Schwan beisst in Hand
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Als ich anfing, Lightroom zu benutzen, fiel mir natürlich auch der Reiter "Kamerakalibrierung" im Entwickler-Modus auf: einmal kurz reingeschaut, fragend geguckt und wieder vergessen habe ich ihn danach schlicht nicht mehr wahrgenommen.

Doch kürzlich bin ich auf den Hintergrund zu diesem Reiter gestoßen, zusammen mit einer Anleitung, wie man die passenden Werte für diesen Reiter findet:

Hintergrund

Man kann in Lightroom keine "echten" Kameraprofile hinterlegen. Stattdessen sind die Entwickler einen anderen Weg gegangen: Sie lassen sich von jeder neuen Kamera ein Musterexemplar schicken, machen davon ein (oder mehrere) Kameraprofile und hinterlegen diese fest in Lightroom.

Das wäre auch soweit völlig ok, denn eigentlich machen Kameraprofile immer nur für genau eine Lichtsituation Sinn, werden also in erster Linie bei Produktfotografie benutzt, wo das Set immer genau gleich aufgebaut, das Licht immer genau identisch ist.

Die von Adobe erstellten Profile hingegen funktionieren im Allgemeinen sehr gut, in dem Rahmen, in dem das möglich ist.

Warum dann ein Reiter Kamerakalibrierung?

Stichworte Serienstreuung: Keine zwei Kameras sind exakt identisch. Man kann damit die Farbwiedergabe der eigenen Kamera verbessern.

Was braucht man dafür?

Im Gegensatz zu einer vollwertigen Kalibrierung der Kamera braucht man für die Feineinstellung in Lightroom "nur" ein GretagMcBeth oder xRite ColorChecker Referenzchart, Photoshop CS2/3/4 mit Adobe Camera Raw und ein kleines Script mit Namen AcrCalibrator.

Anleitungen gibt es bei Chromoholics, der auch das Script bereitstellt, und bei Luminous Landscape.

Ganz grob: man fotografiert die Referenzkarte bei kontrolliertem Sonnen- oder Blitzlicht, öffnet sie auf bestimmte Weise in Adobe Camera Raw (nicht Lightroom), setzt einen Pfad, startet dann das Script AcrCalibrator, wartet auf die Ergebnisse (hat bei mir 25 Minuten gedauert), trägt diese in Lightroom und/oder Adobe Camera Raw unter Kamerakalibrierung ein.

Dann kann man diese Werte als Preset speichern, um sie für weitere Bilder der gleichen Kamera einfach aufrufen zu können.

Lohnt sich das?

Ich war überrascht, hatte ehrlich gesagt mit weniger Unterschied in den Farben gerechnet. Ob es sich lohnt, ist wie immer eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.

Das folgende Bild zeigt das Testchart ohne Kalibrierung, wenn Du die Maus auf das Bild bewegst, zeigt er das Bild mit Kalibrierung:

Die Rollover-Fotos sind im RSS-Reader leider nicht zu sehen.

Ob sich das lohnt, ist Ansichtssache. Die Farben werden natürlicher wiedergegeben, aber wenn man Farb- oder Polfilter benutzt, seine Bilder ohnehin verfremdet, viel an den Farben arbeitet, dann ändert es ja nur die Grundlage, auf der man weiterarbeitet.

Fotografiert man Produkte, macht Repros, halt Dinge, wo eine korrekte Farbwiedergabe wünschenswert ist, dann kann es einem sehr weiterhelfen.

Wenn man seine Bilder ohnehin nur ins Internet stellt, oder beim Drogeriemarkt ausbelichten lässt, wird sich das aber wohl eher nicht lohnen, eventuell gewonnene Farbtreue geht auf dem weiteren Weg verloren.

Wie wirkt sich das bei normalen Fotos aus?

Nun habe ich also ein Profil meiner Kamera bei Blitzlicht. Bleibt die spannende Frage: bringt mir das außerhalb von dieser einen speziellen Lichtsituation überhaupt irgendwas?

Um das herauszufinden, habe ich ein paar alte Bilder aus meinem Archiv geholt, die mit der D90 gemacht wurden, und diese nachträglich mit und ohne das neue Profil entwickelt. Alle anderen Einstellungen im RAW-Konverter habe ich unverändert gelassen.

Bei meiner D90 hat das Profil die Rot und Grün-Töne am stärksten verändert. Bilder von grüner Natur und von roten Dingen sehen teilweise deutlich anders aus.

Eines der ersten Fotos, die ich mir mit dem Profil angeschaut habe, war das folgende Foto von Birgit in der Vormittags-Sonne. Die Rot-Töne ihrer Jacke und Hose sind mit dem Profil deutlich realistischer als ohne:

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Das folgende Bild entstand bei bewölktem Himmel. Man sieht, dass die Rottöne anders sind, welches einem besser gefällt ist natürlich Geschmackssache:

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Bei den meisten Fotos ist es schlicht Geschmackssache, ob man das Bild mit oder ohne Kameraprofil besser findet. Aber immerhin ist es wieder eine oft sinnvolle Auswahl mehr.

Veröffentlicht am Do, 24. Sep 2009, 06:23 von Sam

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