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Sam Jost
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Auf meinen sehr emotionalen Artikel über Mobbing in der Schule bekam ich den folgenden Kommentar:

Lieber Radeldudel, obwohl mich der Fall nur traurig macht, kann ich Deine Wut verstehen. Nur, von der Erkenntnis abgesehen das unsere Gesellschaft sich ändern sollte, was siehst Du als den ersten konkreten Schritt? Von öffentlichkeits-wirksamen aber in der Sache sinnlosen Alibi-Aktionismus wie Initiativen gegen Ballerspiele mal abgesehen ...

Was auch immer man in dieser unserer Welt verändern möchte, der erste Schritt ist immer ein ganz einfacher:

als erstes  muss man anerkennen, was eigentlich wirklich los ist.

In aller Offenheit erkennen, was in solchen Fällen vorgeht. Klar und offen sehen und aussprechen, dass Mobbing an Schulen ein Problem ist.

Klar kommunizieren, dass ein Amok-Lauf auch immer ein Versagen des Umfeldes ist. Ein Versagen der Mitmenschen, diesem Menschen einen sozialen Halt zu geben. Und die Mitmenschen, dass sind in erster Linie die Menschen, die die meiste Zeit mit dem Amok-Läufer verbracht haben: die Mitschüler.

Das klingt hart, und wird vermutlich einen Aufschrei der Empörung nach sich ziehen. Mitschüler des Amok-Läufers werden zu recht sagen, sie hätten ihn nie oder selten gemobbt, und natürlich jede Verantwortung von sich weisen.

Ich habe in meiner Schulzeit ein paar Jahre systematisches Mobbing erlebt, und aus meiner Erfahrung werden die schlimmsten (seelischen) Verletzungen nicht durch die "Mobber" verursacht, sondern durch die Leute, die drum herum stehen, und nicht sehen, nicht verstehen, nichts tun.

Der größte Hass entsteht auf die Leute, die erstaunt gucken, und sagen "ich versteh gar nicht, warum er jetzt so überreagiert, das waren doch nur ein paar harmlose Scherze".

Das sind die Leute, denen ich am liebsten so lange "harmlose Scherze" zeigen würde, bis sie verstehen.

Der Spreeblick hat dieses Gefühl schön treffend in zwei Sätze gefasst:

Wie laut muss man als Jugendlicher eigentlich sein, um gehört zu werden?
Noch lauter als eine Beretta?

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang auch der Artikel "Unfassbar" von Björn Grau.

Veröffentlicht am Mo, 16. Mär 2009, 23:48 von Sam

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