dass die Internet-Browser nicht vernünftig damit umgehen können, selbst der IE9 nicht.

Ich weiß nicht, wie das bei anderen Systemen (sprich Apple) ist. Bei Windows ist es so, dass das System normalerweise das Bild an die Grafikkarte in sRGB übergibt, was ja auch sinnvoll ist, da vermutlich 99% der Monitore mit sRGB rechnen. Wenn nun ein Wide-Gamut-Display angeschlossen (und korrekt eingerichtet) ist, übergibt das System stattdessen die Bilddaten in AdobeRGB an die Grafikkarte.
Logisch, sonst würden die erweiterten Farben es ja nicht zum Monitor schaffen und der Wide-Gamut-Vorteil wäre dahin.

Bei der Bildanzeige im System ist das kein Problem: die rechnet mit Wide-Gamut/AdobeRGB und zeigt alle Bilder korrekt an.

Bei den Webbrowsern ist dem leider nicht so. Fast alle Bilder im Web sind ohne Farbprofil und in sRGB (und das wird sich so schnell auch nicht ändern). Ich habe dummerweise keinen Browser gefunden, der das so an das System meldet. Stattdessen werden dort die Bilder ohne Farbprofil einfach im gerade eingestellten Profil des Systems interpretiert: sprich, die sRGB-Bilder im Netz werden allesamt so angezeigt, als wären sie in AdobeRGB: Die Farben sind viel zu knallig, völlig daneben (klicki bunti Internet).

Speichert man ein falsch angezeigtes Bild aus dem Web und schaut es sich lokal mit der normalen Bildanzeige an, ist die Welt wieder in Ordnung: das System weiß, dass die Datei ohne Profil wohl sRGB sein wird und trägt dem Rechnung.

Immerhin hat der Eizo hier einen Modus-Umschalter, mit dem zwischen vier verschiedenen Anzeigemodi gewählt werden kann: einem von Hand eingestelltem AdobeRGB, einem von Hand eingestelltem sRGB, einem kalibrierten Emulationsmodus (zB sRGB) und dem vollwertig kalibrierten AdobeRGB. So lässt sich per Knopfdruck am Monitor umstellen, das Bilder im Browser korrekt angezeigt werden oder die volle Wide-Gamut-Pracht genutzt wird.

Versuchshalber habe ich mal meinen alten CG19 als Zweitmonitor angeschlossen, das habe ich aber ganz schnell wieder sein gelassen. Nicht nur, weil ein Zweitmonitor bei 30" höchst überflüssig ist, sondern vor allem, weil, wenn der CG19 als Zweitmonitor im Dual-Betrieb angeschlossen ist, sich Windows von AdobeRGB zurück auf sRGB umschaltet, den kleinsten gemeinsamen Nenner. Muss es ja, denn der CG19 kann mit AdobeRGB nichts anfangen.

Also: wenn man seinen neuen Wide-Gamut Monitor im Dualbetrieb mit seinem alten Monitor betreiben möchte, wird man vom erweiterten Farbraum des Wide-Gamut nichts mehr haben.

Lüfter, Geschwindigkeitsprobleme und Farbprobleme im Internet sind störend, aber damit kann ich leben, denn ehrlich gesagt:

30" sind geil!

Veröffentlicht am Do, 17. Mär 2011, 07:22 von Sam

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Diskussion zu "Vor- und Nachteile eines riesigen Wide-Gamut-Monitors"
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Letzte Antwort
Danke
von R. Kneschke am Fr, 18. Mär 2011, 09:39
1von Sam
Fr, 18. Mär 2011, 09:55

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