
Vor gut 20 Jahren habe ich mir meine erste eigene Kamera gekauft, eine Nikon, mit der ich viele Jahre sehr zufrieden war. Das einzige, was mich von der Nikon SLR weg bewegte, war der Wunsch, digital zu fotografieren, weswegen ich vor etwa neun Jahren eine Digicam kaufte (DSLR waren zu der Zeit völlig unbezahlbar).
Meine zweite digitale Kamera wurde vor fünf Jahren wieder eine Spiegelreflex, in erster Linie aus Kostengründen entschied ich mich für Pentax, statt bei Nikon zu bleiben.
Mein Pentax-System habe ich dann gut fünf Jahre ausgebaut, umgebaut, und war sehr zufrieden damit, doch seit letztem Jahr zwackt mich das System in verschiedenen Ecken. Erst Kleinigkeiten, wie die fehlende Blitzfunktion auf den zweiten Verschlussvorhang bei Verwendung von Funkauslösern; die nicht sehr umfangreiche Auswahl an guten Objektiven und anderem Zubehör war unschön, und als die Kamerasparte von Pentax dann mehrfach verkauft wurde, mehr und mehr Sparmaßnahmen ergriffen wurden, entschied ich mich, Pentax zu verlassen. Und wenn ich lese, das für die K7 kein Tethered Shooting vorgesehen ist, scheint es die richtige Entscheidung zu sein.
Für mich war ziemlich klar, dass es wieder Nikon wird. Canon war nie meins, Sony ist mir einfach noch zu frisch am Markt (auch wenn ich glaube, dass die sich sehr ins Zeug legen werden), und bei Olympus sind mir die Sensoren zu klein, mich reizt da eher das Vollformat mit seiner noch geringeren Tiefenschärfe.
Als mir klar war, dass ich wechseln will, habe ich mir zum Kennenlernen günstig eine D40 und das viel gelobte Nikkor 18-200 auf ebay ersteigert, später kam das Tokina 11-16/2.8 und ein 85/1.8 dazu.
Für den ernsthaften Umstieg holte ich mir dann eine D90 mit dem AF-S 50/1.4, bevor ich meine Pentax verkaufte.
Als Zoomyboy dann seine Nikon-Ausrüstung verkaufte, schlug ich zu und erstand unter anderem seine D80, so dass ich inzwischen eine Grundausstattung samt Ersatzbody für Nikon habe.
So ein Systemwechsel bringt natürlich immer einige Veränderungen mit sich. In erster Linie freute ich mich auf das neue System, die Veränderung, doch ein paar Dinge sind mir bei dem Wechsel auch negativ aufgefallen.

Was mir an Pentax besser gefiel
- Eine Sache, an die ich mich bei der Nikon immer noch nicht gewöhnt habe: man dreht das Objektiv falsch rum drauf. Bei Pentax rastet das Objektiv in Richtung Uhrzeigersinn ein, wie man auch eine Schraube fest oder einen Wasserhahn zu drehen würde.
Bei Nikon nimmt man so das Objektiv ab.
Obwohl ich vorher über 10 Jahre mit Nikon fotografiert habe, geht der Pentax-Weg für mich locker intuitiv aus der Hand, während ich bei der Nikon ab und an einen Versuch in die falsche Richtung starte.
- An die Playback-Anzeige der Nikon habe ich mich noch nicht wirklich gewöhnt. Während ich bei der Pentax nahezu sofort erkennen konnte, ob/wo ein Bild scharf ist, fällt mir das selbst eingezoomt bei der D90 mit ihrem riesen Display schwer, auch nach über 7.000 Fotos.
Auf der D40 empfinde ich die Beurteilung am Display sogar als halbwegs unmöglich, die Wiedergabe sieht für mich bei Vergrößerung aus, als wäre das ein überkomprimiertes JPG in grottiger Qualität.
- Überflüssig, aber nicht so störend, war das AF-Hilfslicht. Nicht nur, weil es das Motiv annervt, angeleuchtet zu werden, sondern vor allem, weil es so dicht am Objektiv platziert ist, dass das Hilfslicht es meist nicht schafft, an meinen Objektiven vorbeizuleuchten. Das AF-Hilfslicht flackerte also wild rum, davon kam beim Motiv dank im weg seienden Objektivs wenig an, es nervte, half aber nicht beim Scharfstellen.
Zum Glück war diese Funktion deaktivierbar. Sonst hätte ich die Lampe vermutlich dichtgeklebt.
- Auch das Feedback bei voller Speicherkarte war bei Pentax deutlicher - dort war mir dank deutlicher Anzeige "Memory card full" immer klar, was los war, bei der Nikon habe ich schon ein wenig öfter hinsehen müssen, bevor ich wusste, wonach ich Ausschau halten muss.
- Besser gelöst finde ich bei Pentax auch das Scrollen und Zoomen in der Anzeige: es lässt sich komplett mit der rechten Hand bedienen, während ich bei den Nikons zum Zoomen die linke Hand zu Hilfe nehmen muss, ich also zwischen Fotografieren und Betrachten die Linke Hand immer zwischen Objektiv und Kamera wechseln muss. Schade!
- Birgit und ich fotografieren beide sehr viel Manuell. Entsprechend oft brauchen wir die Anzeige von Blende und Zeit, die bei Pentax deutlich größer und damit besser lesbar sind, sowohl auf dem Top-Display, wie auch im Sucher.
Bei Nikon sind dafür viel mehr Informationen im Sucher und der Anzeige, die ich aber nur selten brauche.
Mit der D40 war ich recht zufrieden, dafür dass es sich um eine inzwischen extrem günstige Einsteigerkamera handelt, ist sie sehr gut. Von der D90 dagegen hatte ich dagegen aufgrund der vielen Werbung und Berichte ein paar Dinge erwartet, die sie nicht erfüllen konnte:
Was mich an Nikon enttäuscht hat
- Pentax ist nicht für seinen Autofokus berühmt. Eher im Gegenteil wird sich in Foren oft über den etwas gemächlich arbeitenden, teilweise ungenauen AF beschwert. Eigentlich hatte ich nur ein Objektiv, wo der AF so funktionierte, wie ich das von ihm erwartet hätte, das FA*200/2.8.
Da bei Nikon der AF deutlich besser sein sollte, habe ich vom Nikon-AF entsprechend eine Leistung erwartet, die dem Pentax FA*200/2.8 entsprach … und wurde enttäuscht. Der AF mag etwas besser sein, aber so gut ist er leider auch wieder nicht, jedenfalls nicht bei meinen jetzigen Objektiven an der D90.
- Was mich an (D)SLRs am meisten stört, ist das unvermeidliche Auslösegeräusch. Am Wochenende haben wir eine Videoaufnahme eines Konzertes gesehen, wo man stetig das klackern einer DSLR im Hintergrund hörte - höchst störend!
Irgendwie hatte ich die irrige Hoffnung, dass man mit dem Liveview der D90 lautlos fotografieren könnte: der Spiegel ist ja schon oben, also kann ja einfach ein Foto gemacht werden. Fehlanzeige! Bei Liveview gibt’s reichlich Auslösegeräusche, sehr enttäuschend.
- Active D-Lighting wurde viel gelobt - scheint aber nur für JPG-Fotografen ernsthaft was zu bringen, oder vielleicht noch, wenn man Nikons Raw-Konverter einsetzt. Da ich beides nicht tu, war die Funktion eher überflüssig.
Die Gegenrichtung ist schwieriger: Nicht, weil bei der Nikon nichts besser wäre, im Gegenteil, sondern weil mir die Sachen auffallen, die ich vermisse. Was jetzt besser ist, würde mir wohl erst auffallen, wenn ich wieder zurück zu Pentax wechsel und es vermisse. Dummerweise habe ich nicht vor, das für diesen Artikel zu tun.
Entsprechend fällt diese Liste wohl kürzer aus, als sie sein könnte.

Was mir an Nikon besser gefällt
- Bei meinen Pentax fing die Akku-Anzeige erst dann an, sich zu bewegen, wenn der Akku schon fast leer war, die Kamera wurde schon träge. Nicht besonders hilfreich für eine Akku-Anzeige. Bei Nikon ist die Anzeige deutlich hilfreicher.
- Gleich beim Auspacken fiel es mir auf: Nikon benutzt Standard USB-Kabel! Bei Pentax hat mich das Spezial-USB-Kabel immer kolossal genervt, zum einen weil ich ein extra Kabel bereit halten musste, und weil ich es fürs tethered Shooting nicht durch ein längeres Kabel ersetzen konnte, sondern mit Verlängerung stückeln musste.
- Das scrollen geht bei der D90 flüssiger, und er blendet die Übersicht nach kurzer Zeit aus, sehr schön.
- Endlich blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang (wobei ich es noch nicht genutzt habe - aber bei Pentax wollte ich es mal nutzen, und war enttäuscht, dass es mit einem Funkauslöser nicht möglich war - es ging nur, wenn der Blitz direkt an der Kamera hing, was mir nicht weiter half).
- Hin und wieder fotografieren wir auf einer Veranstaltung mit zwei oder gar drei Kameras parallel. Entsprechend ist es mir wichtig, die Fotos hinterher in die korrekte Reihenfolge zu bringen. Bei Pentax konnte ich die Uhr nur Minutengenau einstellen, wodurch die Fotos der verschiedenen Kameras später teilweise in der falschen Reihenfolge waren. Bei Nikon lässt sich die Uhr Sekundengenau einstellen, was dieses Problem deutlich verringert.
Im Endeffekt sind das Kleinigkeiten, mit denen ich leben kann. Ich würde deswegen nicht zurück zu Pentax oder weiter zu einem anderen System wechseln.
Doch da es meiner Meinung nach im Internet viel zu selten solche "weichen" Informationen zu lesen gibt, habe ich sie hier für andere aufgeschrieben, die vielleicht mit verschiedenen Systemen liebäugeln.
Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.