verdrehtes Telefonkabel
Sam Jost
 RSS-Abo



Mehr von Sam
radeldudel.de durchsuchen:
Farbmanagement für die Digitalfotografie

(zum Inhaltsverzeichnis der Anleitung für entfesseltes Blitzen)

Der zweite grundlegende Faktor für unser Blitzlicht ist der Abstand zum Motiv.

Dieser Faktor wird oft unterschätzt!

Um zu zeigen wie wichtig der Abstand ist hier drei Fotos:

Unterschiedlicher Lichtabfall je nach Abstand Blitz zu Motiv

Wie man sieht fällt das Licht vom Blitz sehr stark ab, und je dichter der Blitz am Motiv steht, desto größer werden die Helligkeitsunterschiede zwischen den Teilen des Motivs die dicht am Blitz stehen, und den weiter weg liegenden.

Was man sich merken sollte:

Gut, das wissen wir jetzt, doch was gibt es hier zu üben?

Etwas Wissen ist eine Sache, sich im richtigen Moment daran zu erinnern eine ganz andere. Entsprechend ist es die Aufgabe sich mit dem Abstand zwischen Blitz und den verschiedenen Teilen des Motivs vertraut zu machen. Genau wie man bei einem Fahrertraining in einer sicheren Situation etwas übt um es im Ernstfall parat zu haben, üben wir hier spielerisch um ein Gefühl für den Effekt zu besitzen wenn wir es in einer ernsthafen Situation mal brauchen.

Die zweite Übung:

Für diese Übung sollte es dunkel genug sein dass das Umgebungslicht nicht im Bild auftaucht, sondern nur das Blitzlicht. Außerdem brauchen einen Hintergrund (eine Wand, ein Schrank oder so) und etwas Platz davor.

Etwa einen Meter vor unseren Hintergrund stellen wir ein Motiv. Unseren Blitz stellen wir nun weit weg vom Motiv, mal als Beispiel zwei Meter entfernt. Jetzt machen wir ein Foto mit dem Blitz auf voller Leistung.

Danach rücken wir den Blitz deutlich näher ran, beispielsweise auf einen Meter ans Motiv, und machen noch ein Foto - wenn wir die Kameraeinstellungen unverändert lassen werden wir die Blitzleistung deutlich reduzieren müssen damit das Motiv im Vordergrund noch genauso belichtet ist wie beim ersten Bild.

Für das dritte Bild stellen wir den Blitz nochmal deutlich näher an das Motiv, vielleicht einen halben Meter entfernt, machen noch ein Foto. Auch hier müssen wir die Blitzleistung wieder deutlich reduzieren um das Motiv im Vordergrund gleich hell zu belichten.

Vergleicht danach die drei Bilder. Das Motiv im Vordergrund sollte auf allen drei Fotos gleich hell sein, während die Wand von Foto zu Foto dunkler wird.

Zur Veranschaulichung dieser Übung drei Fotos:

Bei allen dreien sitze ich im gleichen Abstand (etwa 1 Meter) vor einer Wand, bei allen dreien sind die Kameraeinstellungen identisch (F6.7, 1/125s, ISO 100). Das einzige was ich verändert habe ist der Blitz. Beim linken Bild steht der Blitz gut 2 Meter entfernt, beim mittleren in 1 Meter Abstand, für das rechte ist er auf Armlänge (50 cm) dran:

Abstand Blitz/Motiv/Hintergrund

Natürlich musste ich die Blitzleistung reduzieren um das Motiv in etwa gleich zu belichten: während im linken Bild der Blitz noch die volle Leistung brauchte um mich auszuleuchten, brauchte er im mittleren nur noch 1/8 seiner Leistung, und im rechten Bild musste ich die Leistung gar auf 1/64 runterschrauben.

Diese Zahlen sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen!

Bei 1/64 seiner Leistung ist der Blitz nahezu sofort wieder einsatzbereit, während bei voller Leistung schon ein paar Sekunden vergehen - ein Effekt den man nicht unterschätzen sollte, denn nichts ist ärgerlicher als wenn man *das* Bild verpasst einfach weil der Blitz noch nicht wieder einsatzbereit war. Mal abgesehen davon dass die Akkus dann auch für mehr Fotos halten.

Wenn ihr etwas mit den Abständen spielt werden ihr merken, das sich nah am Motiv kleine Änderungen am Abstand sehr stark auswirken, weiter weg kleine Änderungen am Abstand hingegen nicht viel Unterschied machen.

Man kann natürlich auch den Abstand zwischen Vorder- und Hintergrund ändern.

Um das zu zeigen habe ich mich mit dem Rücken an eine Wand gestellt, dabei Kamera- und Blitzeinstellungen gleich gelassen, beides auf Armlänge vor mich gehalten, ein Foto gemacht, bin einen Schritt von der Wand weg gegangen, hab ein Foto gemacht, insgesamt drei Bilder. Am Hintergrund kann man sehen das ich mich von der Wand wegbewege, und wie sie Schritt für Schritt dunkler wird:

Abstand Blitz zu Motiv im Vergleich Blitz zur Wand

Mit genug Abstand zur Wand könnte ich diese Schwarz erscheinen lassen, und mit genug Blitzleistung kann man sogar hellen Sonnenschein verschwinden lassen. Hier habe ich mal meine Hand mit zwei Blitzen so stark beleuchtet das schon mein Arm im dunkel verschwindet, und das obwohl das Bild mitten an einem sonnigen Tag entstand:

Hand in der Lichtzange

Die Blitze zeigen von den Seiten auf meine Hand und sind sehr nah dran (30cm) damit ihre Leistung zur Geltung kommt, meine Kameraeinstellungen waren Blende 1:22, 1/125s, bei ISO 100.

Ich musste die Blitze sogar runterregeln weil sie das Bild sonst überbelichtet hätten.

Erschreckend viele Fotografen setzen ihr Motiv einfach mit einem festen Abstand zum Hintergrund und haben ihren Blitz auch immer gleich weit weg - tut das nicht, lasst diese wichtige Möglichkeit der Bildgestaltung nicht ungenutzt!

(zum Inhaltsverzeichnis der Anleitung für entfesseltes Blitzen)

Veröffentlicht am Do, 13. Mär 2008, 08:49 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.

Anmelden, um den Artikel zu diskutieren.

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.