Taxi Sommer und Taxi Brennert mit Igel auf der Heckscheibe
Sam Jost
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'Im Flow sein' nennt man es bei Programmierern wenn man völlig konzentriert aber mühelos programmiert, das Programm einem einfach nur so aus den Händen fliesst, Hindernisse nicht etwas sind was einen bremst sondern eher kleine Steigungen und Gefälle, wo man kurz langsamer wird aber danach dafür wieder um so schneller. In einer völligen Leichtigkeit schwierige Dinge entwickeln.

Viele Webseiten mit Tipps für Programmierer weisen immer wieder darauf hin wie wichtig es ist diesen zeitlosen 'Flow' zu erreichen und möglichst lange zu halten um so effektiv wie möglich zu arbeiten. Meist wird darauf hingewiesen das man äußere Ablenkungen abschalten sollte, das Telefon abschalten, Skype und Email-Programme beenden und am besten auch noch ein Schild 'bitte nicht stören' an die Tür.

Und falls man sich (wie die meisten Menschen) nicht den ganzen Tag so von allen äußeren Einflüssen frei machen kann sollte man dann zusehen dass man zumindest eine feste Zeit einplant in der man sich abschottet.

Meiner Erfahrung nach ist es am besten wenn die äußeren Einflüsse einfach wissen und akzeptieren dass es Momente gibt wo man sie einfach ignorieren kann, denn wenn man wirklich 'im flow' ist wird was um einen herum stattfindet bedeutungslos solange man nicht darauf reagieren muss. Wenn man Telefon und Email also ignorieren kann und die Kollegen wissen das man besser später fragt wenn man sehr beschäftigt ist und abwinkt kann man auch unter größtem Trubel 'im Flow' sein. Ja, solange man sich nicht ärgert kann man sogar die äußeren Einflüsse 'im Flow' abarbeiten, diesen Zustand auch auf diese Sachen erweitern, trotz Störung voll in der Gegenwart bleiben und weitermachen.

So richtig rausgerissen wird man wenn man anfängt sich zu ärgern, die Gedanken immer wieder zu vergangenen oder zukünftigen Dingen wandern, man anfängt an den Feierabend, den nächsten Tag, was auch immer zu denken und nicht mehr voll in der Gegenwart ist. Denn 'im Flow' sein bedeutet in erster Linie voll in der Gegenwart zu sein. Ja, man baut auf Erfahrungen aus der Vergangenheit auf, und man plant für die Zukunft soweit sie einem bekannt ist, aber man hält sich nicht damit auf sich auszumalen wie etwas sein könnte, oder zu überlegen wie es jetzt anders sein könnte wenn man in der Vergangenheit anders entschieden hätte.

Man baut auf dem auf was man jetzt hat, und plant für das was einem jetzt grade einfällt, bleibt aber immer voll in der Gegenwart.

Diesen 'Flow' gibt es auch in vielen anderen Bereichen. Beim Laufen geht man irgendwann in eine zeitlose Euphorie über, wo man die Zeit nicht mehr fühlt, nicht mehr die Schritte zählt, sich überlegt wie viel man schon gelaufen ist, wie viel noch kommt, sondern einfach nur noch jeden Schritt so setzt wie er in diesem Moment richtig ist, sich gut fühlt und läuft läuft läuft (in meiner kurzen Laufkarriere bin ich nur einmal in den Genuß dieses Gefühls gekommen). Dieses Gefühl kenne ich auch aus anderen Sportarten, selbst im Step-Kurs im Fitnessstudio habe ich irgendwann einfach abschalten können und bin einfach nur voll in dem aktuellen Moment mitgelaufen. Einfach voll in der Gegenwart gewesen, ohne mich mit Gedanken an vergangenes oder zukünftiges abzulenken - die komplette Teilnahme verlief dann in einer spielerischen Leichtigkeit, wo andere (die mehr Sport als ich machten) mit Mühe folgten konnte ich in einer spielerischen Leichtigkeit mitmachen, einfach weil ich das Bewegungsgefühl so verinnerlicht hatte dass ich ohne Nachdenken voll in dem Moment sein konnte, 'im Flow'.

Sogar beim Tanzen war ich, zu einer Zeit als ich noch mehr als zweimal die Woche Standard/Latein getanzt habe, so sehr 'drin' dass ich beim Walzer wo es mehr auf die Bewegung als auf die Folge ankam kurzzeitig im Flow war, das es einfach lief ohne dass ich drüber nachdachte, wodurch ich dann auch keine Folge mehr ablief sondern einfach in Richtungen drehte und ging wie sie sich grade aufgrund der Situation anboten - aber nur so lange bis mir auffiel dass ich keine Folge mehr tanzte, denn dann fing ich an drüber nachzudenken wie es weitergehen sollte statt es zu fühlen, fiel damit aus dem Flow, dem Fluß, und stolperte mehr oder minder ein paar Takte über meine Füße bis ich mich dann wieder fing und wieder aus dem Verstand weitertanzte.

Dieser 'Flow' klappt bei mir aber nur bei Dingen die ich sehr viel und regelmässig übe, und nicht etwas was ich bewusst starte indem ich mich darauf konzentriere, sondern etwas das mir passiert wenn ich loslasse, mich nicht von Vergangenheit oder Zukunft ablenken lasse, einfach auf das einlasse was jetzt in diesem Moment anliegt ohne es zu bewerten, ohne etwas davon zu erwarten.

Erstaunlicherweise kann ich (wenn ich erstmal angefangen habe) grade beim Wohnungsputz ziemlich gut loslassen und einfach nur das machen was anliegt, also im Flow sein ;) Ich darf bloss nicht drüber nachdenken, sondern muss einfach nur aus Reflex handeln, tun was anliegt. So kann das sogar richtig Spaß machen Fenster zu putzen oder sinnlos Handtücher zu bügeln. Für mich ist hier wichtig dass ich kein bestimmtes Ziel habe, ich einfach nur mache was grade auffällt und auch nur solange ich Lust habe, und meist auch aufhöre sobald ich aus dem Flow falle.

Ich denke am wichtigsten für den Flow ist es voll und ganz in der Gegenwart zu sein, nicht über Vergangenheit oder Zukunft nachzudenken sondern sich völlig auf das einzulassen was jetzt anliegt, was in diesem Moment vor einem liegt. Ohne es zu bewerten, drüber nachzudenken, es einfach zu tun. Loszulassen. Und es ist einfach ein geniales Gefühl so die Zeit zu verlieren.

Veröffentlicht am Mi, 20. Jun 2007, 22:11 von Sam

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