Bettler in der Innenstadt
Sam Jost
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"Entschuldige, kann ich dich mal was fragen..."

Wenns in der Fußgängerzone so anfängt kommt als nächstes nahezu immer eine Frage nach ein paar Cent, etwas Geld, vielleicht pro forma auch nach was zu Essen. Immerhin ist die Frage meist (wenn auch leicht gezwungen) höflich gestellt, denn die Bettelpunks haben auch gelernt dass anpöbeln schlecht fürs Geschäft ist.

Man erkennt sie schon lange bevor man angesprochen wird, und drei typische Reaktionen der Angesprochenen sind mir aufgefallen:

Geld geben. Ist die einfachste Reaktion, man wurde ja vermeintlich nett gefragt, zahlt und hat seinen Frieden. Bis man das nächste Mal an einem Bettelpunk vorbeikommt, was oft genug schon nach wenigen Metern passiert.

Körperlich Ausweichen. Fällt sofort auf, nicht nur den anderen Passanten sondern auch den Bettelpunks, und diese stürzen sich gerne auf die Ausweicher.

Unfreundlich antworten. Viele angesprochene ärgern sich über die Bettelei, vermuten dass der Punk genug Geld hat und lernen sollte damit klarzukommen, oder denken sich dass er gefälligst arbeiten gehen soll wie sie selber auch. Vielleicht ärgern sie sich ja auch dass sie nicht so leicht Geld ohne 'Arbeit' bekommen und sind deswegen leicht pöbelig in ihrer Absage.

Die letzten beiden Reaktionen neigen dazu sich hinterher zu ärgern. Entweder über den Punk, oder über die Situation, oder über die eigene Reaktion darauf. Nur sehr wenige schaffen es einfach nur höflich aber bestimmt 'nein' zu sagen, ohne ihre eigene Laune von der Bettelei beeinflussen zu lassen.

Da ich in der Fußgängerzone wohne hab ich jeden Tag Gelegenheit die Bettelei und die Reaktionen zu beobachten, und mir selber neue Reaktionen auszudenken, um für mich einen Weg zu finden wie ich ihnen möglichst freundlich und nett kein Geld zu geben.

Was bisher sehr gut funktioniert hat war direkt auf den Bettler zuzugehen, und grade wenn er mich ansprechen will ihm richtig herzlich aber bestimmt ins Wort zu fallen und lächelnd in blumigen Worten einen wunderschönen Abend zu wünschen. Meist war der Bettler vom ins Wort fallen so irritiert dass er danach nicht mehr nach Geld fragte, und da ich nicht stehenbleibe um das zu sagen sondern weitergehe ist der Fragemoment kurz danach auch vorbei.

Aber ich vermute es ist nur eine Frage der Zeit bis sie das ignorieren, und dafür übe ich jetzt ein mit offenherzig freundlichem Gesicht gesagtes 'nein, ich gebe nichts'. Und falls dann noch jemand fragt warum nicht einfach nur zu sagen 'weil ich nicht möchte'.

Ich finds nämlich nicht besonders schön bei jedem Gang durch die Innenstadt angebettelt zu werden, und möchte das tunlichst nicht unterstützen.

Sicher gehts einigen Bettlern echt schlecht und sie brauchen Unterstützung, aber zum einen denke ich ist Geld nicht der richtige Weg sie zu unterstützen, und zum anderen glaube ich nicht dass diese aufdringlichen Innenstadtbettler zu denen gehören denen es wirklich schlecht geht.

Veröffentlicht am Sa, 16. Sep 2006, 12:42 von Sam

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