Sam Jost
 RSS-Abo



Mehr von Sam
radeldudel.de durchsuchen:
Farbmanagement für die Digitalfotografie

Einen großen Teil meiner Jugend bekam ich nebenher den Wert von Spielen und Arbeit vorgelebt: wenn man etwas gern macht, ist das Spielen (später Hobby genannt), wofür man oft genug auch Geld ausgibt. Geld bekommt man hingegen für die Dinge, die man nicht so gern tut, das ist dann Arbeit.

Später hatte ich das Glück, in einer Arbeit zu landen, die mir Spaß machte, entsprechend dachte ich wenig über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Hobby und Arbeit nach. Ziemlich oft habe ich gelesen, dass der Wert von etwas nicht dadurch bestimmt wird, wie unangenehm es ist, sondern dadurch, wie sehr es jemand anderem hilft. Etwas was ich tue, mag für mich eine Kleinigkeit sein, die nur wenige Minuten meiner Zeit in Anspruch nimmt, die mir dabei auch noch Spaß macht, und doch kann es für jemand anders einen hohen Wert haben.

Vom Verstand her war mir das lange bekannt, doch es dauere eine Weile bis dieses Faktenwissen es auch in die weitere Verarbeitung in meinem Kopf schaffte, bis ich dieses Wissen auch fühlte. Schon immer hab ich anderen bei den unterschiedlichsten Dingen geholfen, meist bei Sachen an denen ich Interesse hatte. Ob ich nun an einem Computer etwas zum laufen brachte, von jemand Bewerbungsfotos gemacht habe, oder beim Umzug geholfen habe. Verschiedene Dinge, die mir oft auch Spaß gemacht haben.

Irgendwann nahmen vor allem die Computerprobleme überhand. Jemand im Freundeskreis zu helfen ist ja noch ok, aber diese erzählten das auch anderen, und mehr und mehr wollten auch Leute Hilfe von mir, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Es wurde mir zu viel, und ich habe angefangen, die Anfragen abzuwehren. Alle Anfragen. Jetzt kam mir mal die Frage in den Kopf, was wohl passiert wäre, wenn ich stattdessen für meine Hilfe Geld genommen hätte. Es hätte ja nicht viel sein müssen, aber irgendwie an meine investierte Zeit gebunden, so dass jemand sich vielleicht schon überlegt ob, und vor allem wie viel meiner Zeit er beanspruchen möchte.

Das lustige ist, einige Leute haben mir auch für meine Hilfe Geld angeboten, was ich aber abgelehnt habe, da es mir irgendwie falsch vorkam, für etwas Geld zu nehmen was ich doch gerne tu. Damit habe ich diesen Menschen allerdings keinen wirklich Gefallen getan, denn so standen sie gefühlt in meiner Schuld, und ich gab ihnen auch keine andere Möglichkeit, diese Schuld zurückzuzahlen.

So hatte meine Weigerung Geld anzunehmen zur Folge, dass es den Menschen, die mir gerne Geld gegeben hätten, unangenehm war mich zu fragen, weil sie das Gefühl hatten mich auszunutzen, während die Menschen, die kein Problem damit hatten, mich Auszunutzen, mich immer mehr und wieder fragten.

Ich zog also genau die Leute an, die meiner Meinung nach die Hilfe am wenigsten verdient hatten.

Und das ist mir erst letzte Woche so richtig bewusst geworden. 

(Natürlich ist es noch besser wenn es einen Gegen-Gefallen gibt, man sich gegenseitig hilft, dies hier ging bei mir um die Fälle, wo es nichts gab womit man mir einen Gefallen hätte tun können).

Veröffentlicht am Do, 06. Sep 2007, 16:14 von Sam

Social Plugins von Facebook, Google und Twitter für www.radeldudel.de abschalten.

Anmelden, um den Artikel zu diskutieren.

Heilpraktiker in Flensburg
© 2004-2014 Sam Jost, Flensburg. Unerlaubte Vervielfältigung untersagt.
Die Inhalte von www.radeldudel.de sind meine ganz private Meinung.