Belichtungsreihe
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie
Eigentlich sollte es nur eine kleine Verständnis- und Begriffserklärung zu einem Unterthema vom Entfesselten Blitzen werden, doch jetzt wo ich anfange meine Gedanken dazu zu sammeln, wird das ganze viel Umfangreicher als geplant.
 
Und schlimmer, mir fallen einige Seiten ein, von denen aus ich anfangen könnte, die ganze Sache zu erklären… Bei der Blende könnte ich anfangen. Oder bei "korrekter" Belichtung. Oder mit einem Zonensystem. Mit Belichtungskorrektur. Damit wie viele Blenden in einer Szene enthalten sind. Was HDRI damit zu tun hat.
 
Vielleicht sollte ich erst mal ein Ziel bestimmen. Was will ich mit diesem Artikel eigentlich erreichen? Was will ich erklären?
 
Ganz einfach: ich will erklären, was eine Blende ist.
 
"Blende, kenn ich schon" sagst du. "Ist die Mechanik im Objektiv, die bestimmt wie viel Licht auf den Sensor fällt".
 
Ja, stimmt. Das ist eine Bedeutung des Wortes "Blende".
 

Mir geht es um eine andere Bedeutung.

 
Mir geht es um den Begriff "Blende" als Helligkeitsangabe. Um Aussagen wie "Das Motiv ist eine Blende zu hell", "den Hintergrund zwei Blenden unterbelichten.", "Diese Szene hat einen Umfang von 12 Blenden.", "Meine Kamera bildet 7 Blenden ab."
 
Fangen wir einfach mal irgendwo mittendrin an, mit einem "korrekt belichtetem" Foto. Das folgende Foto (rechts davon zwei Ausschnitte zur besseren Beurteilung) sieht doch korrekt belichtet aus, oder?
Holzfigur, Gesicht richtig belichtet
 
Man erkennt die Details im Gesicht, es ist nicht überstrahlt. Also korrekt belichtet?
Ja, vorausgesetzt ich wollte das Gesicht richtig belichten, und nicht den Elefanten.
 
Im folgenden Bild habe ich mal den Elefanten korrekt belichtet:
Holzfigur, Schatten richtig belichtet
 
Wie du siehst, jetzt ist das Gesicht überbelichtet, die Strukturen im Gesicht gehen teilweise in strahlendem Weiß verloren.
 
Genauer:
 

Das Gesicht ist zwei Blenden überbelichtet.

 
"Wieso grade zwei Blenden", fragst du?
 
Ganz einfach, weil ich an meiner Kamera die Blende um zwei volle Stufen geöffnet habe, um für den Elefanten die gewünschte Helligkeit zu bekommen. Das obere Foto ist mit Blende F8 gemacht, das untere mit Blende F4. Von F8 zu F5,6 ist eine Blendenstufe, von F5,6 zu F4 ist die zweite Blendenstufe (je nach Kamera sind auch zwei oder drei Klicks am Einstellrad notwendig, um eine volle Blende zu verstellen, also 4 bzw 6 Klicks zum verstellen von zwei Blenden).
 
"Zwei Blenden heller" kann ich aber auch erreichen, ohne die Blende zu verändern. Ich könnte stattdessen auch die Belichtungszeit zweimal verdoppeln, von 1/500s über 1/250s auf 1/125s. Jede Verdoppelung oder Halbierung der Belichtungszeit entspricht genau einer Blendenstufe. Die Blende muss dafür gar nicht verändert werden.
 
Genauso entspricht eine Verdoppelung oder Halbierung der ISO einer Blende Unterschied. Ich hätte den Elefanten also auch 2 Blenden heller bekommen können indem ich die ISO von 200 über 400 auf 800 stelle.
 
Zu guter Letzt hätte ich natürlich auch einfach das Licht um 2 Blenden heller machen können, indem ich eine viermal so helle Lampe nehme, bzw. in meinem Fall die Leistung am Blitz viermal so stark einstelle (von 1/16 auf 1/4). (Oder, indem ich den Abstand Blitz zu Motiv verringere - ihn halbiere, denn eine Halbierung oder Verdoppelung entspricht zwei Blenden).
 

Kurzer Zwischenstand des bisher gelernten:

 
Etwas "eine Blende heller" zu machen, bedeutet
 
  • Die Blende um eine ganze Stufe zu öffnen (z.B. F5,6 zu F4), oder
  • Die Belichtungszeit zu verdoppeln (z.B. 1/1000s zu 1/500s), oder
  • Die ISO zu verdoppelt (z.B. ISO 400 zu ISO 800), oder
  • Die Lichtleistung zu verdoppeln (je nach Lampe/Blitz).
 
Das Bild zwei Blenden unterbelichten bedeutet
  • Die normale Belichtung für das Bild suchen (dafür haben wir die Belichtungsautomatik), und dann
  • Die Blende um zwei ganze Stufen zu schließen, oder
  • Die Belichtungszeit durch 4 zu teilen, oder
  • Die ISO durch 4 zu teilen, oder
  • Die Lichtleistung durch 4 zu teilen.
 
Kleiner Trick am Rande: Die Funktion ein Foto um eine bestimmte Anzahl Blenden über- oder unterzubelichten ist so wichtig, dass jede Digitalkamera eine Funktion hat um diesen Effekt zu erreichen: Einen Knopf, mit dem man der Kamera sagen kann "belichte dieses Bild eine Blende zu hell", oder "Belichte das Bild 1,5 Blenden dunkler". Mit Hilfe dieser Belichtungskorrektur kann man solche Blendenreihen also sogar im Automatik-Modus machen, ohne sich darum kümmern zu müssen wie die Kamera die Szene heller oder dunkler bekommt.
Es gibt sogar eine eigene Kurzschreibweise: EV+1 heisst "eine Blende heller", EV-2,5 "zweieinhalb Blenden dunkler".
 
In Teil 2 wird es um den Umfang einer Szene gehen, und darum wie viele Blenden eine Kamera abbilden kann.
Veröffentlicht am So, 28. Dez 2008, 22:28 von Sam

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