Schatten eines Armes
Sam Jost
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Farbmanagement für die Digitalfotografie

An einem Freitag klingelte mein Telefon, am Apparat war Stefanie Kölln, ob ich vielleicht zufällig Sonntag Zeit und Lust für ein Foto-Shooting mit ihren Tänzerinnen hätte. Sie bräuchten dringend ein Foto für das Plakat zu der Veranstaltung Danceworks 2008.

Meinem Hinweis dass ich mit gestellten Fotos wenig Erfahrung habe und entsprechend keine Garantie für gute Bilder geben kann, hat sie zur Kenntnis genommen, fand aber die Fotos die ich bisher gemacht hatte gut und meinte das würde schon werden.

Schön, ich habe Spaß an neuen Sachen, und das war eine sehr gute Gelegenheit zu probieren wie mobil und praktikabel entfesselte Blitze wirklich sind! Als Location für die Fotos hatte Steffi sich die Bühne vom Deutschen Haus 'geliehen', um ein passendes Ambiente für die Bilder zu haben, das versprach schon mal genug Platz.

Also hab alle Kamera- und Blitz-und Imagetank-Akkus geladen, die Fototasche mit kurzen und mittleren Brennweiten bestückt, und eingepackt was ich so an Strobist-Zubehör hab: Lampenstative, Blitze, Farbfolien, Schirme, Lichtformer, Funkauslöser, ... . Insgesamt hatte ich deutlich mehr mit als nötig, aber die beiden Taschen (eine mit Fotosachen, eine mit Strobist-Zubehör) liessen sich auch zu Fuß noch ganz gut tragen.

Vor Ort angekommen habe ich, während die Tänzerinnen sich etwas vorwärmten, die Lampenstative aufgebaut, mit Blitzen, Cactus-Triggern und Schirmen bestückt um die schon mal griffbereit zu haben.

Pflaster an der HandDirekt beim aufwärmen tauchte das erste, nicht direkt fotografische Problem auf: Steffi hatte sich einen Splitter in die Hand gezogen, der jedem Versuch trotzte entfernt zu werden (wir hatten allerdings auch nur einen Nagelknipser dabei). Schlussendlich hat sie ein Pflaster drüber geklebt und den Splitter auf den nächsten Tag vertagt, wo ihn dann ein Arzt entfernt hat - beim Aufkleben des Pflasters hatten wir noch dran gedacht dass es nachher auf den Bildern stören würde, leider fiel mir das erst wieder ein als wir schon etliche Fotos mit Pflaster gemacht hatten.

Zu Hause hat mich das dazu bewegt, Sprühpflaster in meine Strobist-Tasche einzupacken, das fällt auf den Fotos nicht so negativ auf. Vielleicht lege ich auch noch ein scharfes Messer oder eine Pinzette dazu, mal sehen.

Ein Blitz zündete nichtZum Glück war ich bei diesem Shooting nicht für die kreativen Ideen zuständig, dafür hatte ich den Kopf nämlich nicht frei genug von der Technik. Mein erstes technisches Problem tauchte sehr früh auf, die Cactus-Trigger die zu Hause sehr zuverlässig funktionierten, lösten im Deutschen Haus öfter mal ohne Grund oder gar nicht aus.

In diesem Fall war das allerdings eine glückliche Fügung, denn dadurch hatten wir statt der gründlich ausgeleuchteten Szene eine sehr viel dramatischere und interessante Beleuchtung gefunden, und ich habe den zweiten Blitz einfach weggelassen.

Eine weitere Schwierigkeit war das doch *sehr* schummrige Bühnenlicht, das zwar super geeignet war um mit den Blitzen stimmungsvoll zu beleuchten, wodurch aber leider das Scharfstellen zu einer echten Herausforderung wurde - glücklicherweise hatte ich am Vorabend bei der Tanzgala stundenlang unter ähnlich schlechten Lichtbedingungen gearbeitet und war einigermassen in Übung, doch viele Bilder waren dann leider doch einen Tick neben der Schärfe, was sehr ärgerlich ist.

Licht und SchattenÜberhaupt war das Mischen des Bühnenlichts und der Blitze eine interessante Herausforderung: wir haben versucht mit Scheinwerfern und Blitzen zusammen zu beleuchten, doch da die Scheinwerfer nur sehr schwach leuchteten (und allenfalls unser Wunderinstrument Auge das Licht hell fand), während der Blitz recht stark leuchtete, kam das Umgebungslicht nicht so stark zur Geltung wie wir das gerne gehabt hätten. Etwas konnte ich herausholen indem ich die Belichtungszeiten verlängerte, aber das erhöht natürlich auch wieder das Risiko einer Bewegungsunschärfe.

Ich hätte mir helleres Licht gewünscht, trotz verschiedener Anläufe die Scheinwerfer heller zu bekommen war das Licht nicht besonders hell.

Die Aktion hat jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, die Tänzerinnen sind einfach super und sehr ausdauernd darin Sprünge oder Haltungen wieder und wieder zu probieren - sonst fotografiere ich ja immer Tänzer die nicht einmal mitbekommen das ich sie fotografiere, entsprechend war es für mich völlig ungewohnt dass ich ja Einfluß auf die Aktionen nehmen konnte, daran muss ich mich noch gewöhnen.

Tanz-Impressionen

Steffi springt

Ein weiterer Unterschied zu meinen üblichen Beobachter-Fotos: Während die Akteure bei einer Aufführung aufgewärmt sind, und während der Aufführung auch aufgewärmt bleiben, kühlen sie bei einem Fotoshooting schnell aus wenn sie zu lange herumstehen, nachdenken, Fotos ansehen. Zum einen erhöht dass das Verletzungsrisiko, vor allem sind die Muskeln im kalten Zustand auch nicht so beweglich, so dass die interessanteren Posen schwieriger werden.

Entsprechend ist es wichtig das Shooting zügig zu gestalten damit die Muskeln nicht zu kalt werden. Andererseits muss ich mir nach jeder Änderung von Position oder Licht die Zeit nehmen die Beleuchtung anhand eines Probefotos zu überprüfen, denn wie mir erst später am Computer auffiel, hatte ich zwar sehr darauf geachtet die Fotos nicht überzubelichten, habe aber bei großen Teilen des Shootings die Fotos 2-3 Blenden unterbelichtet, wodurch die Fotos am Ende dann leider starkes Bildrauschen hatten, was ich sehr ärgerlich finde, denn das wäre nicht nötig gewesen.

Viel Spaß gemacht haben auch die Gruppenfotos (wie eigentlich alles an diesem Shooting). Ich hab zwar auch hier wieder bemerkt das mir die Übung fehlt wie man eine Gruppe kreativ hinstellen könnte, dafür hat mich aber besonders beeindruckt wie gut sich das anfühlt, wenn so viele fröhliche Gesichter einen anlachen! Alleine dafür lohnt es sich schon Fotograf zu sein :)
ein Gruppenfoto

Was habe ich aus diesem Shooting gelernt?

(zum Inhaltsverzeichnis der Berichte aus der Praxis)

Veröffentlicht am Mi, 02. Apr 2008, 10:44 von Sam

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