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Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie
Warum macht manche Frau mit einer Kompaktkamera bessere Portraits als ihr Mann mit umfangreicher Fotoausrüstung?
 
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Liest man Ratschläge zur Portraitfotografie, so bekommt man Tipps wie: mit lichtstarkem Objektiv bei offener Blende wird der Hintergrund schön unscharf; lange Brennweite benutzen, weil bei kurzen Brennweiten die Proportionen verzerrt werden; aus Augenhöhe fotografieren; weiches Licht benutzen, bei grellem Sonnenschein in den Schatten gehen, besser in der Morgen- oder Abendsonne fotografieren; Haarlicht von hinten setzen, Licht von der Seite für mehr Drama, Licht von schräg vorne für weniger Drama, Licht von vorne oben und Aufheller von unten für schöne Haut...
 
Dann gibt es noch Tipps zur Bildgestaltung: überlegen, welche Umgebung als Zusammenhang für die Person passt, störenden Kram aus dem Hintergrund entfernen, in Blickrichtung der Person mehr Platz im Bild lassen, nicht versehentlich Körperteile abschneiden und reichlich mehr.
 
Arbeitet man sich ernsthaft in die Portraitfotografie ein, so hat das entsprechend oft zur Folge, dass man mehr und mehr auf die korrekte Ausführung der technischen Seite achtet, und darüber das wichtigste vergisst: Die Person, die da fotografiert wird.
 
Ein Anfänger mit einer einfachen Schnappschuss-Kamera und ohne Wissen um all diese Zusammenhänge, hat dagegen den Kopf frei, um sich mehr um die fotografierte Person zu kümmern. Dazu wirkt ein großer technischer Aufwand oft verunsichernd auf die Person, die da gerade fotografiert wird - es ist halt doch ein Unterschied, ob da jemand nur ein kleines Schächtelchen auf einen richtet oder eine dicke DSLR, am besten noch mit angesetztem Batteriegriff und großem Objektiv.
 
Vor der kleinen Kompaktkamera sind die meisten Menschen entspannter.
 
AugenDer Unterschied zeigt sich im Gesicht auf dem Foto: in Foren und selbst Fotografenauslagen sehe ich oft perfekt ausgeleuchtete und inszenierte Portraits, nur leider mit einem aufgesetztem Lächeln und genervtem oder betont geduldigem Blick.
 
Mal ehrlich, welches Bild von dir selber würdest du lieber an der Wand hängen haben, ein technisch perfektes, wo jeder sieht dass du dir das Lächeln nur abringst, oder den Schnappschuss, auf dem die Freude so richtig aus dem Gesicht strahlt?
 
Traurigerweise haben wir uns so daran gewöhnt, (vor allem bei uns selber) nicht so genau auf den Gesichtsausdruck zu schauen, dass wir oft gar nicht bemerken wie unglücklich das Gesicht auf dem Foto ist. Eine Freundin zeigte mir zum Beispiel einmal Teilakt-Fotos von ihr, wo ihr bei jedem Foto die Unsicherheit ins Gesicht gemeißelt war - so perfekt Posen und Beleuchtung auch sein mögen, dass sind doch dann keine schönen Fotos!
 

Ein Portrait lebt von seinem Ausdruck!

Manch hochklassige Fotografen wie Timothy Greenfield-Sanders werden dafür belächelt, dass sie "das selbe Portrait immer und immer wieder" aufnehmen, weil sie oft die gleiche Technik, das gleiche Studio, die gleiche Beleuchtung benutzen. Diese Fotografen konzentrieren sich auf das wesentliche: die Person, die fotografiert wird.
Sie haben ihren technischen Ablauf vorher so weit perfektioniert, dass sie sich während der Foto-Session nicht mit ihrer Technik auseinandersetzen müssen, ja dass sie nicht einmal hinter ihrer Kamera sein müssen. Stattdessen unterhalten sie sich mit der Person die fotografiert wird, schaffen es, dass derjenige vergisst das er fotografiert wird, finden Themen die begeistern, finden heraus was für ein Mensch sich vor der Kamera befindet, und fangen das im richtigen Moment in ein Bild ein.
 
Nicht umsonst handelt es sich hierbei teilweise um Weltklassefotografen.

Was kann man für gute Portraitfotos tun? 

 
Die ganze Geschichte sollte am besten so ablaufen, dass die Person hinterher mit dem Gefühl rausgeht "Das hat Spaß gemacht". Noch besser ist es, wenn es dir auch Spaß macht, denn das merkt die Person auch, und wird dann merklich entspannter.
 

Locker unterhalten? Wie kann ich das lernen?

 
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Wie alles, durch üben. In diesem Fall am besten ohne Kamera.
Nimm dir vor, dich auf der nächsten Party mit mindestens drei neuen Leuten zu unterhalten, herauszufinden was sie bewegt, zum Lachen bringt. Keine Fotos! Achte einfach nur auf ihr Gesicht, und unterhalte dich. Vermeide Monologe, sowohl eigene wie auch die des Gegenüber, steuere die Unterhaltung aktiv indem du Fragen stellst, vertiefst. Finde das Thema, wo beim Gegenüber die Augen lachen, oder ernst werden. Achte auf den Gesichtsausdruck.
 
Dafür braucht es nicht mal eine Party, das geht genauso im Supermarkt, an der Ampel, überall wo kurz Menschen zusammenstehen. Finde eine allgemeine Floskel für den Gesprächseinstieg ("Die Ampel braucht heute aber mal wieder lange, finden sie nicht?", "Die Kasse an der ich stehe geht immer am langsamsten, geht ihnen das auch so?").
 
Mache das Ansprechen, die Unterhaltung und auch das Beenden leicht, locker und zwanglos. Dann wird es dir auch in der Foto-Situation leicht fallen, mit dem Gegenüber eine angenehme Unterhaltung zu führen.
 
Der Unterschied zwischen einer normalen Person und einem Modell ist im übrigen in einem Satz erklärt: Modell ist, wenn man trotzdem lacht
Veröffentlicht am Sa, 20. Sep 2008, 16:36 von Sam

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Diskussion zu "Der Schlüssel zum besonderen Portrait"
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Letzte Antwort
wie wahr
von Viktor am Mi, 23. Nov 2011, 08:30
3von Sam
Mi, 23. Nov 2011, 11:28

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