Fotograf und Tänzerin im Spiegel
Sam Jost
 RSS-Abo



Mehr von Sam
radeldudel.de durchsuchen:
Farbmanagement für die Digitalfotografie

Mein Plan war ja, Freitags zu schreiben, doch diesen Freitag fand ich mich zu meiner freudigen Überraschung mit Stefanie Kölln und vier Tänzerinnen in einem kleinen Tanzstudio in Hamburg, um dort einen Teil der neuen Closh-Tanzmode-Kollektion zu fotografieren.

Die Vorbereitungen für diesen Einsatz waren recht simpel: ein paar Tage vorher trafen Steffi und ich uns, um zu besprechen, was für Bilder sie braucht, ich hab alle Akkus frisch geladen, sowohl die besprochene Beleuchtungsituation wie auch "tethered Shooting" vorher einmal zu Hause ausprobiert, und dann einfach ziemlich alle Foto- und Strobist-Sachen eingepackt, die ich in die Finger bekam.

Vor Ort

Der Raum, in dem wir fotografiert haben, hatte auf zwei Seiten Fenster, wo die Sonne rein schien, helle Wände und Boden und einen riesigen Spiegel - insgesamt war der Raum also sehr hell. Da die D90 keine besonders schnelle Sync-Zeit hat, hätte ich für das Fotografieren mit Blende 2.8 für unscharfe Hintergründe einen Graufilter gebraucht, oder eine Kamera die bis ISO 25 geht.

Wobei die offene Blende noch an einem weiteren Punkt scheiterte: dem Objektiv. Mein erster Plan war, die Fotos mit dem 50mm Objektiv zu machen, das musste ich mangels Platz ganz schnell verwerfen, und hatte als einzige verwendbare Alternative den nicht besonders Lichtstarken 18-200 Zoom - immerhin hat dieses Nikkor eine ziemlich brauchbare Bildqualität, aber ich habe gemerkt, das mir ein gutes Nahbereichs-Zoomobjektiv mit Blende 2.8 fehlt. Und dazu dann ein leichter Graufilter, damit ich es auch bei so hellem Licht noch offen verwenden kann.

Plaziert haben wir die Modelle vor den Fenstern, und sie dann von seitlich vorne mit einem Durchlichtschirm aufgehellt. Nachdem ich anfangs erfolglos versucht habe, ein Haarlicht / Rimlight mit Hilfe eines Statives einzusetzen (das Stativ war ständig im Bild, oder der Blitz leuchtete nicht dort hin, wo das Licht gebraucht wurde), kamen wir erst nach der ersten Pause auf die simple Lösung, das einfach ein anderes Modell das Haarlicht hielt und damit auf den Rücken des Motivs leuchtete.

Tethered Shooting

Was ich bei diesem Shooting das erste Mal eingesetzt hab, und wo ich mich frage, wie ich jemals ohne arbeiten konnte, ist "tethered Shooting", was in meinem Fall bedeutete, das die Kamera mit einem 3m USB-Kabel an ein Notebook angeschlossen war, und das Notebook das gemachte Foto dann sofort auf seinem Display anzeigt. Vorbei die Zeiten, wo man zu zweit oder dritt auf das mickrige Kameradisplay schaut um zu entscheiden, ob das Bild nun gut ist. Stattdessen sieht man die Fotos gleich in groß, erkennt viel schneller unerwünschte Dinge im Bild, ob der Gesichtsausdruck gut ist, und und und. Überhaupt kein Vergleich! Vorbei die Zeit des Speicherkartenwechsels, denn die Fotos werden auch direkt auf dem Notebook gespeichert.

Wobei ich das Notebook nur als Anzeige und Speicher genutzt habe, die Steuerung und fotografiert habe ich weiterhin an der Kamera selber.

Nie wieder ohne! Und das, obwohl die Nikon-Software ein paar unschöne Macken hat: der geringere Pufferspeicher und die entstehende Wartezeit ist nicht so schlimm, da die Blitz ja auch aufladen, aber wenn die Kabelverbindung abbricht, was unerklärlichweise nach ein paar Stunden ein paar mal passierte, ist das zuletzt gemacht Foto verloren, was sehr ärgerlich ist.

Im Praxiseinsatz noch ärgerlicher: die Software zeigt das aktuell gemachte Foto unscharf an, während sie es lädt. Klingt unscheinbar, ist aber extrem nervig wenn man wie ich in raw+jpg fotografiert: in diesem Fall lädt die Software nämlich zu erst das jpg von der Kamera, zeigt es nahezu sofort scharf an. Dann lädt sie das RAW von der Kamera, und zeigt es unscharf an, während sie es rendert - man hat also kurz das Foto scharf auf dem Notebook, und dann wird es gleich wieder unscharf, um lange unscharf zu bleiben. Das ist echt dämlich und nervig! Würde er das unscharfe RAW nicht anzeigen, so hätte ich dank des JPG sofort die Kontrolle am Bild. So muss ich leider drauf warten, bis er das RAW umgerechnet hat.

Das eingesetzte Material

Nach einem Einsatz finde ich es interessant zu sehen, welche Sachen ich wirklich gebraucht habe. In diesem Fall war das weniger als erwartet:

das auf dem Bild zu sehende Kamerastativ habe ich nachher dann doch nicht mehr verwendet, frei fotografieren war praktischer und flexibler.

Was hätte ich gern mehr gehabt

Bei so einem Einsatz gibt es ja immer ein paar Dinge, die ich gerne gehabt hätte. Entweder schon während des Fotografierens, oder hinterher fällt mir da doch das eine oder andere ein:

Was gab es an Problemen?

Persönliches Fazit

Das Shooting war super, die Tänzerinnen waren grandios, zum Glück hatte Steffi die inhaltliche Leitung, denn bei diesem Shooting ist mir mal wieder mein größtes Defizit aufgefallen: ich muss am Umgang mit den Modellen arbeiten. Konkrete Vorstellungen entwickeln, was ich mir vorstellen kann, die Modelle mit Worten darin unterstützen, sich in einer Rolle, einem Motiv einzufinden.

Und das ist, wie ziemlich alles, vor allem eine Übungssache: ich muss üben, üben, üben, und zwar mit verschiedenen Modellen. Gegen Ende des Shoots taute ich dann auch so langsam auf, aber ich bewunder Steffi für ihre Energie und ihren Einsatz bei dieser Aktion!

Veröffentlicht am So, 31. Mai 2009, 21:00 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.

Anmelden, um den Artikel zu diskutieren.

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.