Blick auf verfrorene Landschaft von der A7 aus
Sam Jost
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Selten passiert mir etwas, wo mir so richtig das Herz in die Hose rutscht. Eine kleine unscheinbare Aktion hat dermaßen überraschend fatale Folgen das mein Kreislauf schon mal gleich als erstes peinlich berührt im Keller versinkt, mich mit einem Gefühl im Magen zurücklässt als hätte ich drei Tage nichts gegessen, mir spontan so schwindlig wurde dass ich froh war auf dem Fußboden zu sitzen, damit konnte ich nicht ganz so tief fallen.Angefangen hat es mit einer ganz harmlosen Aktion. Das Windows XP meiner Schwester schaffte irgendwie den ChkDsk beim Systemstart nicht, vermutlich weil sich ein Virus/Wurm/Trojaner statt des ChkDsk in den Systemstart eingehängt hatte. Da das zurücksetzen dieser Einstellung nicht so recht gut klappte, warum auch immer, dachte ich mach doch mal lieber einen ChkDsk von der Installations-CD aus, und aus der Boot-Recovery-Console kann man vielleicht ja auch diese Starteinstellungen wiederherstellen.

Gesagt, getan, Windows-CD eingeworfen, gebootet (mehrfach bis er denn endlich von CD startete), das übliche bla bla wird angezeigt, ein paar Startmeldungen und so, die Meldung dass die Festplatte neu formatiert wird … an dieser Stelle trat dann nach etwa zwei Sekunden der Schock ein. Wie, die Festplatte wird formatiert? Was haben die mit den vorgehenden Menüs gemacht? Wieso kommt keine Frage ob ich das überhaupt will?

Dann kam die Erkenntnis: ich hab grad die Festplatte meiner Schwester frisch formatiert. Und sie hat sicher keine Datensicherung. Oh je.

Naja, nachdem der Schock vorbei war kamen die ersten Ideen zur Schadensbegrenzung, unter anderem der einer Datenrettungsfirma, die ich zu dem Zeitpunkt für unbezahlbar hielt, während ich bei einer Rettung mit halbgaren Tools auf eigene Faust an eine mehrwöchige Odyssee denken musste. So oder so war mir aber klar, wenn tatsächlich irgendwas gerettet werden soll darf diese Platte nicht mehr benutzt werden, entsprechend hab ich Ersatz besorgt, eingebaut, installiert und die formatierte Platte mitgenommen.

Datenrettungsdienste waren wie erwartet durchgängig sehr teuer, da war immer gleich die Rede von mehreren Hunderten von Euros. In Datenrettungstools hatte ich wenig vertrauen, aus Neugierde hab ich dennoch mal rumgesucht und bin auf vielfache Erwähnung des File Scavengers von QueTek gestossen. Das Programm wurde ohne Ende gelobt, die Webseite sah gut aus, und dazu ist es mit $49,- sogar noch bezahlbar.

Noch besser: man kann den File Scavenger kostenlos runterladen, sogar in einer deutschen Version (die englische Webseite war als ich das ausprobieren wollte grade nicht verfügbar). Man kann ohne sich anzumelden oder zu bezahlen mit der kostenlosen Version die Festplatte nach verlorenen Dateien durchsuchen, und jeweils die ersten 64kb jeder Datei wiederherstellen um zu sehen ob sich ein Rettungsversuch überhaupt lohnt.

Also die Festplatte meiner Schwester als zweite Platte in einen Rechner eingebaut, Rechner eingeschaltet, File Scavenger installiert und gestartet. Nach kurzem probieren die ausführlichste Suche nach *.jpg laufen lassen, die schnellen Suchen sind wohl eher geeignet um gelöschte Dateien zu finden, nicht so sehr um Dateien von einem komplett neuformatierten System wiederherzustellen.

Nach nicht mal einer halben Stunde hat File Scavenger insgesamt 6441 jpg-Dateien angezeigt, viele sogar mit Pfad- und Dateinamen. Das sah so gut aus, das ich mal eben die Kreditkarte gezückt hab, mir online einen Key gekauft hab, diesen beim File Scavenger eingab. Und sofort konnte ich ihn die gefundenen Dateien auf ein anderes Laufwerk wiederherstellen lassen, das dauerte dann grad mal gut Zehn Minuten zusätzlich.

Bei diesen Dateien waren natürlich etliche Systembilder, Bilder von installierten Programmen, Bilder aus dem Cache des Internet-Explorer, und auch von den richtigen Fotos lagen tausende mehrfach vor da sie irgendwann mal auf der Festplatte rumkopiert worden waren. Viele Dateien waren auch defekt, es fehlten Blöcke, sie liessen sich nicht anzeigen.

Einige der Systembilder konnte ich glücklicherweise Verzeichnisweise löschen, da der File Scavenger sie ihrem Ursprungspfad zuordnen konnte, um die defekten Bilder loszuwerden habe ich mir kurz ein kleines .NET-Programm geschrieben das jedes Bild einmal lädt, und es einfach löscht falls der Ladeversuch scheitert.

Da die meisten Fotos ungeordnet in einem Verzeichnis lagen, immer noch einige tausend, schrieb ich ein kleines Programm dass aus den Exif-Daten das Aufnahmedatum liest und die Bilder aufgrund dieses Datums in eine Ordnerstruktur ablegt wo jeder Tag einen eigenen Ordner hat, z. B. 2006-12-04.

Dabei fiel mir auf wie viele Bilder immer noch doppelt und dreifach vorlagen, und ich hab die Freeware AntiTwin über den Bilderbestand gejagt, die mal eben 1250 doppelte Dateien bemerkte und entfernte.

Sehr angenehm! Wenn ich überlege was ich vor einigen Jahren noch an Aufwand treiben musste um mit Dateirettungstools etwas zu erreichen bin ich echt angetan vom File Scavenger. Die ganze Aktion samt schreiben der Programme hat grade mal drei bis vier Stunden gedauert, und die meiste Zeit davon habe ich mehr gewartet dass einer der Läufe fertig wird, als wirklich viel tun zu müssen.

Und immerhin hab ich jetzt einen gute Geschichte um jegliche Hilfestellungen an einem Computer abzulehnen wenn derjenige keine aktuelle Datensicherung hat ;)

Veröffentlicht am Do, 25. Jan 2007, 10:26 von Sam

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