Wolken aus dem Flugzeug gesehen
Sam Jost
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Eine berechtigte Frage kam im Kommentar von Benjamin:

'Viel interessanter fände ich es, wie ich es schaffe, dass andere Leute nicht in meine Muster fallen. Also wie schaffe ich es, dass mir andere zuhören, mich nicht missachten, mir keine rein hauen, was auch immer. Ich glaube, das ist noch schwieriger, als bei anderen Muster zu erkennen und nicht mitzuspielen.'

Stimmt, es ist schwieriger. Der erste, und für mich schwierigste Schritt war, zu erkennen *das* ein Muster existiert.

Nicht das Muster zu erkennen, sondern einzusehen das es überhaupt da ist.

Vorher habe ich, wenn außen etwas passierte, das unabhängig von mir gesehen. Wenn mir Haufenweise Leute begegnet sind die unfreundlich und pampig waren, hab ich mich vielleicht gewundert, aber keinen Zusammenhang zu mir gesehen. Die anderen waren ja pampig, nicht ich, also haben die es verursacht, nicht ich. Dachte ich.

Doch es gehören immer zwei dazu. Und mein erster Schritt war, einzusehen dass ich die Reaktion meiner Umwelt mit beeinflusse. Jetzt im nachhinein kommt es mir logisch vor. Das bedeutet nicht dass ich mir die alleinige Verantwortung für alles was um mich passiert zuschiebe, sondern einfach nur dass ich eine Rolle darin spiele.

Aus der anderen Perspektive kenn ich das nur zu gut: ich sehe jemand auf der Straße und fühle schon im ersten Moment, den Kerl mag ich nicht, oder halte ihn für bescheuert, oder allein schon seine Anwesenheit stört mich. Wie oft hab ich es erlebt das jemand den Mund aufmacht und schon nach den ersten drei Worten geht er mir tierisch auf die Nerven. Sei es jemand am Telefon, ein Verkäufer in einem Geschäft, oder eine Frau die in eine Kneipe kommt und dabei etwas zu ihrer Begleitung sagt. Manche Menschen sind mir einfach sofort unsympatisch.

Diese Menschen strahlen etwas aus, was sie für mich (und viele andere) sofort unsympatisch macht. Entsprechend werden sie auch von vielen anderen Menschen behandelt. Ebenfalls sehr oft hab ich bei jemand gesehen der mir unangenehm war, wie er von einem zu mir freundlichen Verkäufer, Bedienung oder ähnlichen vergleichsweise neutral oder ungeduldig behandelt wurde.

Dieser Mensch, der mir sofort unsympatisch war, trifft meiner Beobachtung nach bei vielen anderen Menschen ebenfalls auf Abneigung. Und da ihm viele Leute abweisend begegnen sind seiner Beobachtung nach die meisten Leute unfreundlich. Also erwartet er Unfreundlichkeit, benimmt sich entsprechend, und erntet noch öfter Unfreundlichkeit. Ein Teufelskreis.

Das funktioniert natürlich nicht nur mit Unfreundlichkeit. Manche Menschen laden dazu ein auf ihnen rumzuhacken, und benehmen sich entsprechend grundsätzlich weinerlich, wie ein geprügelter Hund. Und was passiert? Viele Menschen behandeln sie so, wie sie sich benehmen. Es wird mehr auf ihnen rumgetreten. Sie werden weinerlicher. Konnte ich sehr schön bei einer Kundin beobachten, die am Telefon eine extrem weinerliche Stimme hatte: Alle die sie am Telefon hatten waren genervt und neigten dazu sie passend zu ihrer weinerlichen Stimme zu behandeln.

Natürlich benehme ich mich diesen Menschen gegenüber anders, als welchen die ich auf Anhieb mag. Genauso findet mich auch jemand anders schon vom Sehen, oder von den ersten Worten her, Sympatisch oder unangenehm oder weinerlich. Oder gleichgültig. Es gibt immer einen ersten Eindruck, ein Gefühl, ohne jemand wirklich kennengelernt zu haben.

Das kann man, wenn man schaut, an vielen Stellen beobachten. Wie jemand behandelt wird, wie man auf jemand reagiert hängt ganz stark davon ab wie er aussieht, sich bewegt, benimmt, redet.

Richtig interessant wird nun wenn ich das umdrehe. Wenn ich das auf mich selber anwende. Ich hinterlasse logischerweise auch einen ersten Eindruck bei anderen, der sich nach Tageslaune unterscheidet. Wenn ich am Boden zerstört durch die Innenstadt ging wurde ich angepöbelt - damals wunderte ich mich über diesen Zufall, inzwischen ist mir klar dass meine geknickte Erscheinung dazu eingeladen hat mich mehr zu knicken.

Laufe ich dagegen locker fröhlich rum, ziehe ich mehr positive Reaktionen auf mich. Ich bestimme die Reaktionen um mich herum zu einem großen Teil mit. Und ich nehme die Welt auch anders wahr: bin ich geknickt störe ich mich an jedem der sich komisch benimmt, bin ich dagegen fröhlich und überdreht lache ich über ihn. Oft sogar schnell mit ihm.

Diese Erkenntnis, wie Menschen mitbestimmen wie anderen auf sie reagieren, war mein größter und wichtigster Schritt um an meinen Mustern zu arbeiten. Nachdem ich erstmal akzeptiert habe dass ich die Reaktionen mitbestimme, brauchte ich nur noch zu beobachten. Wenn mir jetzt Dinge häufiger passieren, überlege ich wie das wohl mit mir im Zusammenhang stehen könnte. Ob ich das vielleicht mit verursache, ob ich das will, und ob ich das verändern möchte.

Das hilft mir sehr darin die Muster um mich herum zu verändern, indem ich meine Selbsteinschätzung, mein Selbstgefühl verändere.

Veröffentlicht am Fr, 22. Dez 2006, 08:59 von Sam

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