Letzt bekam ich mal eine ganz andere fotografische Anfrage: bei Christoph Schellhaus von der Lichtbildnerei war ein männliches Model ausgefallen, er brauchte dringend jemand für Produktfotos, gleich am nächsten Vormittag, gegen Bezahlung.
Da ich Zeit hatte, schon immer mal wissen wollte, wie man sich als Model fühlt und natürlich neugierig auf Christophs Arbeit war, hab ich nach kurzer Bedenkzeit zugesagt, und fand mich den nächsten Tag als Model wieder.
War sehr interessant! Hab festgestellt, das Model sein viel mit Warten zu tun hat, während Fotograf, Helfer und natürlich der Art Designer Sets entscheiden, umstellen, Bilder beurteilen und Ziele abhaken.
Hab mal wieder gemerkt, wie anstrengend es ist, ein freundliches Gesicht zu machen, wenn einen die Sonne blendet. Dass der alte Trick gegen kleine Augen bei Sonne, die Augen kurz zu schließen und auf Kommando wieder zu öffnen echt anstrengend ist, weil man nach kurzem Augen schließen natürlich noch mehr in die Sonne blinzelt.
Was ich nächstes Mal besser machen könnte:
- Ersatzkleidung mitnehmen.
Ich hatte die besprochene Kleidung an (soweit es ging, meinem Kleiderschrank "Biedere aber nicht förmliche Kleidung" zu entlocken war eine echte Herausforderung), aber ich hätte gut noch ein Kurzarmhemd mithaben können, bei dem Wetter. Oder vielleicht noch was anderes.
- Wasser mitnehmen.
Eine Tasche mit was zu trinken, vielleicht auch was zu knabbern - es dauert ja doch länger, als man annimmt.
- Lächeln üben.
Ich finde es gar nicht so einfach, auf Kommando ein freundliches Gesicht zu machen, ohne dabei dämlich auszusehen. Manchmal neige ich zur grimassenhaften Übertreibung, manchmal sehen meine Augen einfach nur Müde aus. Reine Übungssache, das hab ich, als ich noch viele Selbstportraits gemacht habe, schon mal besser gekonnt.
Was ich aus Fotografensicht dazugelernt habe:
- Ruhe bewahren.
Bei der Arbeit mit Models habe ich immer das Gefühl, das meine volle Aufmerksamkeit dem Model gelten sollte. Manchmal muss man aber seine volle Aufmerksamkeit auf die Fotos richten, um sicherzustellen, das man die richtigen Bilder bekommt. Das Model übersteht das problemlos, sich mal ein paar Momente erholen zu können.
- Zu zweit auch mal abwechseln
Was mir sehr gut gefiel, oft wurde zu zweit fotografiert: einer an der Kamera, einer am Notebook (tethered Shooting), reichlich Kommunikation "wo soll die Schärfe liegen, Personen oder Produkt?", "Das Schild links im Bild stört" und auch mal Wechsel "Ok, geh Du jetzt mal an die Kamera und lass mich ans Notebook". Vier Augen sehen mehr, vor allem wenn man sich abwechselt.
- Gaffertape dabei haben.
Manche Dinge sollten in jede Fototasche: Gaffertape, Kabelbinder, Ball Bungees oder ähnliches. Bei Außenshoots einen Handfeger ins Auto legen (Im Winter auch sinnvoll einsetzbar, um Schnee vom Autodach zu fegen). Es gibt immer Situationen wo man solche Sachen gut zum Improvisieren gebrauchen kann.
Ach ja, und da die Frage bestimmt kommt: Ich habe selber auch noch keine Fotos von dem Shooting gesehen, werde demnächst mal nachfragen, ob ich davon welche bekommen und veröffentlichen kann.
[Update] Inzwischen sind Fotos online im Katalog zu sehen.
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