Badehäuser in Dagebüll
Sam Jost
 RSS-Abo



Mehr von Sam
radeldudel.de durchsuchen:
Farbmanagement für die Digitalfotografie

Auf meinen Artikel "Sich ändern durch Selbstbeobachtung" kam die berechtigte Frage

Wie mache ich das?

Der übliche Wunsch ist, sich einfach zu ändern. Das störende Verhalten einfach sein lassen, loswerden. Bloß nicht zu viel drauf gucken, es ist ja schließlich unangenehm, und peinlich, wenn man merkt, wie man sich manchmal benimmt.

Also lieber nicht hingucken, sondern einfach sein lassen.

Klappt nicht? Na sowas!

Überrascht mich nicht.

Die dämlichen Verhaltensweisen, die Du so einfach sein lassen kannst, die bist Du schon lange los.

Weitere Macken musst Du erst mal bemerken, verstehen und akzeptieren, bevor Du sie loswerden kannst.

Jede Marotte, die Du Dir angewöhnt hast, kommt irgendwo her. Ist irgendwann entstanden, hast Du Dir irgendwann angewöhnt. Und zwar nicht zufällig.

Du hast Dir die Macke angewöhnt, weil sie Dir geholfen hat.

Wobei auch immer, irgendwo für war Dir diese Marotte mal nützlich.

Um die Macke zu ändern, hilft es, Dich selber zu beobachten. "Du selber", dazu gehören auch die Leute, mit denen Du umgehst. Wenn Du Dich mit Leuten unterhältst, sei Aufmerksam. Für das, was Du selber sagst, wie Deine Stimme klingt, wie Du Dich hältst, fühlst. Und auch, wie andere sich verhalten. Wie sich ihre Stimme, ihre Stimmlage ändert. Welche Worte sie benutzen, wie sie sich halten.

Aber leg nicht jedes Wort auf die Goldwaage! Weder Deins noch das des Gegenüber. Denk nicht darüber nach, warum er/sie jetzt grad das Wort benutzt hat! Sondern Fühl Dich in die Person ein: ist sie ängstlich? Bedrängt? Ausweichend? Fordernd? Aggressiv?

Genauso natürlich Dein Verhalten: Bist Du selber Fordernd? Aggressiv? Stur? Fröhlich? Albern?

Ist Dein Verhalten der Situation angemessen?

Wenn Du aufmerksam bist, wirst Du Situationen finden, Wo Du unnötig aggressiv/ängstlich/ausweichend/wasauchimmer bist. Überhaupt nicht der Situation angemessen. Wo Dein Verhalten keine bedachte, bewusste Reaktion ist, keine Antwort, sondern ein Reflex, eine angelernte, automatische, unbewusste Verhaltensweise.

Wo hat Dir diese Verhaltensweise, diese Macke in der Vergangenheit geholfen?

Jede Macke hast Du Dir angewöhnt, weil sie Dir früher mal geholfen hat. Oder Du das zumindest geglaubt hast. Überlege Dir, wobei Dir Deine Macke geholfen hat. Wofür war die mal gut?

Wenn Du das gefunden hast, wenn Du die Macke gefunden hast, die Dich stört, und herausgefunden hast, wofür sie mal gut war, dann kannst Du, wenn Du merkst, wie Du in diese Macke fällst, reflexartig reagierst, Dir überlegen, wofür diese Macke mal gut war, und Dich fragen:

Hilft mir das jetzt, hier, auch noch?

Dir bewusst überlegen, ob es Dir jetzt grade nützlicher wäre, Dich entgegen Deiner Macke zu benehmen.

Und wenn Du Dich das oft genug machst, kannst Du damit Deine Macke, Deinen Reflex, umtrainieren zu einem anderen Verhalten. Einem Verhalten, dass Dir jetzt vielleicht nützlicher ist.

Hoffentlich zu einer liebenswerteren Macke ;)

Und wenn Du merkst, dass Du es während eines Gespräches nicht geschafft hast, darauf zu achten, wie Du Dich benommen hast, dann denke hinterher drüber nach. Mach Dich nicht fertig mit "Ich habs schon wieder nicht geschafft" - akzeptiere es, amüsier Dich darüber, über Dich selber, darüber, dass dieses Verhalten so tief drin sitzt.

Du hast Dir diese Verhaltensweise über einen langen Zeitraum angewöhnt, erwarte nicht, dass sie über Nacht verschwindet. Lass Dir Zeit, bleib dabei, setz Dich nicht unter Druck.

Und hab Spaß dabei. Spaß beim selber beobachten. Es hilft.

Veröffentlicht am So, 14. Jun 2009, 22:25 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.

Anmelden, um den Artikel zu diskutieren.

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.