
| Kleine (Internet) Welt | 22.01.2009 |
| Meine ältesten Spuren im Internet sind von 1992. 15 Jahre hinterlasse ich schon Inhalte im Netz.
Vor etwa 10 Jahren erstellte ich meine erste Homepage, eine Art Internet-Tagebuch: ich schrieb, welche Restaurants, Filme, Veranstaltungen ich besucht hatte, mit einer kurzen Meinung dazu. Heute nennt man das 'Blog'. Und etwa im Jahre 2000 entdeckte ich, das ich gelesen wurde. Auch von Leuten, mit denen ich nicht rechnete. Einer von den Einträgen (Kasten rechts) fiel überraschend auf mich zurück: die Dichterlesung. Womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte: der Dichter hatte nach seinem Namen gesucht, fand meinen Kommentar, und sprach mich dann darauf an, da er mit meiner Meinung nicht so ganz einverstanden war. Unangenehm, denn er fand den Beitrag erst ein paar Wochen später, und ich konnte mich, als er mich darauf ansprach, beim besten Willen nicht aus dem Kopf erinnern, was ich genau über ihn geschrieben hatte. Seiner Reaktion nach was ganz schlimmes. Sowas. Ebenfalls etwa zu dieser Zeit meldeten sich bei mir die ersten Leute, um Party-Fotos, auf denen sie zu sehen waren, von meiner Webseite entfernen zu lassen. "Ok", dachte ich, "auch entfernte Bekannte lesen mich ab und an mal". Hab entsprechend mehr drauf geachtet, nichts zu schreiben, was ich nicht auch sagen würde, dachte mir aber weiter nichts dabei. Wenige Jahre später kam die nächste Stufe: ein Angesteller eines Kunden hatte meinen Namen im Internet gesucht, und griff mich dafür an, dass ich mich mit Windows-Programmierung beschäftige, "das wäre doch der völlig falsche Weg, Linux sei doch die Zukunft, niemand wolle doch ernsthaft mit Windows arbeiten" und so weiter und so fort. Das war schon deutlich unangenehmer (auch wenn ich nach wie vor zur Windows-Entscheidung stehe), da ich ja einerseits keinen Kunden vor den Kopf stossen wollte, während er sich ziemlich unmöglich benahm. Hier fiel mir auf, wie transparent ich im Internet zu verfolgen bin, was man alles alleine an meinen Foren-Aktivitäten sehen kann. Damit dachte ich, wäre der Höhepunkt erreicht. In den Folgejahren gab es immer mal wieder kleine Ereignisse dank Internet und Suchmaschinen, meist privat aus dem Zusammenhang gerissene Zitate mit denen mir irgendwelche Dinge vorgehalten wurden "das hast du doch geschrieben..." - Stimmt, aber das war Jahre her und ein anderer Zusammenhang, was schert mich das jetzt grad? Ich wurde auch schon für meine Rechtschreibung, für fehlende Kommas (berechtigt, *hüstel*) angegriffen, oder für meine Meinung zu Bauprojekten in Flensburg (Pfui, eine eigene Meinung, wie unanständig von mir). 2008 überraschte mich noch mal: als wir uns um unsere neue Wohnung bewarben, las unser Vermieter in spe unsere Webseiten/Blogs, um sich ein Bild von uns zu machen - Das Bild kann so schlecht nicht gewesen sein, wir haben die Wohnung bekommen. Hier haben sich unsere Web-Aktivitäten positiv für uns ausgewirkt. Was mich zu diesem Artikel bewegt hat, war die vorerste letzte Überraschung: ich schaute gestern recht überrascht in meine Follower in Twitter - die Benachrichtigung für Neue hatte ich abbestellt, und hatte gar nicht gemerkt, dass da nach und nach mehr zusammen kamen. Vor allem hatte ich aber nicht gemerkt, dass meine neue Bank mir auf Twitter folgt - hey, ich wär nicht mal auf die Idee gekommen, das (m)eine Bank auf Twitter sein könnte, geschweige denn, dass sie mich lesen würde! Daher: Denkt daran, was ihr im Internet schreibt, wird jemand lesen! Vielleicht ein Freund, über den ihr schreibt, vielleicht ein Arbeitgeber, oder ein Kunde. Das sollte dich nicht von einer eigenen Meinung abhalten, oder davon überhaupt etwas zu schreiben. Du solltest aber nur Dinge schreiben, zu denen du auch stehst, wenn dich jemand darauf anspricht. Interessanterweise finde ich das für mich persönlich sehr angenehm, dass andere sich von mir über das Internet ein Bild machen können. Ich bin, wer ich bin, und kann zu dem stehen, was ich schreibe. |
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