Strandleben
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

In erster Linie fotografiere ich Menschen, und mein Ziel ist es, sie vorteilhaft abzubilden, entsprechend achte ich beim Fotografieren, vor allem aber beim Sichten der Fotos darauf, was für einen Eindruck die Personen machen. Das sorgt natürlich dafür, dass ich auch im Alltag genauer hinsehe, ob sich jemand vorteilhaft hält, kleidet, bewegt, oder eben eher nicht, und bin immer wieder sehr erstaunt, wie unvorteilhaft einige Menschen sich kleiden und vor allem verhalten.

Klar, etliche Hässlichkeiten werden im Namen der Mode getragen, wie die Unterhosen, die deutlich aus der Hose ragen - doch wenn da ein abgewetzter, grünlich verwaschener Tanga zu sehen ist, kann man das dann noch Modisch nennen? Passend dazu die Hüfthosen, gerne getragen von sportlichen, schlanken, jungen Menschen, kann, wenn man sich daran gewöhnt hat, gut aussehen - doch ist so eine Hose die optimale Wahl, wenn Speckrollen über ihren Rand quellen?

Und dabei sind die Fehlgriffe in der Wahl der Kleidung noch das harmloseste Mittel um auf einem Foto schlecht auszusehen. Viel wirkungsvoller (und häufiger zu sehen) sind unglückliche, zusammengesackte Körperhaltung oder gruselige Mimik. Selbst bei einem Tanzturnier fielen mir schon Paare auf, die eine so schlechte Haltung hatten, dass von ihnen keine vorteilhaften Fotos möglich waren (und glaub mir, ich hab's versucht).

Auch auf Fotos anderer achte ich inzwischen mehr und mehr auf die Kleidung, die Haltung, die Mimik. Ich musste mich zurückhalten, um beim Betrachten der Fotos in einem Hochzeitsalbum nicht mit "habt ihr die Nacht davor durchgezecht?" den völlig matten und müden Gesichtsausdruck zu kommentieren.

Immer wieder frage ich mich: Warum stellen die Leute sich so schlecht dar? Warum ziehen sie sich so unvorteilhaft an? Warum ziehen sie bloß so ein Gesicht?

Die einzig plausible Antwort, die mir darauf eingefallen ist:

Sie wissen nicht wie sie aussehen!

Erst wollte ich es nicht glauben, die müssen doch Freunde haben die ihnen sagen wie sch…e dass aussieht, oder?

Wenn ich so rumlaufen würde, dann würde mir das doch wohl auch jemand erzählen, oder? 

Oder???

ODER!!???!!

Wenn ich drüber nachdenke, ich fürchte nicht viele Leute würden mir das sagen. Oder sie würden es so vorsichtig formulieren ("deine Kleidung ist aber gewagt"), dass ich es womöglich auch noch als Kompliment verstehe.

Es könnte also sein, dass ich mich völlig dämlich kleide, halte, gebe, und es nicht mal weiß?!?!

Eine erschreckende und beunruhigende Erkenntnis, zumal der erste Eindruck für mich als Selbstständigen wichtig ist.

Ich fing also an, mich selber zu beobachten, ich startete mein persönliches Fotoprojekt "Selbstbild/Fremdbild".

Auf Fotos und Videos mehr darauf zu achten, wie ich mich halte, was vorteilhaft ist, was nicht. Andere gebeten Fotos von mir zu machen, Fotos mit Selbstauslöser gemacht, auf Videos von mir darauf geachtet, mal für andere das Model gespielt.

Ganz ehrlich, diese Beschäftigung mit mir selbst war sehr lehrreich, sehr ernüchternd, teilweise aber auch beeindruckend.

Mein inneres Bild von mir selber war vor nahezu zwanzig Jahren stehen geblieben und hatte sich nicht weiterentwickelt. Ich fühlte mich immer noch als der magere Junge aus Haut und Knochen (keine 70Kg bei gut 1,90m Körpergröße). Für ein Welthungerhilfe-Plakat hätte mir nur der aufgedunsene Bauch und die dunkle Hautfarbe gefehlt. Mein Gefühl für mich selber war dort stehen geblieben, und das obwohl ich in den zwanzig Jahren reichlich Sport getrieben und etwa 10Kg zugenommen hatte. Auch wenn ich vom Kopf her vielleicht wusste, das mein Bild nicht mehr stimmte, fühlte ich mich halt als einen dünnen Kerl mit etwa 10Kg Bauchansatz (naja, ganz so schlimm auch nicht, aber es beschreibt die Richtung). Kommentare zu meinem Äußeren nahm ich nie besonders ernst, egal ob sie positiv oder negativ waren.

 

Mein äußeres Bild hat mich ziemlich überrascht. Negativ wie auch positiv.

So ist meine Haltung meist gruselig. Dank meines Unverhältnismäßig langem Oberkörper bin ich oft geduckt, zusammengesackt, nach vorne gestreckter Kopf, Arme eng am Körper anlegend, mich klein machend.

Klar, ein Gegenüber vergisst den ersten Eindruck schon nach wenigen gewechselten Worten, dennoch, ist das der Eindruck den ich machen möchte? Und wie man sich hält und gibt, beeinflusst wie man sich fühlt, mit besserer Haltung müsste ich mich also auch besser fühlen.

Mehr überrascht hat mich erstaunlicherweise meine Figur. Klar, ich hab mich tausendmal im Spiegel gesehen, aber nie wirklich darauf geachtet, auch auf Fotos nicht, eigenartigerweise. Irgendwie sieht man ja doch immer nur das, was man sehen will, sieht das, von dem man glaubt, dass es da ist.

Und auch das Birgit mich hin und wieder "mein Kraftprotz" genannt hat, habe ich nie mit meinem Aussehen in Verbindung gebracht. Eigentlich schon peinlich, wie sehr mich meine eigene Figur überraschen konnte.

Diese offene Bestandsaufnahme hat mir meine Menge gebracht!

Vor allem hat sie mich zu der Frage geführt, ob ich das so hinnehme, es nicht ändere, ich lebe ja gut, und Änderungen sind anstrengend, oder ob ich es ändern will, bereit dazu bin an mir zu arbeiten.

Die Frage ist nicht so einfach wie sie klingt: Veränderung von solchen Gewohnheiten ist eine Menge Arbeit. Obwohl mir klar war, dass ich das ändern will, hat es mich ein paar Tage gekostet bis ich ganz klar mit "Ja, ich will meine Haltung und mein Selbstbild ändern" antworten konnte, ohne mich dabei komisch zu fühlen.

Ich kann dir nur empfehlen, dich selber mit der Fotografie neu zu entdecken. Dein vorhandenes Selbstbild zu überprüfen, zu beurteilen wie du wirkst. Dir überlegen, wie du von anderen gesehen werden möchtest.

Und dir die Frage zu stellen ob du bereit bist, für dieses Bild etwas zu tun, daran zu arbeiten.

 

Es lohnt sich.

Veröffentlicht am Mo, 11. Aug 2008, 22:52 von Sam

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