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Sam Jost
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Sicherheit:21.12.2006

Einen Computer haben und nutzen heutzutage sehr viele Menschen, sich damit besser auskennen tun aber nur wenige. Für die meisten ist er einfach nur ein Arbeitsmittel zu einem bestimmten Zweck, mehr nicht. Diese Menschen kennen einfach nur ihre Programme, ihre Abläufe, und sind zufrieden damit. Und das war auch gut so.

Bis das Internet für Jedermann interessant wurde, interessant für Otto Normal, und für Hacker. Und damit wurde aus Unwissenheit oft Chaos oder Angst.

Das Chaos kommt oft zu denjenigen die sich einfach an das Internet anschließen ließen ohne sich bewusst zu sein dass nicht nur sie auf das Internet zugreifen können, sondern das Internet auch auf sie. Früher sind diese Computer oft durch Würmer gestört worden, manchmal wurden ihre Daten von Trojanern bzw. Viren gelöscht. Wer hier Daten verlor ging über zur Angst.

Danach kam die Phase, wo diese Schädlinge versuchten sich in Kostenpflichtige Rufnummern einzuhängen um Geld des betroffenen Anwenders abzuzocken. Diese Art von Befall fiel dann spätestens bei der nächsten Telefonrechnung auf, und da diese oft empfindlich hoch war ist dann meist auch was passiert (und wieder wechselten Betroffene vom Chaos zur Angst - Angst nochmal so eine Telefonrechnung zu bekommen). Die effektivste Lösung war kostenpflichtige Nummern vom Telefonanbieter sperren zu lassen.

Das hat sich mit DSL zum Glück ein wenig gelegt, da man sich bei DSL an einen Anbieter bindet und es für den Virus nicht mehr so einfach ist den zu einer Abzocke umzuleiten.

Die Schädlinge wurden subtiler. Sie verstecken sich im System, welches dann ein wenig kränkelt indem es langsam wird, einige Dinge nicht mehr Funktionieren, oder ab und an etwas überraschendes passiert, aber grundsätzlich noch funktioniert.

Dafür machen sie sich im Hintergrund zu schaffen. Sie benutzen den PC um Werbe-Mails zu verschicken, oder andere PCs anzugreifen. Oder sie zeigen dem Anwender hin und wieder eine Werbe-Webseite. Oder sie spionieren im Hintergrund Passwörter für Online-Banking, Amazon oder ebay aus, um darüber weitere Betrügereien vorzunehmen.

Und der unbedarfte Anwender bekommt davon nichts mit. Manchmal kommt ihm der Rechner zwar langsam vor, oder er wundert sich über komische Meldungen, oder das etwas nicht funktioniert, er findet sich aber damit ab. Und irgendwann, wenn es überhand nimmt, oder die eine Aufgabe für die der Rechner gekauft wurde nicht mehr funktioniert, fragt er mal jemand von dem er glaubt dass er sich damit auskennt nach Hilfe.

Einer ganz einfachen kleinen Hilfe, versteht sich, denn im Prinzip funktioniert der Rechner ja, es sind ja nur ein paar Klitzekleinigkeiten die es nicht tun. Das diese Kleinigkeiten von einem Geklüngel von Schmarotzern verursacht wird, die sich im Rechner breitgemacht haben, die sich mit einigen Widerhaken im System verankert haben, sieht man ja von außen auch nicht.

Man sieht auch nicht was diese Schädlinge unter Umständen für Schäden angerichtet haben. Schäden die durchaus bleiben können auch wenn der Schädling entfernt wird (Wenn man den Holzwurm los geworden ist verschwinden die Löcher ja auch nicht von alleine).

Was man auch nicht sieht ist, wie schwierig es teilweise ist diese Schädlinge loszuwerden, oder die Löcher zu stopfen. Ein paar Schädlinge sind sogar darauf ausgerichtet möglichst viel mitzureißen wenn sie entfernt werden, damit man sie nächstes Mal in Ruhe lässt - lieber ein halbwegs laufendes System als ein völlig kaputtes.

Es gibt nur grobe Schätzungen wie viele Computer am Internet hängen die von etlichen Schädlingen befallen sind, es sind wohl sehr viele. Manchmal kommen Berichte über sogenannte Bot-Netzwerke in Fachzeitschriften, selten merkt man etwas davon, mal abgesehen von dem vielen Werbemüll mit dem man überflutet wird.

Das ist das Chaos das im Moment aktuell ist.

Die Angst kommt nach dem Chaos. Das Chaos wurde groß, größer, man bekam eine horrende Telefonrechnung, der ebay-Account wurde von Betrügern benutzt, der Rechner lief nicht mehr, man verlor Daten. Viele Wege aus dem Chaos führen in die Angst. Angst vor der Wiederholung.

Oder man übersprang das Chaos und ging gleich zur Angst über. Manchmal weil andere in ihrem Umfeld große Probleme erlebt haben, oder dank der Massen-Medien Presse und Fernsehen, die sich gegenseitig darin übertreffen mit Hilfe möglichst dramatischer Schreckensmeldungen Angst zu verbreiten, auf allen Gebieten, auch auf dem der Computerviren. Meldungen über zigtausend Euro hohe Telefonrechnungen, oder Millionenklagen von Anwälten wegen Urheberrechtsverletzungen. Und wenn ein Sender es meldet, meldet ein anderer bald was schlimmeres, um das Drama zu überbieten.

Etwas schlimmeres lässt sich immer finden wenn man nur gründlich sucht - und nicht umsonst ist das Wort 'erfinden' von 'finden' abgeleitet.

Wer der Angst verfällt, aber weiter das Internet nutzen will, findet schnell viele Firmen die Sicherheit gegen Geld versprechen, kauft sich ein Sicherheitsprogramm, üblicherweise mit einem Ein-Jahres-Abo auf Neuerungen.

Man nimmt in Kauf dass viele dieser Sicherheitspakete ein paar Merkmale mit den Schädlingen gemeinsam haben: genau wie die Schädlinge machen die Sicherheitspakete den Computer langsamer, genau wie bei den Schädlingen funktionieren einige Dinge mit ihnen nicht mehr so gut wie ohne, und genau wie viele Schädlinge nerven sie mit Meldungen die eigentlich auch nichts anderes als Werbung sind. Mal offensichtliche Werbung für ein kostenpflichtiges Update, mal Schleichwerbung indem sie anzeigen was sie alles tolles geleistet haben 'guck mal guck mal, ich hab ein Paket abgewehrt! Und einen Angriff!' statt einfach still und zuverlässig ihre Arbeit zu machen.

Der Unterschied? Die Sicherheitspakete machen keine strafbaren Aktionen mit dem Computer, lassen die Privaten Daten in Ruhe, löschen nichts wichtiges, und belasten gleichbleibend - man weiß woran man ist, man erkauft Sicherheit. Wenn ich nicht wüsste dass die Sicherheitsfirmen nichts mit den Viren-Schreibern zu tun haben würde mich das an alte Mafia-Strukturen erinnern: man zahlt Schutzgeld an die eine Gruppe, damit diese einen vor der anderen Gruppe beschützt.

Ob das gut ist so, sei dahingestellt, jedenfalls ist es deutlich angenehmer als im Chaos zu versinken.

Doch was passiert wenn man nach einem Jahr seinen Obolus an den Hersteller des Sicherheitspaketes nicht bezahlt? Wie viele Computer habe ich schon gesehen, oder von ihnen gehört, wo das Sicherheitspaket abgelaufen war? Wie oft wird wohl die Meldung 'die Virensignaturen sind abgelaufen' einfach weggeklickt. Man hat sich an sie gewöhnt, wie einst an den Schädling, und ignoriert sie. Tückischerweise kommen ja auch immer noch Meldungen dass das Sicherheitspaket etwas tut, es betreibt immer noch Eigenwerbung indem es ab und an mal schreibt dass es etwas abgewehrt hat, also geht der unbedarfte Anwender davon aus dass das Sicherheitspaket zwar vielleicht nicht mehr das Topmodell ist, aber doch immer noch etwas tut, und es doch so schlimm gar nicht sein kann.

Wie weit gefehlt diese Annahme ist, weiß er ja nicht. Denn die Schädlinge werden weiter aktualisiert, und irgendwann finden sie eine Lücke die das Sicherheitspaket nicht kennt, über die sie den Rechner befallen können. Und dann?

Dann hat man beides auf dem Rechner: Das Sicherheitspaket, das den Rechner belastet, und die Schädlinge, die den Rechner nun auch belasten. Double Trouble, wie man im englischen so schön sagt.

Irgendwann kommt dann der Tag, wo auch dieser Rechner völlig im Chaos untergeht. Wo die Angst wieder Futter bekommt, man nachdem das System einmal völlig kaputt war sich ein neues Sicherheitspaket gönnt, das Alte war ja offensichtlich nicht so gut, damit ein Jahr glücklich lebt, bis man das Paket verlängern müsste. Ein Jahr ist lang, seine Probleme vom letzten Mal sind geschrumpft, oder man hat sie vergessen.

Der Kreis beginnt von vorne.

Aber wie sichert man sich, oder andere denen man helfen will, im Internet gegen Viren ab?

Veröffentlicht am Do, 21. Dez 2006, 10:49 von Sam

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