Sam Jost
 RSS-Abo



Mehr von Sam
radeldudel.de durchsuchen:
Farbmanagement für die Digitalfotografie

Wohl jeder Hobbyfotograf geht durch Phasen, wo er nach der perfekten Ausrüstung sucht.

Manche kommen nie aus dieser Phase heraus.

Manche wären besser in dieser Phase geblieben.

Nämlich jene, die auf Flickr und in Foren unter die Bilder schreiben:

"ganz schön, aber zu mittig. Achte mal auf die Drittelregel."

oder umgekehrt:

"hier stimmt alles, Belichtung, Schärfe, Drittelregel, goldener Schnitt korrekt umgesetzt"

(ja, diese Doppelnennung von Drittelregel und goldenem Schnitt kommt tatsächlich vor).

Mich graust es schon, wenn ich das Wort "Drittel-Regel" lese. Als wäre es ein Naturgesetz, das Dinge auf dieser Achse liegen müssen, um ein gutes Bild zu erstellen.

Denn hier ist schon der große Haken: was ist denn bitte ein "gutes Bild"?

Eines, das nett und harmonisch anzusehen ist?

Eines, das den Betrachter mitreißt, aufwühlt?

Oder einfach nur eines, das scharf, korrekt belichtet und brav in Drittel aufgeteilt ist?

Liest man Kommentare auf Flickr, so könnte man zu dem Schluss kommen, das letzteres der Fall ist. Unser eingangs genannter Fotograf prüft Schärfe, Belichtung und Aufteilung in Drittel, ist alles erfüllt, erteilt er einen wohlwollend lobenden Kommentar. "Gut gemacht, alle Regeln erfüllt", alle sind froh und glücklich.

Ja, wirklich alle, denn der Urheber des Fotos glaubt an die gleiche Checkliste.

Warum ich das erschreckend finde? Weil man für die Platzierung seines Motives einen Grund haben sollte, ein Ziel, etwas, was man erreichen will:

Soll mein Bild Ruhe ausstrahlen? Motiv in die Mitte hilft.

Soll es eher in Richtung Harmonie gehen? Ab auf die Drittelteilung damit.

Soll es Energie haben, dynamisch wirken? Extremere Anschnitte wählen.

Und das ist noch verkürzt und vereinfacht, denn die Wahl des Formates, die Farben, das optische Gewicht der verschiedenen Teile des Motivs spielen ebenfalls eine Rolle.

Man sollte die Drittel-Regel in "Harmonie-Regel" umtaufen, denn scheinbar ist es das, was diese Leute suchen: Harmonie. Ein harmonisches gegenseitiges Bilder-beloben, harmonische Bilder, ein nettes entspanntes Hobby. Es wird einfach immer davon ausgegangen, das jeder das gleiche Ziel hat: ein nettes, harmonisches, harmloses Foto zu machen.

Daher graust es mich immer, wenn ich das Wort Drittel-Regel lese: wer dieses Wort benutzt, hat ganz offensichtlich noch nie darüber nachgedacht, dass man mit einem Bild auch etwas anderes als Harmonie vermitteln kann und manchmal möchte.

Dass Gestaltung mehr ist als gedankenlose Platzierung auf einer gedachten Linie.

Amüsant daran: selbst die Verfechter der Drittel-Regel weichen diese dann oft auf, sie müsse ja nicht exakt eingehalten werden, oder dass man sie manchmal auch brechen muss.

Leider erwähnen sie nicht, warum man das tun sollte. Wann es sich lohnt, sich an eine Drittelaufteilung zu halten, wann nicht, und in welche Richtung man wann abweicht.

Wer aufmerksam gelesen hat, weiß ja schon mal ein paar Ansatzpunkte.

Veröffentlicht am Mo, 10. Mai 2010, 08:23 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.

Anmelden, um den Artikel zu diskutieren.

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.