Schiffe auf der Rumregatta
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Ich habe grade mal wieder vor Augen geführt bekommen, wie sehr sich manche Leute durch Probleme aus dem Konzept bringen lassen, und darüber völlig vergessen, was in dem Moment grade wirklich wichtig ist:

Er wollte einen "Dia"-Vortrag über Notebook und Beamer halten, hatte das auch alles vorher probiert. Vor Ort stöpselte er alles zusammen, startete den Rechner, und dann passierte das Unglück:

Die externe Maus funktionierte nicht.

Für mich war klar, schmeißt man halt die Maus in die Ecke und macht das über Touchpad und Tastatur.

Doch nicht für ihn: ihm war die nicht funktionierende Maus wichtiger als der Vortrag. Alles hat er probiert, um die Maus wieder zum Laufen zu bringen: Rechner neu starten, Beamer abstöpseln, Rechner ohne Beamer neu starten, Maus in anderen USB-Port stecken, Rechner wieder neu starten, und alles noch mal von vorne. Über 30 Minuten kam er nicht weiter, beharrte aber darauf, dass das gehen muss, denn "eben grade hatte sie doch noch funktioniert". Ich war ganz froh, dass er keine Windows-CD mit hatte, um sein System zu reparieren oder ähnliches.

Selbst, als ihm jemand eine funktionierende Maus als Ersatz gab, konnte er das Problem nicht los lassen: "Eben ging sie doch nicht", "die kann doch nicht jetzt kaputt gehen", immer wieder.

Für mich erschreckend: da ist jemand, der setzt sich ein, macht und tut und rührt, Bewegt damit tolle Dinge, kriegt im großen richtig was gebacken, und scheitert nahezu an so einem unwichtigen Detail. An einem Detail, dass er ohne Folgen mit einem Schulterzucken abtun könnte.

Dieses Muster sehe ich erschreckend oft: jemand lässt sich durch ein eher nebensächliches, unwichtiges Detail völlig aus dem Tritt bringen. Irgend etwas funktioniert nicht wie erwartet, sie vergessen völlig ihre eigentliche Aufgabe, ihr eigentliches Ziel, und verbeißen sich in das Problem.

Bei der Foto-Session letzte Woche streikte irgendwann überraschend das Tethered Shooting. Nach ein paar schnellen Versuchen, die Verbindung zwischen Kamera und Notebook wieder herzustellen, entschied ich, dass das Shooting wichtiger ist als die (sehr praktische) Anzeige des Fotos auf dem Notebook, und wir machten per Kameradisplay weiter.

Nebenher tauschte ich in den Pausen-Momenten, wo Steffi das Set umstellte, alle möglichen Problemursachen aus, die mir einfielen: neuen Akku in die Kamera, anderes USB-Kabel, Notebook runterfahren und neu starten.

Das Shooting lief derweil natürlich weiter, denn das Shooting war wichtig. Die Anzeige auf dem Notebook hingegen war zwar praktisch, aber nicht wichtig.

Nachdem ich alles getauscht hatte, was das Problem verursacht haben könnte, probierte ich die Kameraverbindung wieder, und wir konnten den Rest des Shootings wieder mit dem Notebook als Display arbeiten.

Dadurch weiß ich jetzt nicht, ob das Problem am Kabel, am Notebook, am Akku, oder an etwas ganz anderem lag.

Aber die Ursache war in dem Moment nicht wichtig.

Wichtig war das Shooting.

Und diese Unterscheidung scheint vielen Menschen zu fehlen: zu sehen, was in dem aktuellen Moment grade wirklich wichtig ist, und sich darauf zu konzentrieren. Sich nicht von etwas ablenken zu lassen, was in diesem Moment zwar akut, aber nicht unbedingt wichtig ist.

Die Wichtigkeit hängt natürlich stark von der Situation ab: während in einem Shooting mit Modellen die Modelle und damit das Shooting wichtiger ist als die Anbindung von Kamera ans Notebook, würde das in einer anderen Situation völlig anders ausfallen:

Würde zu Hause beim Fotografieren (ohne Zeitdruck, ohne andere Leute) so ein Problem mit dem Tethered Shooting auftauchen, dann würde ich es wahrscheinlich für wichtiger halten, herauszufinden, was genau beim Tethered Shooting klemmt. Denn dieses Problem kennen zu lernen, wäre für mich für zukünftige Einsätze interessant, während die Fotos von ein paar Gegenständen auch warten könnten.

Was ist jetzt grade wichtig?

Für mich gibt es in Shootings bei allem was ich mache, immer die eine Entscheidende Frage:

Was ist jetzt grade wichtig?

Ist es jetzt wichtiger, die Belichtung zu testen, weil ich sonst mit Pech alle folgenden Fotos vergessen kann, weil z.B. die falsche ISO eingestellt war? Oder ist es wichtiger, schnell viele Fotos von grade diesem Moment zu machen?

Ist es grade wichtiger, das zuletzt gemachte Foto zu kontrollieren, oder verpasse ich dadurch unter Umständen ein noch viel besseres Foto?

Ist es wichtig, zu wissen, warum der AF grade nicht funktioniert? Oder kann ich manuell weitermachen?

Eine falsche Entscheidung in diesem Zusammenhang kann ein komplettes Shooting zunichte machen. Entweder, indem ich das Set ignoriere, oder weil ich blind die Kameraeinstellungen vom letzten Abend weiterbenutze.

Veröffentlicht am So, 07. Jun 2009, 00:13 von Sam

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