Tänzerinnen
Sam Jost
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Samstag haben wir auf der jährlichen Tanzgala des Rock'n'Roll Clubs Flying Saucers und der Tanzschule Tangothek die Aufführungen fotografiert.

Haufenweise Tänzer

Was man sich bei jedem Fotoshooting vor Augen halten sollte, ist der Sinn und Zweck, für den die Fotos gemacht werden. In diesem Falle war es ein recht einfacher Zweck: die Teilnehmer (und ihre Familien und Freunde) können sich nach der Veranstaltung Fotos bestellen, als Andenken, fürs Familienalbum, zum Verschenken.

Unser Ziel war also, möglichst viele der aktiven Tänzer stimmungsvoll einzufangen. Die Fotos werden später auf 10x15cm abgezogen, einige wenige vielleicht auch auf 20x30cm, es musste also nicht unbedingt die höchste Bildqualität sein. Um die Stimmung auf dem Bild zu erhalten, und um die Aufführungen nicht zu stören haben wir auf Blitze verzichtet und einzig mit dem verfügbaren Licht fotografiert.

Um uns gute Plätze zu suchen, von denen aus wir die Aufführungen gut sehen und fotografieren können, ohne Hindernisse vor der Nase oder Scheinwerfer im Bild zu haben, waren wir bereits Mittags auf den Stellproben, und haben uns Plätze mit gutem Blick auf dem Rang sichern dürfen.

Boogie-Paar

Fotografieren von der ersten Reihe im Rang hat eine Reihe von Vorteilen:

Natürlich gibt es auch Nachteile, vor allem den das wir weiter weg vom Geschehen sind, entsprechend längere Brennweiten benutzen müssen, die wiederum eher zum verwackeln neigen.

Da die Aufführungen mit Spots, bunten Lichtern und Lichteffekten begleitet wurden, wir gleichzeitig aber kurze Belichtungszeiten brauchten um keine übermässige Bewegungsunschärfe bei den Tänzern zu erhalten, war die Lichtsituation naturgemäß schwierig. Fotografiert haben wir hauptsächlich mit dem DA70/2.4 und dem FA*200/2.8, und wir haben schnell eingesehen dass wir um bei offener Blende mindestens 1/125s Belichtung zu erhalten auf ISO 1600 gehen müssen.

Da die Kamerautomatik mit der schwierigen Lichtsituation nicht gut zurecht kommt haben wir die Belichtung manuell eingestellt, Ausgangswert war wie gesagt ISO 1600, Blende 2.8, Belichtung 1/125s. Um in solchen Situationen gut mit der manuellen Belichtung arbeiten zu können habe ich mir inzwischen angewöhnt möglichst immer und überall mit der manuellen Belichtung zu arbeiten - es geht einfach nichts über Übung.

Das gleiche gilt für das Fokussieren, ich arbeite nahezu nie mit Autofokus, um in schwierigen Situationen mit schnell beweglichen Tänzern im Training zu sein wenn es darum geht manuell auf sie scharf zu stellen, was mir sehr zugute kommt, denn der Autofokus stellt bei sich bewegenden Tänzern oft auf den Hintergrund scharf statt auf den Tänzer, was bei offener Blende einen großen Unterschied macht.

Tänzer mit Arm vor Gesicht

Was aufgrund dieser widrigen Umstände ebenfalls eingeplant ist, ist eine Menge Ausschuss an Bildern. Es ist völlig klar das etliche Bilder unterbelichtet sein werden, weil das Spotlicht grade verschwunden ist, das Bilder unscharf sind weil der Tänzer sich in eine andere Richtung bewegte oder ich schlicht verkehrt fokussiert habe, und nicht zuletzt sind etliche Fotos unbrauchbar weil die Tänzer einen Arm vor dem Gesicht haben oder ähnliches. Um bei Bewegungen oder Akrobatiken gute Posen zu erwischen ist es sehr hilfreich im richtigen Moment Serienbilder zu machen.

Aus ähnlichen Veranstaltungen habe ich die Erfahrung dass ich hunderte Fotos pro Stunde mache. Da ich grade für diese schwierigen Lichtsituationen in RAW fotografiere um noch ein wenig mehr Qualität aus den Fotos zu holen, bin ich neben schnellen Speicherkarten auf einen schnellen Imagetank angewiesen, der in der Lage ist etliche GB Daten mit einer Akkuladung zu kopieren.

Auf dieser Veranstaltung hatten wir das Glück dass die Shows in Blöcke mit Tanzpausen aufgeteilt waren, in denen wir die Speicherkarten wechseln und kopieren konnten.

Richtig schwierig wurde das Licht bei der Rock'n'Roll-Akrobatik, wo aus Sicherheitsgründen die Scheinwerfer gelöscht und stattdessen das Hallenlicht eingeschaltet wurde. Entsprechend war es im Raum sehr gleichmässig und kontrastarm dunkel. Um überhaupt noch Bilder machen zu können musste ich auf ein Lichtstarkes 50mm Objektiv und Blende 1.4 bis 1.7 wechseln. Allerdings war die Brennweite viel zu kurz, die Tänzer sind im Bild zu klein um einen Ausschnitt daraus zu vergrößern der viel größer als die folgenden Bilder ist:

Akrobatik

Insgesamt habe alleine ich von dieser Veranstaltung 1848 Fotos gemacht.

Lichter im GesichtNach der Veranstaltung fängt dann die eigentliche Arbeit an, das Sichten der Fotos. Nachdem ich die Fotos auf meinen Rechner kopiert habe gehe ich alle Fotos durch, werfe offensichtlich untaugliche Fotos (unscharf, hoffnungslos falsch belichtet, ohne Inhalt) weg, beschneide die restlichen Fotos und setze Helligkeit und Kontrast. Zum Glück ist mein RAW-Konverter SilkyPix, in dem ich all diese Einstellungen vornehme, sehr gut auf die Massenverarbeitung solcher Aufgaben ausgelegt, die Handgriffe gehen zügig ohne Wartepausen von der Hand, natürlich dauert es dennoch etliche Stunden bis alle 1800 Fotos einmal gesichtet sind.

Bei diesem ersten durchsehen der Fotos habe ich ziemlich genau die Hälfte der Fotos als unbrauchbar gelöscht, es blieben 929 Bilder über, die jetzt schon mal sinnvolle Vorschläge für Beschnitt, Helligkeit und Kontrast haben.

Durch diese Fotos gehe ich dann noch ein zweites Mal durch, beurteile dabei Beschnitt, Helligkeit, Kontrast, und lösche weitere Bilder.

Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass es mir leichter fällt technische und inhaltliche Bearbeitung in zwei Durchgängen statt in einem zu machen: Habe ich mich beim ersten Durchlauf Fotos mit groben technischen Mängeln entsorgt, entferne ich sie beim zweiten Durchlauf nach Inhaltlichen Kriterien, immer mit der Frage im Kopf "Wird jemand dieses Foto sehen wollen?".

Obwohl es nur noch halb so viele Fotos sind, dauert dieser Durchgang mindestens genauso lang wie der Erste. Nach diesem zweiten Durchgang bleiben diesmal 446 Bilder übrig, die ich dann von SilkyPix mit den gewählten Parametern entwickeln lasse.

Die restlichen Fotos habe ich mit Birgits gesichteten Fotos zusammengeworfen, sie nach Datum sortiert und fortlaufend numeriert um einfachere Bestellnummern zu erhalten.

Aus diesen 700 Fotos habe ich ein Heft mit Kontaktabzügen und Bestellliste erstellt, das dann in der Tangothek zwei Wochen ausliegt, damit Abzüge bestellt werden können.

Was habe ich aus diesem Shooting gelernt?

In erster Linie wurde ich an einiges erinnert was ich schon wusste, was aber nicht mehr so richtig präsent war:

Mir ist zwar immer klar, das manuell belichten und manuell fokussieren bei so wenig und wechselhaftem Licht in erster Linie eine Sache der Übung ist, und das ich mich für gute Resultate bewusst 'aufwärmen' muss, also Fotos machen, Ergebnis kontrollieren, Resultat beim nächsten Foto beachten, doch irgendwie finde ich doch meist nicht genug Zeit zum aktiven warmlaufen.

Dann muss ich darauf achten beim Entwickeln in SilkyPix zuerst die Helligkeit befriedigend anzupassen, dann den Kontrast. Irgendwie habe ich es geschafft mal wieder bei allen Fotos erst den Kontrast anzuheben und dann über die Helligkeit nachzudenken, was dazu führte dass ich noch ein zweites Mal durch die Fotos ging und es diesmal richtig rum machte.

Mehr Rand bei den Kontaktabzügen lassen. Meine Einstellungen vom letzten Mal hatte ich leider nicht mehr, und ich dachte ich hätte viel Rand gelassen, doch Pustekuchen, es war viel zu wenig: Beim Ausbelichten der Kontaktabzüge wurden Bilder am Rand beschnitten und die Schrift teils auch.

Außerdem könnte meine Kamera mehr ISO vertragen, und lichtstärkere Objektive wären auch nett (1:2,8 ist mich nicht mehr Lichtstark, sondern normal).

(zum Inhaltsverzeichnis der Berichte aus der Praxis)

Veröffentlicht am Di, 01. Apr 2008, 21:57 von Sam

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