Nachdem wir nun den Begriff "Blende" als Helligkeitsunterschied zwischen zwei Belichtungen kennengelernt haben (du hast Teil 1 gelesen, oder etwa noch nicht?), geht es mir jetzt um den
Die spannende Frage ist: "Wie groß ist der Helligkeitsumfang einer Szene, eines Motivs?"
Wenn ich jetzt sage "Diese Szene hat einen Umfang von 15 Blenden(stufen)", ist das dann viel? Wenig? Was bedeutet das überhaupt? Und ist das überhaupt wichtig?
Hierzu verwende ich mal eine ganz einfache, schön anschauliche Methode um zugleich den Umfang zu messen, die ihn gleichzeitig erklärt:
Den Umfang an Helligkeit einer Szene, eines Motivs kannst du mit der folgenden Methode bestimmen:
Jetzt hast du für jede Blendenstufe Umfang ein Foto. Ich hab mir mal künstlich eine sehr kontrastreiche Szene gebastelt und das gemacht:

Für meine Szene ergab dieses Vorgehen 15 Fotos. Von Bild zu Bild habe ich jeweils eine Blende heller belichtet, genau 14 Mal, also ist das letzte Bild 14 Blenden heller als das erste.
Daraus schließen wir jetzt einfach mal ganz dreist, dass diese Szene 15 Blendenstufen Umfang an Helligkeit hat. Sehr genau ist das nicht, und diese Zahlen können sicher keiner hochwichtigen und teuren Messung standhalten, aber sie hilft dabei, sich schön anschaulich vorzustellen was der Blendenumfang eigentlich ist.
Wenn ich diese 15 Bilder verkleinere passen sie sogar hübsch nebeneinander in eine Reihe:
Genau, wichtige Frage, und darum bringe ich jetzt die Kamera ins Spiel: Was glaubst du,
wie viele Blenden an Helligkeit kann deine Kamera unterscheiden?
Nachlesen gilt nicht, und wer weiß schon was genau der Kamerahersteller da angibt, wir testen den Wert selber aus, mit fast der gleichen Methode wie oben die Szene:
Mit dieser Methode bleiben bei mir 7 Bilder übrig, die nebeneinander den folgenden Graukeil ergeben:

7 Bilder, jedes eine Blende heller als sein Vorgänger, ich komme also auf 7 Blenden. Lächerliche 7 Blenden kann meine Kamera in ihren aktuellen Einstellungen auflösen.
7 Blenden kann meine Kamera, 15 Blenden hat meine Szene - unfair, nicht wahr? Stellt man das nebeneinander, dann sieht das in etwa so aus:
Die Kamera belichtet ja eher mittig, uns fehlen also im Bild Details sowohl in den dunklen Bereichen wie auch in den hellen. 8 Blenden mit Details - zum Glück sind die betroffenen Flächen bei meinem Motiv eher klein, wodurch das ganze nicht so schlimm aussieht wie es klingt, aber wehe die verlorenen Flächen sind groß, dann sieht ein Foto schnell sehr schlecht aus.
Ich gebe zu, meine Szene war mit Absicht und künstlich auf extrem viel Kontrast ausgelegt. Damit du ein besseres Gefühl für einen realistischen Umfang bekommst, bin ich ans Wasser gefahren und habe noch eine Szene "durchgemessen", diesmal ein Landschaftsbild, mit Himmel und Schatten unter Bäumen.
Herausgekommen sind die folgenden 12 Fotos (der wandernde Punkt ist Birgit):
Mein normales Landschaftsbild mit teilweise bedecktem Himmel und Schatten unter Bäumen hat in diesem Fall also 12 Blenden Umfang an Helligkeit.
Puh, 12 Blenden zu 7 klingt ja schon gar nicht mehr so schlimm wie 15 zu 7. Aber wie wir alle aus Erfahrung wissen, und an dem größeren Foto sehen können: In den Schatten im Bild gehen Details verloren, und im Himmel genauso.
Die 5 verlorenen Blenden, die von der Kamera nicht abgebildet werden können, gehen sichtbar verloren.
Um das mal anschaulich zu machen habe ich hier mal den Umfang der Landschaft und den der Kamera nebeneinander gestellt:
Nö, ehrlich gesagt ist das nicht besonders tragisch, dass die Kamera bei weitem nicht alle Stufen an Helligkeit abbilden kann. Wir sind von klein auf an Fotos gewöhnt, wo die hellen Stellen völlig weiß sind und die Schatten schwarz, wir sind daher eher überrascht wenn ein Foto nicht so überstrahlt ist wie wir das gewohnt sind.
Es ist nur ganz hilfreich, dies zu wissen, damit man sich beim Fotografieren einer Szene überlegen kann: möchte ich die hellen Bildteile korrekt abbilden? Oder die dunklen?
In unserer modernen Höher-Schneller-Weiter-Welt gibt es natürlich auch eine Möglichkeit, sowohl die Hellen wie auch die dunklen Bildteile zu bekommen, das nennt sich dann HDRI. Und nicht nur das, man kann es sogar hinbekommen, dass das Bild trotzdem nicht flau aussieht (das nennt man dann Tonemapping), aber wie es so schön heißt: Das ist eine andere Geschichte, die zu einer anderen Zeit erzählt werden soll.