Beleuchteter Reflexschirm
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

Immer mal wieder brauche ich ein Foto von einem kleinen Gegenstand, eine Speicherkarte für den Blogeintrag, ein Objektiv für eBay, einfach nur ein schnelles Bild. Nichts besonderes, nichts wichtiges - wen schert es schon ob das Bild für eBay perfekt ausgeleuchtet und in Szene gesetzt ist, und auch fürs Blog ist es doch eher unwichtig ob das Bild vom Funkauslöser nun schick ausgeleuchtet ist, oder nicht?

Da ich ja kein festes Studio hab wo alles jederzeit Funktionsbereit aufgebaut ist, geht ein Foto mit verfügbarem Licht am schnellsten: ISO hochgedreht, Blende auf, relativ lange belichten reicht das Licht am Fenster.

 

Cactus Trigger bei Tageslicht

Das Ergebnis ist für den Zweck ok. Das Bildrauschen sieht man verkleinert nicht mehr, man macht einfach so lange Bilder bis eins mal nicht verwackelt ist. Was grade bei Fotos die Details zeigen sollen natürlich nervt ist die geringe Tiefenschärfe[1] durch die offene Blende, und die fehlende Ausleuchtung einiger Stellen.

Es hilft nicht, für vernünftige Tiefenschärfe und Ausleuchtung muss man doch wieder zum Blitz greifen. Immer noch keine Lust auf Stativkramerei nimmt man also den direkten Blitz, darf dafür die ISO wieder runterdrehen, kürzer belichten und die Blende ganz gewaltig zudrehen.

Cactus Trigger direkt angeblitzt

Fein, nun ist alles scharf, doch einiges geht in den Schlagschatten unter, das Bild verliert an Dreidimensionalität, einiges der Form lässt sich dadurch nicht mehr so gut erkennen. Das Foto ist zwar etwas besser als das Erste, aber mir gefällt der Schlagschatten und das Flache überhaupt nicht, eine weiche Lichtquelle muss her.

Statt nun doch alles Zubehör aufzubauen gehe ich diesmal aber einen viel einfacheren Weg: ich lege einfach nur einen geöffneten Reflexschirm auf den Tisch und lege Blitz und Gegenstand unter diesen Schirm.

Cactus Trigger über Reflexschirm

Das daraus resultierende Bild gefällt mir ein wenig besser als die anderen beiden: es ist im Detail schärfer als das Bild mit verfügbarem Licht, hat aber nicht die hässlichen Schlagschatten.

Zugegeben, die Unterschiede sind eher Marginal, und wenn für ein solches Bild ein komplettes Studio aufbauen müsste hätte ich da auch wenig Lust zu, aber da der Aufwand sich in Grenzen hält finde ich es so schöner - und ein Blog über Fotografie sollte sich ja vielleicht auch bei unwichtigen Fotos etwas mehr Mühe geben als üblich, selbst wenn der Schreiber so faul ist wie ich :)

Hier mal der Aufbau meiner "Beleuchtungsanlage", einmal mit verfügbarem Licht, und dann mit Blitz um zu sehen wie sich das Blitzlicht verteilt:

Aufbau mit Schirm auf dem Tisch

Nicht alle Sachen eignen sich dazu mit einem Schirm belichtet zu werden. Dieser Herzförmige Stein zum Beispiel sieht direkt angeblitzt aus wie Plastik, Farbe und Struktur sind künstlich, leblos:

Herz-Stein direkt angeblitzt

Leuchte ich den Stein über den Schirm indirekt und weich an, stimmt die Struktur und Farbe des Steins schon viel mehr mit der Realität überein, doch leider reflektiert das polierte Material die Struktur des Schirms:

Schirm spiegelt sich im Herz-Stein

Für glänzende Gegenstände ist diese Lösung also nicht so sehr geeignet - hier sieht eine flächige Lichtquelle besser aus als ein unregelmässiger Reflexschirm.

Fußnote:

[1] Jetzt kommen bestimmt wieder Leute die sagen es müsste Schärfentiefe heißen, weil es ja doch die Tiefe der Schärfenebene ist, und auch ihr Deutschlehrer hätte gesagt blablabla - schon klar, ein Jägerschnitzel heißt Jägerschnitzel so weil es aus Jägern hergestellt ist, und überhaupt kann das Ding meinetwegen auch Karl-Hugo heißen, hauptsache man weiß was damit gemeint ist.

Veröffentlicht am Do, 29. Mai 2008, 12:06 von Sam

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