Narbe
Sam Jost
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Letzt hatten wir in zwei völlig unterschiedlichen Gruppen das Thema, wie ein Kaiserschnitt einen Menschen für sein Leben prägt.

Die erste Gruppe war völlig baff, das Kind würde das doch überhaupt nicht mitbekommen, und sich ohnehin nicht an die Umstände seiner Geburt erinnern können.

Für die zweite Gruppe war das selbstverständlich, hier wurde gleich über verschiedene andere Kindheitstraumata berichtet, und was für Prägungen die im späteren Leben hinterlassen können.

Der Vergleich dieser Gruppen ist unfair, die eine Gruppe waren Arbeitnehmer aus alltäglichen Berufen, während es sich bei der zweiten Gruppe um verschiedene Körpertherapeuten handelte, doch es hat mich daran erinnert, wie wenig Gedanken man sich über manche Dinge im Leben macht.

Dabei ist es doch, wenn man drüber nachdenkt, völlig selbstverständlich dass unser Körper sich selbst die Ereignisse gemerkt hat, an die wir uns nicht mehr erinnern:

Würde ein Baby einen Fuß verlieren, dann ist offensichtlich, dass man als Erwachsener von dieser Verletzung beeinträchtigt ist, selbst wenn man sich bewusst gar nicht an das Ereignis erinnern kann. Denn auch wenn der Verstand sich nicht daran erinnern kann, wie der Fuß verloren wurde, dem Körper fehlt der Fuß immer noch.

Handelt es sich dagegen um eine Verletzung die nicht, oder nicht mehr äußerlich sichtbar ist, so fällt es uns schwer uns vorzustellen dass diese Verletzung immer noch Auswirkungen hat.

Ganz zu schweigen von Ereignissen, bei denen es sich nicht direkt um körperliche Verletzungen handelt, wie die oben angeführte Geburt per Kaiserschnitt, oder andere Dinge die uns völlig unscheinbar vorkommen, die aber für ein Baby oder Kleinkind traumatisch sein können.

Narben gibt es eben nicht nur auf der Haut, sondern auch unter der Haut, und sogar auf ebene der einzelnen Zellen. Und jede Verletzung hinterlässt Narben, ob man sie nun sieht oder nicht.

Aus unerfindlichen Gründen sprechen wir das Erinnerungsvermögen auch nur dem Gehirn zu, und tun so, als seien alle anderen Teile unseres Körpers einfach nur eigenständige, abtrennbare und austauschbare mechanische Einheiten, ohne eigene Intelligenz.

Wir übersehen viel zu oft, was für ein erstaunliches und komplexes Wunder unser Körper ist, nehmen ihn als selbstverständlich oder gar nervig an, statt ihm den Respekt zu zollen, der ihm gebührt, und ihn entsprechend zu behandeln und zu nutzen - denn ohne Körper ist unser Gehirn nicht lebensfähig, die beiden bilden eine Einheit. Eine Einheit die erstaunliches verkraften und bewegen kann, wenn man sich auf das Wunder Leben einlassen kann.

Veröffentlicht am Fr, 20. Jun 2008, 18:14 von Sam

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