Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Träumst Du davon, berühmter Landschaftsfotograf zu sein? In der Galerie zu stehen, anerkennende Blicke für Deine tollen Bilder zu sammeln, zu erzählen, was für Strapazen Du für die Bilder auf Dich nehmen musstest?

Oder als gefragter Hochzeitsfotograf die leuchtenden Augen des Brautpaares beim Überreichen der Bilder zu sehen? Von anderen zu hören, wie stimmungsvoll Deine Fotos sind?

Siehst Du Dich als Dokumentarfotograf davon berichten, wie nervenaufreibend die Fotografie in den Krisengebieten war, wie gefährlich es gerade bei diesem oder jenem Foto war, es zu machen?

Reizt es Dich, Deine Bilder bei Flickr Explore zu sehen, die bewundernden Kommentare und Einladungen zu Awards zu lesen?

Falls ja, übersiehst Du vielleicht etwas:

Ein wirklich guter Landschaftsfotograf wird sich in einer Galerie bei Kunstlicht, im Menschengedrängel, ohne frische Luft und ohne weiten Blick sicher nicht so wohl fühlen, wie in einem Zelt in der Einöde am Ende der Welt. Der ist in der Einöde bei seinen Motiven mehr zu Hause als in einer Menschenmenge. Er wird die Landschaft genießen, viel Zeit dort verbringen und aus diesen Gründen gute Fotos machen. Ruhm ist nicht das Ziel, sondern nur ein hilfreiches Mittel zur Finanzierung.

Ein Hochzeitsfotograf wird sich mit dem Adrenalinschub der ständigen Aufmerksamkeit und dem Motivieren von Hochzeitspaar und Gästen wohlfühlen. Das Überreichen der Bilder ist das Sahnehäubchen am Ende, aber die wirkliche Motivation ist das Fotografieren selber.

Ein Reportagefotograf wie James Nachtwey fährt ganz sicher nicht in die Krisengebiete, um hinterher damit anzugeben. Die Krisen, die Menschen, die Themen interessieren und motivieren ihn, nicht der Ruhm.

Joey L. reist nicht ans Ende der Welt, weil er den Ruhm sucht, sondern weil er sich für diese Völker, die Menschen und das Leben dort interessiert. In seinen Dokumentationen kann man sehr klar sehen, dass er nicht einfach alles ablichtet, sondern seine Motive erst kennenlernt, sich anfreundet, bevor er Fotos macht. Ernsthaft geht das nur mit echtem Interesse. Der Ruhm ist einfach ein praktischer Nebeneffekt, um auf die eigene Sache aufmerksam zu machen.

Die berühmten Fotografen, die wir bewundern, haben sich nicht eines Tages hingesetzt und gesagt, "hey, ich will als Fotograf berühmt werden, wie könnte ich das machen". Nein, sie wollten etwas zeigen, dass ihnen am Herzen liegt und haben dazu die Fotografie als Werkzeug benutzt. Sie wurden berühmt, weil sie das, was ihnen am Herzen liegt, mit der Fotografie gezeigt haben, nicht wegen der Fotografie an sich. Die Fotografie ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck.

Und die Aussage "ich will einfach nur schöne Bilder machen" ist ein Kaugummigelübte: es klingt toll, aber nach kurzer Zeit ist jeder Geschmack raus, es wird fade, und danach klebt es Dir einfach nur am Schuh und behindert Dich bei Deiner Entwicklung. Bei dem, was Dir wirklich am Herzen liegt.

Wenn Du Dich als berühmter Fotograf siehst, oder Deinen Stil suchst, solltest Du Dir nicht Gedanken über die Fotografie machen, sondern über Deine Werte, Deine Ziele. Darüber, was Du der Welt zeigen willst, was Dein Thema ist, was Dich bewegt, was Dir am Herzen liegt und womit Du andere bewegen willst. Ohne Thema, ohne Hintergrund, ohne Seele ist Deine Fotografie leer und ergeben höchstens zufällig mal ein paar gute Fotos, aber keinen berühmten Fotografen.

Überlege Dir nicht "Was muss ich der Welt zeigen, damit ich berühmt werde?" - das ist Prostitution.

Überlege Dir stattdessen, "was will ich der Welt zeigen". Was bewegt Dich so sehr, das Du es einfach teilen musst, egal, ob Du dafür Anerkennung bekommst oder nicht? Wofür opferst Du gerne Deine Zeit, was macht Dir wirklich Freude?

Ein wenig Verrücktheit und viel Sturheit gehört da schon zu. Nicht jedem ist bestimmt, ein berühmter Fotograf zu werden, der Welt etwas mit seinen Fotos mitzuteilen. 

Ich selber hatte auch mal kurz die Idee, vielleicht als Fotograf berühmt zu werden. Aber nur sehr kurz, bevor mich die Realität wieder eingeholt hat: es ist nicht mein Ding durch die Wildnis zu streifen, auf der Suche nach spektakulären Bildern. Anstrengende Reisen an das andere Ende der Welt reizen mich nicht, ich habe keine Lust in wochenlanger Kleinarbeit fantastische Welten am Rechner entstehen zu lassen und ich mag auch keinen Hochzeitsstreß.

Wenn Du nur den Ruhm suchst, dann bist Du auf dem verkehrten Weg. Und das gilt nicht nur für die Fotografie.

Teil 2: Was für ein Fotograf bist Du?
Teil 3: Das Problem der Fotoausrüstung.
Teil 4: Deine Fotos brauchen Ziele.
Teil 5: Beherrsche Deine Foto-Ausrüstung.
Teil 6: Beherrsche die Fotografie.
Teil 7: Lerne zu gestalten.

Veröffentlicht am Do, 28. Okt 2010, 19:27 von Sam

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