Flensburger Hafen-Panorama
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

braune Steine

Du hast Zeit! Eine Kamera! Möchtest ein paar schöne Fotos machen. Dir fällt aber überhaupt nichts ein, was du fotografieren könntest. 

Du ziehst los. Mit Kamera. Die ganze Zeit denkst du über schöne Motive nach. Überlegst, was du fotografieren könntest. Nicht ein schönes Motiv begegnet dir. Du machst ein paar halbherzige Fotos.

Frustriert kehrst du nach Hause zurück. Denkst Dir, dass es am Wetter liegt. An dem langweiligen Ort, in dem Du wohnst. Am falschen Zeitpunkt. Dem fehlenden Haustier. Der falschen Brennweite. An Irgendwas!

"Die anderen haben so schöne Motive vor der Haustür!" 

Rotgrüner Schiffsrumpf spiegelt sich im Wasser

Die Idee liegt nahe: all die Fotografen, die interessante Fotos hochladen, wohnen einfach interessanter. Haben den interessanteren Beruf, den interessanteren Partner, die interessanteren Haustiere, sogar die interessanteren Topfpflanzen.

Du musst dringend mal in eine schicke Stadt fahren. Einen Urlaub in einer schönen Gegend machen. Dir eine Katze zulegen. 

Quark! Mit Soße! 

Steine mit Hier

Zum Einen: Für die Fotografen von besonderen Fotos ist ihre Umgebung genauso alltäglich, wie deine Umgebung für dich.

Außerdem: wenn du mal ehrlich hinschaust, wirst du viele Fotos von Dingen sehen, die es in deiner Umgebung genauso gibt. Gute Fotos. Mit einfachstem Inhalt: Ein paar Bleistifte, Blätter, eine Blüte. Laternen, ein Weg. Ein Baum.

Alles Dinge, die auch um dich herum sind. Dinge, die du auch hättest sehen und fotografieren können. Du hast sie aber nicht gesehen. Selbst mit dem Bild vor Augen fällt dir nicht auf, dass es das bei dir auch gibt. Du denkst, woanders sähen die Bäume viel schöner aus. 

"Wieso sehen diese Fotografen Dinge, die ich nicht sehe?"

Wandelgang im Sonnenlicht

Ich bin immer völlig hin und weg, wenn ich ein Foto sehe, wo ein völlig alltäglicher Gegenstand auf besondere Weise fotografiert wurde. Ein Buchrücken. Ein Ausschnitt einer Blume. Ein alter Handschuh. Fotos, die durch ihre Einfachheit, ihre Muster, ihre Farben überzeugen. Die uns bekannte Dinge in neuem Licht sehen lassen.

Ein einfaches Foto von etwas besonderem machen, das kann jeder. Von etwas einfachem ein besonderes Foto zu machen, das ist die Kunst! 

Die Motive sind da! Nur Du fehlst!

Ist dir schon mal jemand begegnet, der Selbstgespräche führt? Vor sich hin brabbelt und dabei abwesend durch die Straßen läuft? Hat dieser Selbstgespräche-Führer noch Aufmerksamkeit für seine Umgebung? Natürlich nicht, er ist völlig in seinem Selbstgespräch verwickelt.

Und wie ist das mit Dir, wenn du Motivsuchend durch die Straßen läufst? Ist nicht der einzige Unterschied, dass Du Deine Gedanken nicht laut aussprichst?

Gehen Dir nicht ständig Gedanken durch den Kopf: "gibt's denn nichts gutes zu fotografieren", "ob ich auf dem Rückweg noch was einkaufen sollte", "könnte das da vielleicht ein gutes Foto ergeben?", "ich will endlich wieder Sonne", "Hier gibt es einfach nichts Gutes zum Fotografieren", "Wenn ich woanders wohnen würde...", "vielleicht finde ich am Markt was sehenswertes", und wieder von vorne.

"Aber ich bin doch da! Ich suche doch nach Motiven!"

Flensburger Rathaus

Körperlich, ja. Aber Deine Aufmerksamkeit dreht sich in Deinem Kopf um Deine Gedanken. Deine Aufmerksamkeit ist nicht bei Deiner Umgebung, und wenn, dann nur bei den Dingen, die zu Deinen Gedanken passen: die Dinge, die nicht zum Fotografieren taugen, die langweilig sind, die Deine Gedanken bestätigen.

Wenn Du nicht aufpasst, sabbelt Dich Dein Verstand einfach dicht. Redet ununterbrochen auf Dich ein. Du hast dann das Gefühl, Du würdest Motive suchen, aber in Wirklichkeit denkst Du nur. Stolperst wie der Selbstgespräche führende Mensch durch die Gegend, ohne Deine Umgebung mitzubekommen.

Und läufst an den schönsten Motiven vorbei, siehst sie nicht mal, weil Du damit beschäftigt bist, Deinen sich endlos wiederholenden Gedanken zuzuhören.

Achte auf Deine Umgebung, nicht auf Deine Gedanken! 

Stell Dir vor, Deine Gedanken wären nicht in Deinem Kopf, sondern neben Dir steht jemand, der sie ausspricht, der Dich mit Deinen Gedanken vollbrabbelt.

Du kannst das Gebrabbel nicht stoppen, Du kannst Deine Gedanken nicht aufhören lassen, Du hörst sie auch, wenn Du Deine Ohren zu hältst - aber Du kannst sie ignorieren! Einfach nicht auf die Gedanken achten! Ihnen keine Aufmerksamkeit geben!

Stattdessen einfach mal stehenbleiben, tief durchatmen, Dich umschauen.

Alle Sinne einschalten!

Achte auf Deine Sinne! Und zwar auf alle! Rieche, höre, schmecke, fühle Deine Umgebung. Vor allem sehe. Lass Dich von Deinen Sinnen führen, schau Dir an, was Deinen Sinnen auffällt.

Richte Deine Aufmerksamkeit nach Außen, auf Deine Umwelt. Lass Dich nicht von Dir selber ablenken.

"Ich hab trotzdem keine guten Ideen"

Falscher Ansatz! "Auf eine Idee kommen" ist schon wieder so ein Denk-Ding. "Ich grübel jetzt so lange bis mir ein geniales Motiv einfällt" taugt nicht viel als Ansatz für neue Motive. 

Willst Du etwas neues fotografieren, dann schaff Dir neue Sinneseindrücke. Nicht, indem Du in Urlaub fährst, sondern indem Du Deinen Sinnen Deine volle Aufmerksamkeit gibst! Achte auf alles, was Dir auffällt. Schau es Dir näher an.

Italienisches Eichhörnchen

Viele glauben, sie müssten für neue Sinneseindrücke in Urlaub fahren. Ich finde Urlaubsfotos oft einfach nur langweilig. Klar, so ein Eichhörnchen wie auf dem Foto mag es hier nicht geben, diese Sorte Baum sieht man hier nicht, und? Es sind für uns besondere Motive, aber dadurch sind es noch lange keine besonderen Fotos.

Eher im Gegenteil, im Urlaub haben wir oft nicht die Zeit, uns mit einem Ort oder einem Motiv so sehr auseinander zu setzen wie zu Hause. Zu Hause kann ich mir das Motiv mal morgens früh, mal Abends ansehen. Zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Bei unterschiedlichem Wetter. Mit verändertem Umfeld. Hier sind die Möglichkeiten für besondere Fotos, sich mit Motiven richtig lange und gründlich auseinander zu setzen.

Dein Verstand kann Dir helfen, von dem, was Du entdeckt hast, ein möglichst gutes Foto umzusetzen - das ist eine Aufgabe, für die er wunderbar geeignet ist.

Erwarte nur keine kreativen Ideen von Deinem Verstand. Kreative Ideen "erdenkt" man sich nicht, sie entstehen, wenn Du in Dich hinein fühlst, Dich nicht von Deinem Verstand ablenken lässt.

Entdecke Deine Welt

Zieh los, schau Dich um, schau Dir Deine Welt an, Deinen Wohnort, Deine Wohnung, Deine Umgebung. Von dem Umfeld, das Du am besten kennst, solltest Du auch die besten Fotos machen!

Vorausgesetzt, Du bist anwesend.

Veröffentlicht am Fr, 08. Mai 2009, 17:26 von Sam

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