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Sam Jost
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Anderthalb Jahre ist es nun her, dass ich, aufgrund einer Wette, 5km beim You!MM gelaufen bin, um anschließend meine Laufschuhe wegzuwerfen. Denn ich hatte mein trainieren für diese 5km wieder deutlich vor Augen geführt bekommen, dass Laufen definitiv nicht 'meine' Bewegung ist - ich kann zwar stundenlang Aerobic oder Step machen oder Tanzen, ohne mich dabei merklich zu verausgaben, doch beim Laufen war ich bereits nach wenigen Metern außer Atem und hatte dann wirklich zu kämpfen.

Am Ende fand ich ein Lauftempo, dass ich über längere Strecken durchhalten konnte, das aber so lächerlich langsam war, dass es einfach überhaupt keinen Spaß brachte. Genauso gut hätte ich gehen statt laufen können.

Entsprechend habe ich nach dem You!MM das Laufen aufgegeben und, um meinen Entschluss zu unterstreichen, meine Laufschuhe weggeworfen.

Vor ein paar Wochen stolperten wir darüber, dass ein Arzt mit Namen Hans-Peter Greb behauptete, der Mensch wäre von Natur aus ein Ballenläufer, wir würden nur über die Ferse laufen weil unsere Schuhe so gebaut sind, dass sie uns dazu zwingen, über die Ferse abzurollen, und wir sollten doch am besten ein paar Godo-Active Schuhe bei ihm kaufen und damit wieder über den Ballen laufen, wie die Natur es für uns vorgesehen hat.

Ihr merkt an meiner Formulierung, dass ich nicht so ganz überzeugt von Greb bin - das liegt allerdings weniger an der Grundaussage, ich könnte mir sogar vorstellen dass da etwas dran sein könnte[1], sondern an seinem weiterem Info-Material, dass sich in Wortspielen über das Gehen verliert[2], Halbwahrheiten als Argument benutzt[3], und vor allem eine Vorführung schuldig bleibt, wie der Gang denn nun aussehen soll. Stattdessen gibt es Übungen wo man fröhlich in der Gegend rumspringt, als ob sich das einfach so auf das Gehen übertragen ließe.

Was mich aber nicht davon abhält den Ballengang auszuprobieren. Auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme, was Hans-Peter Greb schreibt, so kann ich mir dennoch vorstellen, dass der Ballengang (nach einer Umstellungsphase) ein kraftvollerer Weg zu gehen sein könnte. Oder zumindest eine interessante Variante.

Also suchte ich hilfreichere Informationen über den Ballengang, wie er ablaufen sollte, wie man sich dafür bewegt, worauf man achten sollte, und stieß auf Moshe Feldenkrais.

Feldenkrais war mir schon länger ein Begriff dafür, sich der alltäglichen Bewegungen (vor allem der unnötigen und anstrengenden) bewusst zu werden, ich hatte auch schon zwei Bücher von ihm gelesen, die Übungen aber bisher noch nie selber ausprobiert.

Nun stolperte ich über Berichte über Menschen die ihren Laufstil mit Feldenkrais-Methoden verbesserten, Lauftrainer nach Feldenkrais, und auch dort wurde der Ballengang als (beim Laufen) energiesparende Methode der Bewegung erwähnt.

Die Erklärungen und die Herangehensweise nach Feldenkrais spricht mich Welten mehr an als Godo, vor allem weil es bei Feldenkrais immer darum geht die Bewegung selber zu erfahren, leichte Bewegungsübungen vorgegeben werden, mit Hinweisen auf welche Muskeln man achten sollte.

Feldenkrais ist kein "so musst du das machen", verliert sich auch nicht in abstrusen Erklärungen, sondern vermittelt wie sich die verschiedenen Bewegungen anfühlen, wie man die Unterschiede fühlen kann, zeigt uns einfach wie sich eine Bewegung anfühlt je nachdem wie man sie ausführt.

Es macht einen Riesenunterschied ob man erzählt bekommt wie die richtige Bewegung ist, oder ob man selber eine Bewegung auf verschiedene Arten ausführt, um selber zu fühlen welcher Weg einem leichter fällt. Fühlen ist einfach viel einprägsamer als hören, zumal man dabei auch mit lernt, wie man die Bewegung ausführt.

Jedenfalls hat mich der Ballengang über Feldenkrais damit wieder zum Laufen gebracht, und ich versuche jetzt Laufen und Gehen neu zu lernen, herauszufinden welche Art von Bewegung für mich angebracht ist, und als Test dafür ob es klappt und besser ist, versuche ich damit zu Laufen: wenn sich meine Bewegung wesentlich verbessert, dann müsste ich auch problemlos laufen können.

Bisher bekomme ich nach wenigen Hundert Metern Atemprobleme, was eindeutig darauf hinweist dass ich beim Laufen irgendwas fundamental verkehrt mache (vor allem weil ich beim schnell gehen, Step, Tanzen, … dieses Problem nicht habe).

Ich arbeite mich jetzt also durch verschiedene Übungen nach Feldenkrais zum Laufen, um ein besseres Verständnis und Gefühl dafür zu bekommen wie meine Muskeln zusammenspielen, und wie ich sie optimal einsetzen kann, aus dem Buch "Besser laufen" von Jack Heggie.

Die erste Änderung ist schon mal eine ganz einfache: ich laufe nicht mehr nach Pulsuhr. Stattdessen atme ich nur noch durch die Nase, und höre auf zu Laufen sobald die Nasenatmung nicht mehr ausreicht.

Ein paar Links zu dem Thema:

Fußnoten:

[1] Ich glaube der Mensch hatte schon immer mehrere Gangarten, abhängig vom jeweiligen Menschen, vom Tempo und vom Gelände. Der menschliche Bewegungsapparat ist von der Evolution her bestimmt nicht auf gepflasterte Wege und Teerstraßen hin optimiert, sondern eher auf federnde Feld-, Wald- und Wiesenböden. Erst seit gepflasterte, harte Böden verbreitet sind entstand ein Bedarf an gefederten Schuhen, und das unser Bewegungsapparat weiter verkümmert liegt sicherlich nicht nur an Schuhen und Straßen, sondern auch sehr stark daran, dass wir uns einfach zu wenig abwechslungsreich bewegen.

[2] Eines der Wortspiele die es mir besonders angetan haben, war Grebs Aussage man würde beim Fersengang 'Geh-Denken', während der Ballengang zu 'Geh-Danken' führt, und Danken wäre ja besser als Denken. Das Danken besser als Denken ist find ich ja ok, aber warum das nicht genauso gut umgekehrt sein könnte erschließt sich mir hier nicht. Die anderen Wortspiele fand ich ähnlich weit hergeholt.

[3] Gerne aufgeführt hat Greb, dass wir bei sehr vielen Tätigkeiten über den Ballen laufen, beim Treppen steigen, beim Tanzen - dem ist nur leider nicht so, ich gehe Treppauf durchaus auch über die Ferse, und Walzer, Tango, und einige andere Tänze werden ganz klar mit Fersenschritten getanzt.

Veröffentlicht am So, 22. Jun 2008, 11:46 von Sam

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