Sam Jost
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Farbräume & Farbmanagement

Wer als Digital-Fotograf den Weißabgleich entdeckt, freut sich anfangs: kann er doch jetzt mit einer x-beliebigen Lampe als Lichtquelle (Hallo Baustrahler) fotografieren und den Farbstich per Weißabgleich korrigieren.

Klappt...

...solange korrekte Farbwiedergabe nicht wichtig ist.

Die Falle, auf die Weißabgleich-Neulinge manchmal reinfallen: sie denken, dass sich Lichtquellen nur durch die Farbtemperatur unterscheiden.

Genauer gesagt: sie vergessen, dass jede Lichtquelle ein anderes Farbspektrum hat.

So richtig bewusst geworden ist mir das, als ich meine ersten LED-Leuchtmittel kaufte. Normalerweise sind "weiße" LEDs sehr blaustichig. Inzwischen gibt es warmweisse LEDs, wo mit Hilfe eines Tricks ein Teil des blauen Lichts umgewandelt wird in gelbes Licht. Von der Farbtemperatur (und damit dem Weißabgleich) entspricht dieses Licht dann durchaus dem einer Glühbirne. Vom Bildeindruck sieht es dennoch völlig anders aus.

Warum?

Reduziert auf eine einzelne Zahl haben vielleicht beide Leuchtmittel identische 3500 Kelvin.

Doch das sagt nichts darüber aus, aus welchen Farben sich diese Farbtemperatur zusammensetzt. Das Licht der Glühbirne enthält viel Rot und Orangeanteile, während das Licht der LED die Farbtemperatur durch hohen Gelbanteil erreicht.

Das Lichtspektrum eines Leuchtmittels ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Um das zu verdeutlichen, habe ich mir mal fünf sehr hochwertige Lichtquellen gegriffen, Vergleichsfotos gemacht und nebeneinander gestellt.

Die Lichtquellen:

  1. Vollspektrumlampe eine Energiesparbirne mit Vollspektrum und Tageslichtcharakter - gemessen an der Lichtleistung das teuerste Leuchtmittel, dass ich je gekauft habe.
  2. LED Light Engine Das bisher beste LED-Leuchtmittel, dass ich gefunden habe.
  3. Glühbirne die gute alte Glühbirne.
  4. Foto-Dauerlicht Eine im Fotostudiohandel gekaufte 75w Energiesparbirne mit 5000 Kelvin Lichtfarbe.
  5. Systemblitz Nikon SB-900.

Bei jedem Leuchtmittel habe ich einen Colorchecker (*) fotografiert, und die Farben in der folgenden Tabelle nebeneinandergestellt:

Wenn ihr beim Betrachten denkt "so groß sind die Farbunterschiede doch gar nicht", bedenkt bitte: Diese Lichtquellen sind allesamt von der Qualität her sehr hochwertig. Hier ist kein billiger Baustrahler dabei, keine billige LED, die Energiesparbirnen sind alles andere als billige Baumarkt-Ware.

Der erste graue Streifen ist die Fläche vom Colorchecker, die ich für den Weißabgleich verwendet habe, damit ihr seht, dass der Weißabgleich korrekt ist.

Farbwiedergabe unter verschiedenen Leuchtmitteln

Zu beachten sind vor allem, Gelb, Rot und Orangetöne - also auch die Farbtöne, die die Hautfarbe ausmachen. Bei der LED sind wie erwartet die Gelbtöne und Blautöne sehr kräftig, dafür ist Rot eher schwach.

Gerade Hauttöne sind daher teilweise gruselig.

Die Farben beim Blitz und beim Vollspektrumleuchmittel entsprechen am ehesten dem Original, doch ist die Vollspektrumbirne leider sehr lichtschwach und dafür recht teuer.

Eine billige Energiesparbirne oder LED hab ich jetzt nicht probiert, dort sollten die Unterschiede noch viel stärker ausfallen.

Man kann die Farbwiedergabe drastisch verbessern, indem man die Kamera auf speziell dieses Leuchtmittel hin kalibriert.

Und es gibt noch einen zweiten Faktor für meine Entscheidung gegen Dauerlicht:

Die Leuchtmittel geben zu wenig Licht.

Am wenigsten Licht gibt das Vollspektrumleuchtmittel (Meine Belichtungszeit bei F4 war 1/60s). Hier geht viel Energie in das volle Lichtspektrum.

Die 60w Glühbirne gibt ein wenig mehr Licht. Nicht viel (1/80s).

Die 75w Energiesparbirne gibt deutlich mehr Licht (1/100s) - klar, sie sollte laut Werbung Licht machen wie eine 300w Glühbirne. In Praxis kommt sie nicht an diese 300w Leistung, ist aber die einzige, die Hell genug ist um vernünftig damit zu arbeiten.

Die Leuchtmittel waren alle in einem Reflektorschirm, dennoch hat die LED den riesen Vorteil, dass sie ein Strahler ist, ihr Licht auf einen Punkt bündelt, daher kam ich hier auf 1/160s.

Beim Blitz spielt die Belichtungszeit keine Rolle, hier sieht das anders aus: den musste ich auf 1/128tel seiner Leistung runterregeln, sonst hätte ich das Foto gnadenlos überbelichtet.

Kurz zusammengefasst:

Alles Dauerlicht, das ich bisher in den Fingern hatte, hatte zu wenig Leistung und keine brauchbare Farbwiedergabe.

Und darum fotografiere ich lieber mit Blitzen.

(*) Affiliate Link: wenn ihr über diesen Link kauft, bekomme ich etwas Provision, an eurem Preis ändert sich dadurch nichts.

Veröffentlicht am So, 13. Jun 2010, 17:58 von Sam

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Diskussion zu "Warum ich kein Dauerlicht benutze"
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Letzte Antwort
Blitz ist nicht gleich Blitz
von R. Ramer am Do, 10. Mai 2012, 18:46
14von R. Ramer
Mi, 11. Jul 2012, 17:12

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